Sommerbrösel #2
SommerBrösel
1. *pi* im Radio
2. Neuer GrünZweig: Buch über Externsteine
3. Hunderte von Fotos aus den High- & HeidelbergerZeiten von Tom Ruddock
und Micky Lange
4. Mark Twain in Heidelberg
5. Frank Olson, CIA & LSD
6. Der Ball gehörte uns allen
1. Am 21. Juli bin ich von 10.05 bis 12 Uhr Gast der RadioRedeSendung
LEUTE im SWR, die wahrscheinlich in der folgenden Nacht auch als ‘Leute
night’ im TV zu sehen sein wird.
2. Auch der nächste Grüne Zweig wird limitiert nur für Abonnenten
verfügbar sein, da ich von dem Buch nur eine kleine Restauflage sichern
konnte:
Rolf Speckner & Christian Stamm
Das Geheimnis der Externsteine
Bilder einer Mysterienstätte
Über die Externsteine konnte man schon im Grünen Zweig Nr 22, ‘Indianer &
Wir’, lesen, zuletzt dann in meinem Buch ‘Maximum Respekt’. Dieses Buch
ist eine wahre Schönheit mit vielen sehr anregenden Geschichten und Infos;
ergänzt durch eine Beilage von mir, über meine Nacht in den Steinen bzw
der Reklusenkammer im Grottenfelsen…
3. Anfangs der 70er waren Tom Ruddock und Micky Lange Jungspunde im
Release Heidelberg. Beide wurden Fotografen, der eine in Hamburg, der
andere in Hollywood. Nun hat Tom hunderte von Fotos aus jenen Tagen
bearbeitet und “auch von Micky Langes fotos ein album auf facebook
gesetzt, heist dann auch: ‘Micky’s Release’.“
4. Mark Twain war ganze 100 Jahre zuvor in Heidelberg. Die Neuauflage
meines Buches von & über ihn ebenhier steht noch im Lager, der
Aufbau-Verlag hat sich nach anfänglichen harschen Tönen auch auf
wiederholte Nachfragen nicht mehr gemeldet – aber auch noch keine Anwälte
vorgeschickt.
So vertreibe ich das Buch derzeit nur als Regional-Geschichte an den
Heidelberger Buchhandel – nicht in die Restrepublik. Mehr gbt es hierzu
wohl erst, wenn der Verlags-Justiziar wieder aus dem Urlaub zurück sein
wird.
5. Meine Aufarbeitung des Themas ‘LSD & CIA’ wird gerade von mehreren
Menschen, die über (Teil-)Gebiete des Themas besser Bescheid wissen als
ich, gegengelesen.
6. Mein Buch ‘Der Ball gehört uns allen’ ist seit Jahren vergriffen, doch
zur aktuellen WM ist mit nochmal was aus den Fingern geflossen:
Der coole Schalk, er
Flashback Wembley-Tor. „Ich habe nicht gesehen, daß der Ball im Tor war,
aber ich sah, wie der Engländer Hunt nach dem Schuß von Hurst seine Arme
hochriß. Ich sah auch, daß der deutsche Torwart einen untröstlichen
Eindruck machte. Deshalb muß es Tor gewesen sein.“ So Linienrichter
Bachramow am 30. Juli 1966.
