Was tun, wenn einem das Dach auf den Kopf fällt? Immer mehr junge Leute bauen sich Tipis, um ortsunabhängig wohnen zu können.
"Ein Tipi", so Laufi Lauf, der jahrelang mit einer größeren Gruppe Gleichgesinnter durch Europa zog und in diesen Rundzelten lebte in seinem Vorwort, ist "eine runde Behausung, die Ruhe und Gemütlichkeit ausstrahlt. Ein richtiges Zuhause ohne festem Dach über dem Kopf, sondern mit einer offenen Rauchklappe, durch die man Nachts die Sterne blinken sieht.. In der Mitte die Feuerstelle zum wärmen und kochen und schauen und wohlfühlen ..."
Seit über 10 Jahren lebt Silvia McIntosh in Tipis in Europa, Amerika und Australien. Sie näht und verkauft Tipis und gibt entsprechende Workshops.
In diesem Buch schildert sie Schritt für Schritt, wie man ein Tipi näht. Die Anleitungen sind so einfach gehalten, daß sie auch ein unerfahrener Anfänger begreifen und ausführen kann: Welches Material? Wieviel Stoff? Wie werden die einzelnen Teile zu einem Ganzen? Wie wird ein Tipi aufgestellt?
Inhaltsverzeichnis
| Häuptling Flying Hawk: Die permanente Veränderung |
6 |
| Liebste Mitmenschen! - Einleitung der Autorin |
8 |
| Bauanleitung Welches Material wird gebraucht? |
11 |
| Wieviel Stoff für ein Tipi? |
12 |
| Was wird noch benötig? |
13 |
| Der Arbeitsplatz - Die erste Bahn |
14 |
| Anfangen zu nähen |
20 |
| Der Rauchklappenkeil |
21 |
| Verstärkung am Mittelpunkt |
22 |
| Die Rauchklappen |
25 |
| Die Knopfleiste |
29 |
| Die Rauchklappenverstärkung |
30 |
| Die Knopflöcher |
34 |
| Die Tür I |
35 |
| Die doppelt gefaltete Naht |
37 |
| Die zweite Bahn |
39 |
| Laschen für die Heringe |
43 |
| Die Tür II |
46 |
| Die Taschen |
47 |
| Tür mit Regenfänger |
48 |
| Der Regenfänger |
50 |
| Die Stangen |
52 |
| Wie wird ein Tipi aufgestellt? |
53 |
| Das Innenzelt |
60 |
| Tips & Tricks |
67 |
| Erdige & windige Tips |
68 |
| Wässrige Tips |
72 |
| Der Graben |
75 |
| Der Hut |
76 |
| Feurige Tips |
77 |
| Schnittmuster |
78 |
| Diagramm für unterschiedliche Tipigrößen |
79 |
| Glückwunsch |
80 |
| Der Aufbau eines Tipis in Bildern |
81 |
| Ergänzungen von Zaza |
89 |
| Laufi Lauf: Das Tipi-Leben der Lü Leute |
90 |
| Bezugsquellen |
94 |
Die permanente Veränderung
Im Tipi lebt es sich ungleich besser: es ist immer sauber, im Winter warm, im Sommer kühl, es läßt sich leicht damit umziehen. Die Häuser die der Weiße Mann baut sind groß, kosten viel Geld, sehen aus wie ein großer Käfig, es grenzt die Sonne aus, es läßt sich nicht versetzen, macht immer krank. Indianer und Tiere wissen besser als der Weiße Mann zu wohnen. Niemand kann gesund sein, wenn er nicht ständig frische Luft, Sonnenschein und gutes Wasser um sich hat. Falls es der Wille des Großen Geistes gewesen wäre, daß Menschen immer am selben Platz wohnen, hätte er die Welt angehalten. Er aber baute die permanente Veränderung mit ein, sodaß die Vögel und Tiere sich frei bewegen können und immer grünes Gras und reife Beeren finden, wir im Sonnenlicht arbeiten und spielen, wie in der Dunkelheit der Nacht schlafen können.Im Sommer können die Blumen aufblühen, im Winter schlafen. Alles verändert sich fließend, stetiger Wandel ist gut, Stillstand ist nichts. Der Weiße hört nicht auf den Großen Geist, daher konnten die Indianer nie mit ihm einig werden.
Häuptling Flying Hawk, Ogalala, 1931
Liebste Mitmenschen!
Vor euch liegt eine einfache Anleitung, wie ihr ein Tipi herstellen könnt. Ich hoffe es gelingt jedem Tipiliebhaber auf Grund meiner Angaben sich selbst ein eigenes Tipi zu nähen. Ich selber habe im Jahr 1990 erstmals für ein paar Wochen in einem Tipi geschlafen und mich dabei so wohlgefühlt, daß mich diese Form des Wohnens und Schlafens seit dem immer wieder wie magisch anzieht.
