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Rolf Speckner / Christian Stamm
Das Geheimnis der EXTERNSTEINE
Bilder einer Mysterienstätte
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Der Grüne Zweig GZ 272 Permalink
€ 33.00
| Großformat, viele sehr gute schw/w Fotos, 193 Seiten, HardCover; Restauflage aus dem Verlag Urachhaus
Available: sehrwenige
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Ich hatte die Restauflage dieses Buches vom Verlag Urachhaus aufgekauft, nun sind nur noch ein halbes Dutzend im Lager.
Den verschicktenBüchern hatte ich einen Text über mein letztes Treffen mit den Steinen beigelegt, den ich hier nun zum Besten gebe:
Meine Externsteine Teil II
In meiner Erinnerung einer jener Schulausflüge, die mir keine Spaß machten. Muß noch in den 50ern gewesen sein; als einziger Evangelischer in der Klasse aus dem Sauerland zu den Externsteinen, diesem ‘herausragenden Kunstwerk christlicher Kunst & Symbolik’ im Weltbild meiner katholischen Lehrer.
Um so verblüffter war ich dann 1973, als ich eine Gruppe traditioneller Indianer eingeladen hatten und von denen erzählt bekam, daß die Externsteine eine der wichtigen Etappen ihres Europa-Aufenthaltes war. In den Folgejahren besuchte ich - oft in Begleitung von Freunden - die Steine. Selten während der Eintrittszeiten, sondern meist in der mamonfreien Nacht. Unvergessen jene heimelige überdachte Futterkrippe, auf deren ‘Dachboden’ es sich bestens schlafen ließ.
Wiederholt tauchten die Steine in Publikationen der GrünenKraft auf, so im Zweig 22, Indianer & Wir, wie auch in meinen Maximum Respekt-Danksagungen, dort mit einer Einleitung von John Michell.
Hier ergänzend ein kleiner Bericht meiner bislang letzten zwei Besuche
Im geliebten Hotel Bärenstein hat der WDR ein Zimmer für mich reservieren lassen. Nachmittags kommt dann Martin Stankowski, der für den WDR zur Ferienzeit eine akustische NRW-Tour macht. Titel: Starke Plätze. Jeden Tag live im Mittagsmagazin.
Martin fällt auf, daß es sich bei diesem Hotel ja eigentlich um ein Altersheim handelt. Wir spazieren über den Bärenstein (Berg) zu den Externsteinen. Nach 45 Jahren Bekanntschaft unser erster Spaziergang - und dann so ein schöner. Martin ist auch schon viele Jahre nicht mehr hier gewesen und scheint sich selber beim Staunen zu erwischen.
Sprung ins neue Jahrtausend: Mit Aufnahmewagen und Regen an den Steinen. Der Förster ist seit 40 Jahren vor Ort: ‘Ich habe sie alle kommen sehen’. Er hat für viele der Spirituellen und Kids kein Verständnis. Wen er keinesfalls mag, sind die Hippies: die lassen immer so viele Bierflaschen und Müll zurück. Vor allem zu den Sonnenwenden uferts aus. Aber er ist machtlos gegen die Zeltlager und illegalen Lagerfeuer. Beim letzten Fest hat er auf die durch Camper mißbrauchte Wiese Feuerstellen mit Feuerholz geschaffen, damit die Wilderei nicht so ausufert. Aber natürlich toleriert er alle Menschen, die kommen, um das Naturdenkmal zu bewundern. Ist ja auch sein Job. Sagt er.
Heute ist sein und mein Job, den Hörern etwas über die Steine zu erzählen. Tun wir. Zeit ist schnell um und man war’s zufrieden. Bin noch zufriedener, als ich die Woche drauf den Spesenabrechnungsscheck vom WDR bekomme. Kein Wunder, daß die Radiogebühren steigen. Das i-Tüpfelchen dieses Besuches an den Steinen war jedoch der Förster, der auf meinen Wunsch hin von seiner Schlüsselgewalt Gebrauch machte und die Gittertür zur Hauptgrotte in den Steinen, der Reklusenkammer öffnete.
Da wollte ich doch schon immermal rein. Nicht nur ich: nur Sekunden nachdem er das Gitter geöffnet hatte, strömten zwei Dutzend, vor allem ältere Menschen herein. Keine Ahnung, wo die herkamen, denn kurz vorher hatte man draußen bestenfalls jemand seinen Hund im Regen ausführen sehen. Nun gut: die meisten der Leute hatten Ruten und Pendel dabei und irgendwie konnte ich mit dem Förster mitfühlen. Wenn man jeden Tag mit solchen Menschen zu tun hat ...