Dann das aktuelle England-Spiel. Der sid meldete: „Lampard hatte im Spiel
gegen Deutschland in der 38. Minute aus 17 Metern abgezogen – der Ball
flog über Torwart Manuel Neuer hinweg, knallte an die Unterkante der
Querlatte und von dort eindeutig hinter die Linie. Doch der uruguayische
Schiedsrichter Jorge Larrionda ließ weiterspielen, sein Assistent Mauricio
Espinosa an der Linie hatte kein Tor angezeigt.“
Bei Lamperts Tor rissen einige Spieler die Arme hoch, doch Torwart Neuer
reagierte cool, so daß Linien- und Schiedsrichter diesmal mehr auf ihn
achteten, als die hochgerissenen englischen Arme. Die Armen. Das
24-jährige Schlitzohr ließ keine Sekunde verstreichen und setzte das Spiel
ohne Unterbrechung fort, als wäre nichts gewesen. Vielleicht auch ein
Grund, warum der Schiedsrichter aus Uruguay [sic!] und sein Assistent
nicht auf Tor entschieden. So sehen das jedenfalls einige englische
Medien. Neuer selbst sagte dazu nach dem Spiel: “Nachdem ich mich
umgedreht habe, habe ich mich nur auf den Ball konzentriert. Ich habe
schnell versucht, nach vorne zu spielen, damit die Schiedsrichter nicht
daran denken, dass der Ball drin war.” So wurde Manuel Neuer kurzfristig
zum nationalen Ballhelden, doch hat er es verpaßt, zur globalen Legende zu
werden. OK, auf politischer, wirtschaftlicher und fahnenschwingenden
Ebene hätte er (in D.) ausgeschissen gehabt, aber …
Ich erinnere mich, wie das war, als ich mit ca. 16 in der Jugendmannschaft
des TUS Stockum als Verteidiger ein Ball klar im Tor sah, was der
Schiedsrichter nicht mitbekommen hatte. OK, wir haben damals allemal
zweistellig verloren, aber ich fand es richtig, den Irrtum aufzuklären.
Als einziger nicht Biertrinkender in der Mannschaft konnte ich mich
allemal nicht weiter zum Außenseiter machen.
Was aber, wenn dieses Schalker Schlitzohr unter den Augen von Millionen in
aller Welt dem Schiedsrichter sofort, und nicht erst später in den Medien,
die Wahrheit gesagt hätte? Im Falle einer deutschen Niederlage wäre er
wohl sofort an einen englischer Verein verkauft worden. Aber, so ein
Kommentar im Guardian: „…the world as a whole – and every fair-minded
German fan too – would have had to admit that he had done the right thing
[…] who knows what difference that example might have made to the lives
of many of those watching who are young and impressionable. Neuer could
have been a hero, standing up for what is right. Instead he is just
another very skillfull, cheathing footballers.“ Ob ihm oder dem Trainer
oder den Mitspielern oder den deutschen Zuschauern und Rudelglotzern sowas
in den Sinn kam?
In der öffentlichen Meinung erregte man sich über manche Entscheidung von
Schiedsrichtern, die sich in slow-motion als falsch herausstellten. Ich
unterstelle ihnen keine grundsätzlichen bösen Absichten oder gar Betrug.
Auf www.lizaswelt.net/2010/06/befordert-sie.html heißt es über die
Schiedsrichter-Realität: „Umso unbegreiflicher ist es, dass der große
Bruder der Uefa, der Weltfußballverband Fifa nämlich, die Schiedsrichter
bei Weltmeisterschaften förmlich kaserniert. Zu ihren (Fehl-)
Entscheidungen dürfen sie nichts sagen, weil die Offiziellen befürchten,
die Referees könnten sich um Kopf und Kragen reden. Dabei heizt die
Schweigepflicht die Debatte erst recht an, ohne dass die Unparteiischen
sie beeinflussen könnten. Außerdem ist es nachgerade grotesk, dass die
Fifa die von ihr ausgewählten Schiris zwar für fähig hält, die Spiele des
bedeutendsten Fußballturniers der Welt zu leiten, ihnen aber offenbar
nicht zutraut, abseits des Spielfeldes genauso professionell aufzutreten.
