Gruene Kraft
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Der Grüne Zweig
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Wer wusste schon unter Kaiser Wilhelm, dass nur lange Haare und Nudismus wirklich Glück und Selbstfindung bedeuten? Wer protestierte im selbgeschneiderten Rock gegen den ersten Weltkrieg? Und wer lebte lieber im Baum statt im Haus, auch wenn die Nazis durch die Welt tobten?

Funkensprühend witzig liest man drei Portraits von Querköpfen und Frühhippies zwischen 1895 und 1956. Ulrich Holbein hat ihre verschlungenen Wegen und ihr noch verschlungeneres Wirken portraitiert - mit dem Mitgefühl des Wissenden und mit der Feder des Essayisten.

Ein großer Lesespass, wenn man nun barfüßige Weltverbesserer, Wanderprediger, verspottet als Kohlrabi-Apostel und Kartoffel-Christusse, kennenlernt, die mit dem ‚Zurück zur Natur’ ernst machten und das ganze Programm von "Lover & Peace" bereits draufhatten: Pazifismus, freie Liebe, Technikkritik, Spießerverachtung, lange Haare, Nudismus, Vegetarismus usw. usf. - mit einer durchaus bewunderswerten Konsequenz!

Einerseits hat die offizielle Geschichtsschreibung die meisten dieser Widerständler ungerechtfertigterweise untergepflügt. Andererseits erhielten sich viele Text- und Bilddokumente, von denen sich etliche in diesem Buch wiederfinden. Ulrich Holbein bietet nun in einem Grünen Zweig vier amüsante Essays:>

Erstens eine kurze aber profunde Weltgeschichte naturprophetischer Gestalten, angerichtet im legeren Sprachwitz-Beet.
Zweitens das Portrait des titanenhaften Karl Wilhelm Diefenbach, der seine Visionen so konsequent auslebte, dass es wirklich niemand mit ihm lange aushielt - ein konsequentes Schicksal für diese "wurmhaft Unfähigen", wie der Meister dann urteilte.
Drittens die Lebensgeschichte des Gustaf Nagel, dessen konsequente kleinschreibung mit gans eigener ordografi auf schönsde mid seinen visionen fon der libe (gans wichdig!) und dem weideren lebn korresbondiern.
Viertens der wortgewaltig-unbeugsame Gusto Gräser, der dichtend und schauend zwischen allen Stühlen und sowieso lieber auf den Bäumen saß - konsequent von der Weimarer Republik, über die Nazizeit bis tief ins Wirtschaftswunder-Deutschland.

Dies alles und ergänzende Beiträge von
Herrmann Müller über die Spätwirkungen jener Szene von vor 100 Jahren aus Ascona auf die Naturkost- und Landkommunenbewegung in den USA.
Werner Pieper über den 'Tanz der Grünen Kraft' 1978 in den Wäldern des Monte Verita.
Stark mit vielen Fotos und Dokumenten illustriert.

ÜBER ULRICH HOLBEIN:
"Von vorne betrachtet, scheint er, ausgestattet mit wallendem Haar, schütterem Bart und indisch strotzender Weisheit, eine Reinkarnation Buddhas als jesusmäßiger hessischer Waldschrat, von hinten eine der schlagfertigsten und witzigsten Kolumnisten des Kulturbetriebs", staunt die Frankfurter Allgemeine über Ulrich Holbein.
Der Rolling Stone brachte in seinem Juli-Heft fünf fette Seiten Uliversum Unwiederholbein: „Bei den Verlagen gibts zwei Hauptschienen: Hochkultur, Stichwort Suhrkamp, und Subkultur, Stichwort Piepwerner.“

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