Es war also keine Ruhe, den Raum richtig aufzunehmen oder sich aufnehmen zu lassen. Schade. Wieder daheim schicke ich dem Förster die Sachen, die ich über die Externsteine publiziert habe. Auf meinen Wunsch, daß ich gerne mal in den Steinen übernachten würde, geht er Wochen später ein: das ließe sich wohl machen, da müßten wir aber über einen Termin reden. Wahrscheinlich ginge das nur im März. Ha! Der Scherzbold. Als ob mich Kälte von so einem Unterfangen abhalten könnte. Ich bleibe am Ball.
Am 12. März 2001 fährt mich Freund Hartmut gen Norden. 50 Std. später sind wir nach 999,3 km zurück. Regen all the way, ab und an sieht man noch etwas Schnee, vor allem, als wir uns unserem Ziel nähern: den Externsteinen. Hartmut, der Badenser, kennt sich mit den Steinen noch nicht aus. Ich hatte ihn damit gelockt, ihm ein Hotelzimmer im Hotel Bärenstein zu spendieren - aber da ist heute Ruhetag. Wir parken in Holthausen und gehen über den Bärenstein-Berg zu den Steinen. Und staunen.
Im Februar faxte ich den Förster, ob ich kommen dürfe und nun stand ich vor seiner Haustür. Pünktlich auf die Minute, 18 Uhr. Entgegen meiner Ankündigung hatte ich ja nun einen Kollegen dabei, der zwar mit Bettzeug ausgerüstet war, aber sonst noch nicht wußte, was er von all dem zu halten habe. Sehr sachlich erklärte der Förster: „Am besten Sie kommen um 21 Uhr wieder, sonst wird es ihnen doch zu lange. Dann fahre ich Sie an die Steine und schließe Sie dort bis morgens um 7 ein. Zu ihrem eigenen Schutz, denn da streichen Nachts doch manchmal seltsame Gestalten rum.“ Einschließen? Hartmut war noch nie in seinem Leben eingeschlossen, behauptet, klaustophobische Talente zu haben. Hatte ich gehofft in so einem Set & Setting mal wieder etwas von Alberts Tropfen nehmen zu können, um dann in und auf und um die Steine zu lustwandeln ... OK, no problem. Was nun? Erstmal düste Hartmut mit Vollgas hinter der untergehenden Sonne her & wir erhaschten sie noch am Berg des HerrmannsDenkmals. Dann zum Abendessen in die ‘Alte Post’ nach Horn. Was finde ich da auf der Speisekarte: ‘Grünkohl mit Pieper-Würsten’. Und darunter gleich ‘Wildschweinbraten’. Yummie. Nach einigen Aufmunterern entscheidet sich Hartmut dann, die Nacht mit mir, bzw. in den Steinen zu verbringen. An der Tanke holte er sich noch was zum schlucken und kurz vor Neun sind wir wieder beim Förster. Im Radio läuft um 20.55 DePhazz, Band von Hartmuts altem Kumpel Pit.
Der Förster chauffiert uns wie versprochen direkt an die Steine. Zwischen uns fällt kein persönliches Wort. Aber er fragt, quasi militärisch die wichtigen Fragen: Haben Sie ein Handy? Taschenlampe? Waren Sie nochmal austreten? Haben Sie meine Privatnummer? Sieben Fragen, die ich alle militärisch knapp mit ‘Jawoll!’ beantworten kann. Und dann schließt er die Gittertür auf, läßt uns rein, schließt wieder zu und verschwindet.