Wie zutiefst bedauerlich das ist, macht nicht zuletzt jene Spielszene
deutlich, die nicht nur in England für Entsetzen sorgte: Warum nur
erkannte das Schiedsrichtergespann nicht, dass der Ball nach Frank
Lampards Lattentreffer unzweifelhaft hinter der Torlinie aufkam? Hätte der
Unparteiische oder sein Assistent öffentlich Auskunft erteilen dürfen,
dann hätte man vermutlich etwas erfahren, das nicht jedem Zuschauer klar
sein dürfte: Beim Torschuss stand der Assistent dort, wo er stehen musste,
nämlich auf der Höhe des – den Torwart mitgerechnet – vorletzten
englischen Verteidigers. Und von dieser Position aus – die er einzunehmen
hatte, um eine mögliche Abseitsstellung sehen zu können – war es für ihn
naturgemäß nicht zu erkennen, ob der Ball nun eindeutig (!) die Torlinie
überschritten hatte oder nicht. Für den ebenfalls korrekt postierten und
daher noch weiter entfernten Schiedsrichter gilt das erst recht.“ Der
Buchhalter aus Montevideo ließ munter weiterspielen.
Absichtliche Betrügereien von Spielern sind von solchen Diskussionen
weitgehend ausgeschlossen. John Davies leserbriefte im Guardian: „Concern
over England’s disallowed goal has now been augmented by the events we
were treated to the unsavoury spectacle of Uruguay cheating their way into
the semi-finals. It seems that the laws pertmit a team to benefit – and,
in this case, win the game – by committing a deliberate foul to prevent a
certain goal. If football had an equivalent to the ‘penalty try’ that
prevents cheats from prospering in rugby, the goal would have been given,
and Ghana would have won. The absence of outrage from commentators at such
an injustice is perhaps symptomatic of the cynism with which many regard
football, but Fifa has good reason to be concerned when it is permissable
for a foul to win a game.“
Ich erdreiste mich dieses Themas anzunehmen, da vormals – in meinem
vergriffenen Buch ‘Der Ball gehört uns allen’ – eine ähnlich simple wie
grundlegende Fußball-Regel zum Thema machte, die Frage: Warum sind das
immer 11?
Dafür bekam ich in der FAZ höchstes Lob von jemandem, dem Jahre später die
selbe Frage in den Sinn kam, und nur in meinem Buch eine Antwort fand
„Werner Pieper, ein ‘Bruder im Geiste’ … Die Recherche belegt: Die Zahl
11 hat ihre Bedeutung, auch sie ist nicht zufällig. Pieper sei Dank. […]
Ein Spiel erobert die Welt, fasziniert alle Kulturen, aber niemand fragt
nach dem Sinn einer seiner wichtigsten Grundregeln…“ Eine weitere
wichtigste Grundregel war die Fairness. Fairplay, ehemals ein Schutz der
Gesundheit, der Gleichheit und Sportlichkeit, verkam schon vor langer Zeit
zur Glaubwürdigkeitsbasis von Totto-Spielern. Darf ein Sportler in
überkommerzialisierten Zeiten wie den heutigen überhaupt noch sportlich
fair agieren, ohne den Zorn der Mitspieler, des Trainers, des Managers und
der Fans zu provozieren. Wo kämen wir denn hin, wenn das alle machen
würden?
Wie sind die Aussagen von Funktionären wie Spielern bei
Freundschaftsspielen zu interpretieren, wenn sie behaupten „Dabei geht es
doch um Nichts.“ Bedeutet Freundschaft für sie nichts?