Im Jahre 1991 lebte ich in einer Waldkommune. Mit 10 Bauwägen standen wir auf einem alten Sägewerkplatz mitten im Wald, nahe der alten Zonengrenze zwischen Fulda und Eisenach. Am Schnepfenbusch, so der Name des Platzes, betrieben wir eine große Gemeinschaftsküche, reparierten Autos, stellten Schmuck und Trommeln her. Das Sägewerk hatten wir von einem BioBauern, dem sehr viel Land und Wälder gehörten, gemietet. Auf einer Wiese in der Nähe seines Hofes trafen sich einmal jährlich die Anhänger des 2-Adler-Stammes. Dieser Verein von Indianer-Liebhabern lernte unter der Leitung von Martin Highbear, einem 'richtigen' Indianer aus den Staaten, die zeremonielle Lebensart der Lakota Indianer kennen. Zweimal jährlich trafen sich Vereinsmitglieder zu einem 'Stammestreffen', mit Schwitzhütten, indianischen Gesängen und einem Leben im Freien - in Tipis und Zelten. Wir wurden regelmäßig zu diesen Treffen eingeladen. Dabei verliebten sich noch mehr Leute aus unserer Gemeinschaft in Tipis. Ein Jahr später hat unsere Freundin Birgit Wyslich in unserer Wohngemeinschaft auf dem Schnepfenbusch ein Tipi-Workshop gegeben - für vier Frauen und einen Mann. Dort habe ich die Grundlagen dieser Arbeit gelernt. Damit begann meine Reise durch die internationale Tipiwelt, die mich auch heute, nach zehn Jahren, immer weiter führt. In dieser Zeit habe ich in den USA, Europa und Australien in Tipis gelebt, Workshops gegeben, selbstgemachte Tipis verkauft ... Während all den Jahren kamen viele Leute mit noch mehr Fragen, die erste war meist: "Kannst Du mir bitte zeigen, wie man ein Tipi macht?" Oft habe ich es erklärt und im Laufe der Zeit sind so viele wunderschöne Tipis entstanden. Aber auf Dauer nervt es, sich immer mit den selben Sachen den Mund fuselig zu reden und so kam ich auf die Idee, mein Wissen in einem Buch zu bündeln. Mein Plan war es, auch Anfängern in einer leicht verständlichen Anleitung Schritt für Schritt die Entstehung eines Tipis zu erklären, und das Ganze mit aufhellenden, hilfreichen Abbildungen anzureichern. Auf den folgenden Seiten siehst du das Ergebnis. Dieses Buch erschien zuerst in Australien in englischer Sprache im Eigenverlag.
Zu tiefen Dank bin ich jenen amerikanischen Indianern verpflichtet, die diese praktische Behausung entwickelt haben. Meine Achtung und mein Respekt dafür, daß dieses Wissen über Generationen hinweg gelebt, bewahrt und weitergegeben wurde, ist grenzenlos. Vielen Dank auch an Sangeeta, meine liebe Freundin, die mich lehrte wie Tipis genäht werden. Ebenfalls bedanken möchte ich mich bei der Regenbogenfamilie, die mir in ihrer Tipigemeinschaft in Mutter Natur ermöglichte, ein aktives Stammesleben zu erfahren. Ganz herzlicher Dank gebührt meinem lieben Ehemann Mark, mit dem ich so viel Zeit in Tipis verbringe und ohne dessen große Unterstützung dieses Buch unvollständig geblieben wäre. Zu guterletzt vielen Dank an Sonia Sunshine, Helena, Lukas und an alle lieben Mitmenschen, die mir auf meinem Weg mit ihren Ideen, ihrer Hilfe und Inspiration weitergeholfen haben. Dir und euch wünsche ich viel Spaß - erst beim Blättern & Lesen und dann beim Nähen eines eigenen Tipis. Möge dir dein 'tragbares Zuhause' helfen an Plätzen leben zu können, wo sonst kaum jemand hinkommen kann.
Licht & Liebe
Silvia
Zuschriften mit Kritik, Anregungen & Liebesgaben bitte direkt an die Autorin Silvia McIntosh, P.O.Box 482, Nimbin 2480, N.S.W., Australien, eMail: omfamily@hotmail.com
PS. Ich werde häufig auf das Leben mit unseren drei Kindern im Tipi angesprochen. Manche Eltern haben Angst, daß ihre Kinder durch das Feuer in der Tipimitte gefährded sein könnten. Doch unsere Erfahrung zeigt, daß dies kein Problem ist: auch kleine Menschen lernen schnell den Respekt vor dem Feuer. Unsere Kinder lieben das Tipi-Leben. Wir zogen in ein Tpip mit 5,4m ø als Sohn Manu gerade vier Monate jung war. Für zweieinhalb Jahre hatten wir eine gemütliche Tipizeit. Anschließend haben wir vorwiegend in unserem Bus gelebt und das Tipi nur phasenweise aufgestellt. Manu bekam zu seinem 5. Geburtstag seinen größten Wunsch erfüllt: sein eigenes Kindertipi. Mittlerweile leben wir mit unseren drei Kindern in unserem auf 7m ø vergrößertem Tipi. Da bleibt sogar genügend Platz für eine Hängematte. Tipis helfen uns an Plätzen leben zu können, an denen wir weitgehend ungestört sind. Wir lieben unser 'tragbares Zuhause'!