Wir orientieren uns: die Räume, deren Entstehung in der frühen Eisenzeit nachgewiesen wurde, sind frisch gefegt, aber es stehen durchaus ein paar Eis-Pfützen im Raum. Wir richten uns ein; ich beziehe ‘mein Schlafzimmer’ (habe zum ersten Mal im Leben eine Iso-Matte dabei, schließlich liegt draußen noch etwas Schnee) und zeige Hartmut seins (mit Fenster zum See). Über sein ‘Zimmer’, die Nebengrotte liest man: „Wenn man in der Nebengrotte steht, erlebt man deutlich den eigenen Charakter des Raumes. Die Nebengrotte ist kein Anhängsel des Hauptraumes. Während in ihm. zumindest heute, das Erlebnis der Offenheit gegenüber der Umwelt vorherrscht, ruht die Nebengrotte trotz ihres großen Fensters in abgeschiedener Verborgenheit aus. Die Längsrichtung der Nebengrotte, die der besucher unwillkürlich als Blickrichtung einnimmt, lekt den Blick auf das hell erleuchtete Fenster, während der Blick in der Hauptgrotte auf die geschlossene dunkle Schmalwand gelenkt wird. Durch die hohe Schwelle bekommt die Öffnung des Charakter eines Fensters. Man wird durch die Schwelle imRaum gehalten. Dadurch entsteht in dem kleinen Raum eine warme, konzentrierte, fast kontemplative Atmosphäre ...“
Ich zünde ein paar Kerzen an und räucher etwas mit Sweetgras etc, rum - some HocusPocus. Dann machen wir es uns in Hartmuts Nebengrotte (die man von außen nicht einsehen kann) bequem. Er hat mutmachende Flaschen dabei, ich rolle solang die Finger noch nicht steif sind (well, they never were) und da hockten wir in der Kälte und ich erzählte Hartmut, was das Ganze eigentlich ist bzw. solle. Eine Stunde später wurde es draußen unruhig. Stimmen. Wir beobachten Leute mit Kerze vom andern Ufer des Sees näher kommen - uns aber nicht sehen können. Stelle dir vor, du schleichst dich nachts im Winter an die Steine und da brennen ein paar Lichter im verschlossenen Raum ... den Stimmen nach haben wir es mit drei oder vier jungen Leuten zu tun, die ihr Camp direkt vor dem Gitterfenster ‘meines Schlafzimmers’ aufschlagen, inkl. Lagerfeuer. Dann klettern sie an eine größere, ebenfalls vergitterte Öffnung mit Vorsprung und fangen auf selbigem an zu singen & zu trommeln. Wir bleiben in unserer Ecke hocken rauchen noch einen. Nach einer kleinen Pause ruft dann das Mädel unter den jungen Leuten in zwei oder gar drei Sprachen in den Raum: ‘Are we disturbing you’? Wir versuchten ja unsichtbar zu sein und Hartmut hatte sich bis dahin arg zurtückgehalten, like a stranger in a strange land. Aber diese Stimme ist so lieb und nett und seine Antwort fängt als ein langgezogenes, tiefes ‘Noooo’ an und bleibt aber damit nicht stehen. Ich habe ihn in den vergangenen über 20 Jahren ja schon in vielen Situationen singen hören, but never like this before. Sein aktuelles Projekt heißt ‘In 80 Tönen um die Welt’ - Buch und CD für Kids bzw. Sozialarbeiter & Kindergärtnerinnen etc. Und er kann so gut ‘afrikanisch’ singen, daß es die meisten Menschen der Welt als ‘afrikanisch’ akzeptieren würden - außer den Afrikanern vielleicht. Same with ‘indisch’ oder ‘arabisch’ - und das Mädel steigt stimmlich ein. Weit über zwei Stunden singen die beiden, keine Texte, aber überwältigend. Zwischendurch hangeln wir uns hart am Rande von Lachkämpfen, den die Situation hat doch teils absurde Züge ... weit nach Mitternacht kehrt dann Ruhe ein, wir legen uns ab, schlafen sehr gut, und stehen zwei Minuten vor 7 bereit für den Förster. Der kommt pünktlich, fährt uns zu unserm Auto zurück und räumt anschließend die jungen Menschen ab: ‘Das Feuerholz haben die vom Friedhof; Feuer machen kostet 60 DM ...’. Ich hätte gerne noch mit den jungen Leuten geredet, aber Hartmut ist nicht nach einer Einmischung in die Räumung...
In den Tagen und Wochen darauf erlebte ich einige Extern Flashbacks, auch Ede fühlte sich energetisiert.
Mehr über die Externsteine in:
Der Grüne Zweig 22: Indianer & Wir, Löhrbach 1973
Der Grüne Zweig 200: Werner Pieper - Maximum Respekt. In diesem Buch findet sich ein Beitrag von John Michell, sowie meine grundsätzliche Danksagung an die Steine.
In dem wundervollen, großformatigem Buch Das Geheimnis der Externsteine, von Rolf Speckner und Christian Stamm (Verlag Urachhaus 2002), finden sich auf den Seiten 118 - 127, sowie 148 - 159 wunderschöne Fotos und tiefgehende Erläuterungen zum Grottenfelsen und seinen Innenräumen, die uns zur Zeit unseres Besuches ebendort noch unbekannt waren.