Holger Fach, ehemals Mönchengladbach, trauerte nach Karriereende seinen
verlorenen Illusionen…: „…daß es in der Bundesliga mehr Leute gibt,
die die Wahrheit sagen, als Leute, die lügen“ nach. Bernhard Meier schrieb
schon vor zwei Jahrzehnten in seinem Buch Menschlichkeit – als
fundamentalanthropologisches Prinzip im Sport: „Keine Chance hat der
Sportler (konkret im Fußball-Leistungsbereich), der versucht, gegen den
Strom der totalen Erfolgsorientiertheit zu schwimmen, um menschlich-fair
zu bleiben. Ist er auch im persönlichen Umgang ein noch so feiner Mensch,
so kann er sich das auf dem Spielfeld nicht leisten; bei mangelndem Erfolg
wird er nicht mehr angeschaut, fast kaltgestellt, als Sündenbock
behandelt. Mit dem großen englischen Vorbild Stan Mathews zu
argumentieren, der in zwanzig Jahren Spielpraxis keine einzige gelbe und
rote Karte bekommen hat, würde bestenfalls belächelt. Weder Trainer noch
Funktionäre (im System:
Öffentlichkeits-Medien-Zuschauer-Verein-Trainer-Sportler) sind meines
Erachtens in der Lage, diesen Kreislauf zu durchbrechen.“
„Wenn Neuer den Ball tatsächlich hinter der Linie gesehen hat, wäre er ein
perfekter Lügner und das in diesem Alter schon….“ kommentierte ein
Kumpel. Kann man mit Fairplay Millionär werden bzw. bleiben? In meinem
Buch schrieb ich einen Brief an den Fußball: „Sowohl Deine Glaubwürdigkeit
wie auch die der Rockmusik gerät heute durch Überkommerzialisierung ins
Wanken.“ Das ergänzte seinerzeit H.D. Heilmann: „Da beidem aber
heutzutage (mit Einschränkungen) die ethische Orientierung fehlt, wird
auch der schönste Fußball keine gesellschaftliche Bedeutung im Sinne der
Höherentwicklung haben können. Dafür im Gegentume umsomehr. Das Geld
versaut eben alles.“
Wo kann ein Mann noch so befreit rumrotzen wie ein Fußballer aufm Platz?
Und wo umarmen und herzen sich Männer öffentlich körperlich so
unbeschwert, wie dort? Meinte René Zucker: „Es ist ein Wunder, was ein
Ballspiel aus Männern machen kann. Ein Wesen, das schlimmste
Schicksalsschläge mit steinerner Miene und scheinbar unbewegt ertragen
kann, metamorphiert innerhalb von Sekunden zum verspielten Sensibelchen,
sobald sich ein Ball nur nähert.“
Der Ball. Eskimos spielten mit Moos gefüllten Robbenlederbällen, Chinesen
füllten ihn mit Federn, die Aborigines stopften den Hodensack einen
Kängurus aus, in Hawai bestand der aus festgewickelten Blätternund Lumpen
und hieß Po-po.
Und heute? Ist ja kein Zufall, daß die Spieler aus der Bundesliga (also
nicht nur die ‘Deutschen’) mit dem deutschen (?), in China fabrizierten
Adidas-Produkt Jabulani besser klarkommen als die andern Mannschaften: für
jene ist das Spielgerät neu, nur die Bundesligarianer konnten sich schon
ein Jahr lang an ihn gewöhnen.
In England kommt die denglische Umschreibung ‘Impossible is nothing’, dem
aktuellen Adidas-Werbespruch, laut The Guardian ‘mystical and meaningless’
rüber.
Gibt es Bischof Hengesbach noch? Er war/ist großer Schalke-Fan und könnte
Kollegen Neuer im Beichtstuhl aufklären. Auch ein Bischof hat es (auf
Schalke) nicht leicht. „Immer am Ball bleiben, dieses Wort aus der
Fußballer-Sprache gilt auch für uns Seelsorger“, war seine Erkenntnis, und
er schrieb auch über seine Loyalitätsprobleme, darob er sich manchmal mit
seinem Chef höchstpersönlich in Verbindung setzte. „So schicke ich ein ums
andere Mal ein Stoßgebet gen Himmel: ‘Lieber Gott, laß sie unentschieden
spielen’. Manchmal erhört der liebe Gott mein etwas törichtes Gebet,
manchmal setzt er mich er Prüfung aus, zwischen Sieger und Verlierer zu
stehen, den einen zu beglückwünschen, den andern zu trösten“.*
Schade, daß Paraguay ausgeschieden ist – da hätten zwei Jabulani-erfahrene
Dortmunder Weltmeister werden können. Was hätte Hengesbach dazu gesagt?
Oder Neuer?
*pi*
Kommentare
gerald Wölz schreibt: