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Jonathan Ott
Ayahuasca Analoge
Pangæische Entheogene
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Edition Rauschkunde 08 Permalink
ISBN 978-3-930442-08-9
| € 30.00
| 160 Seiten, natürlich auf Hanfpapier gedruckt, fadengebunden
allerletzte Exemplare |
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Ayahuasca, das legendäre Ambrosia, ist eine psychoaktive
Pflanzenmischung aus dem Regenwald Südamerikas. Jonathan Ott hat
sowohl die ethnobotanische, chemische und pharmakologische Fachliteratur
studiert, als auch häufig vorort Eigenversuche mit diversen
Ayahuasca-Zusamenstellungen durchgeführt.
Ott beschreibt in diesem Buch die Herstellung und Wirkung dieses stark
psychoaktiven Gebräues, mit dem auch in Deutschland Seminare
abgehalten werden. Ein Hauptgewicht legt er dabei auf Pflanzen, die auch
bei uns wachsen können.
Unbedingt beachten: Vor dem Konsum ohne erfahrene Begleitung wird
ausdrücklich gewarnt.
Vom Autor autorisierte Übersetzung von Bert Marco Schuldes.
| Inhaltsverzeichnis |
Exordium
Das Amazonische Amrta und die
Entheogene Reformation |
11 |
Kapitel Eins
Naturgeschichte von Ayahuasca
Ein Pan-Amazonisches Entheogen |
17 |
Kapitel Zwei
Pharmakognosie von Ayahuasca
Pflanzen und Tränke |
41 |
Kapitel Drei
Ayahuasca-Analoge und
Psychonautische Berichte |
63 |
Kapitel Vier
Vom Pan-Amazonischen zum
Pan-Gæanischen Entheogen |
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| Anmerkungen |
113 |
| Bibliographie |
129 |
| Index |
145 |
| Weitere Bücher von J. Ott |
159 |
Exordium
Das Amazonische Amrta und die Entheogene Reformation
How do you know but ev´ry Bird that cuts the airy way, Is an
immense world of delight, clos´d by your senses five ?
William Blake
The Marriage of Heaven and Hell (1973)
Nachdem R.Gordon Wasson im Jahr 1955 in Südméxico den
traditionellen schamanistischen Gebrauch entheogener1 Pilze
wiederentdeckt hatte, veröffentlichte er zwei Jahre
später in einem populären Artikel in der Zeitschrift Life
sein "großes Abenteuer". Er beschrieb dort, wie er das
heilige Sakrament mit der mazatekischen Schamanin María
Sabina teilte. Diese Entdeckung und der Bericht darüber
bewirkten ein erstaunliches Wiedererwachen des Interesses an
schamanistischen Rauschmitteln [Wasson 1957; Wasson & Wasson
1957].
Die entheogene Droge Psilocybin war durch Albert Hofmann aus
María Sabinas Pilzen isoliert worden. LSD, ein
halbsysnthetisches pilzliches Entheogen, war von Hofmann, der
etwas ganz anderes gesucht hatte, 12 Jahre bevor Wasson den
Schleier des heiligen Mysteriums in México gelüftet
hatte, entdeckt worden. Beide Drogen zusammen wurden zu den
wichtigsten Wegbereitern einer weltweiten anachronistischen
Wiedergeburt archaischer Religionen, von der die westliche
Gesellschaft bis in ihren Kern erschüttert wurde [Horowitz
1991; Ott 1978]. Die daraus resultierende "kulturelle
Gegenbewegung" der "psychedelischen sechziger" Jahre markiert
einen noch nie dagewesenen Aufbruch vom "Business as usual", der
die Bühne für eine moderne entheogene Reformation
bereitete und verspricht, radikalere und weitreichendere
Änderungen in westlichen Religionen herbeizuführen, als
es irgendwelche vergangenen Ereignisse vermochten. In der Tat
waren Martin Luthers 95 Thesen vom Oktober 1517 ein weit
geringerer Schlag für die Amtskirchen, als es Gordon Wassons
eine These 440 Jahre später war. Wasson hatte die vielen,
vielen verknöcherten Schichten von Symbolen und Dogmen
hinweggefegt, die den Kern des Mysteriums in undurchdringliches
Dunkel gehüllt hatten. Vor den Augen einer erstaunten Welt
enthüllte er das heilige Sakrament selbst in seiner
leuchtenden täglichen Demut, ein Sakrament, das "seinen
eigenen Beweis in sich trägt" und nicht belastet mit dem
Glauben an eine absurde Doktrin von der Transsubstantiation
daherhinkt; ein Sakrament, das sogar die Notwendigkeit des
Glaubens selbst aufhob und es jedem Kommunikanten erlaubt "das
Wunder, das er erfahren hatte" zu bezeugen [Ott 1990; Wasson
1961].
Obwohl María Sabinas Pilze und Psilocybin den
urspünglichen Anstoß für dieses bemerkenswerte
Phänomen gegeben hatten, wurde LSD in der Folge zum
Bannerträger der entheogenen Reformation. Nach Beendigung
der legalen LSD-Herstellung 1965 und der darauf folgenden
internationalen Ächtung dieses einzigartigen
Pharmacotheons entstand ein Netzwerk provisorischer chemischer
Untergrundlaboratorien, die aus technischen und kommerziellen
Gründen hauptsächlich LSD herstellten. In der Tat
konnte diese Droge für einen Pfennig pro Dosis produziert
werden; und dies sogar trotz der weit überteuerten Preise
für benötigte Materialien und Reagenzien, die unter
Schwarzmarktbedingungen meist gefordert wurden2. Als die
sechziger Jahre den Siebzigern Platz machten, ließ die
Popularität dieser Droge, mitverursacht durch eine heftige
Propaganda-Kampagne der Regierungen der USA und anderer
Länder, nach. In der Folge interessierte sich ein harter
Kern von aficionados von Entheogenen zunehmend mehr für
Phytoentheogene als für Produkte der chemischen Industrie,
wie gegenkulturell diese auch sein mochten. Dies war Teil einer
"Zurück-zur-Natur-Bewegung", die ihrerseits weitgehend
eine Folge der Entheogenen Reformation war, und LSD wurde
fälschlicherweise als "synthetische" (soll heißen:
künstliche3) "Chemikalie" stigmatisiert. Diese Tatsache,
sowie die Einführung zuverlässiger, nur wenig an
Technologie erfordernder Methoden für die Zucht kleiner
Mengen psilocybinhaltiger Pilze in den Jahren 1975-1978 [Harris
1976; Oss & Oeric 1975; Ott & Bigwood 1978] lenkte den
Brennpunkt des Interesses gegenkultureller Kreise wieder auf
das Psilocybin als das primäre Entheogen. So wurden
psilocybinhaltige Pilze, insbesondere Psilocybe [Stropharia]
cubensis in den späten Siebzigern zum Entheogen der Wahl
und es wurde immer schwieriger, LSD zu erhalten.
Gegen Ende der achtziger Jahre fokussierte sich das
anhaltende Interesse an entheogenen Drogen mehr und mehr auf
Ayahuasca, einen pan-amazonischen entheogenen Trank, der aus
Pflanzen des tropischen Regenwalds hergestellt wird [Ott
1993]. Dies war ein Ergebnis der internationalen
ökologischen Bewegung, die sich für die Erhaltung
der Regenwälder einsetzt; eine Bewegung, die ebenfalls
ihre Wurzeln in der entheogenen Reformation hat. Als aus den
Achtzigern die Neunziger wurden, geriet Ayahuasca mehr und
mehr als das neue, moderne Entheogen der "cognoscenti" ins
Rampenlicht, als das Entheogen, das "in" war. Genauso wie der
"Pilztourismus" auf Wassons erstaunliche Entdeckung in
México gefolgt war [Ott 1975, 1976], begann um 1980
das Phänomen des Ayahuasca-Tourismus aufzutreten [Ott
1993]. Die wenigen übriggebliebenen und gefährdeten
Vorkomnisse präliterater Spiritualität in Amazonien
und der flüchtige "pharmakratische Friede" [Escohotado
1989], während dem es schien, als hätte der
gleichzeitig stattfindende Kreuzzug gegen schamanistische
Rauschmittel Ayahuasca übersehen, wurden durch die
plötzliche Ankunft perfervider Kontigente
kosmopolitischer Ayahuasca-Touristen in Amazonien ernsthaft
gefährdet.
Die zeitgenössische Ethnobotanik von Ayahuasca wird
durch die Tatsache kompliziert, daß dieses
schamanistische Rauschmittel mehr als jedes andere
Entheogen, das wir kennen, lange vor seiner
Wiederentdeckung durch die entheogene Gegenkultur seinen
Platz in der modernen Welt gefunden hat. Die Ayahuasqueros
unter den Mestizen hörten auch in den städtischen
Gebieten Perús und Kolumbiens nicht damit auf, das
amazonische Ambrosia zu nutzen, genau wie ihre indianischen
Vorfahren damit fortfuhren, wenn auch in zunehmend
geringerem Maße, mit Sacha Runa (der
"Dschungel-Mann") und anderen "Pflanzen-Geistern" in den
immer kleiner werdenden Inseln primären Regenwalds
überall in Amazonien zu kommunizieren [Dobkin des
Ríos 1970a, 1970b, 1972, 1973, 1992; Lamb 1974; Luna
1984a, 1984b, 1986c, 1991; Luna & Amaringo 1991].
Darüberhinaus wuchs in den letzten sechs Dekaden eine
bemerkenswerte synkretistische Neo-Christliche Religion mit
Ayahuasca als Sakrament heran. Nach bescheidenen
Anfängen im Staat Acre im brasilianischen Amazonien
wurde aus diesen zeitgenössischen religiösen
Gruppen, die mit Santo Daime oder Chá Hoasca (dies
sind die Namen, unter den Ayahuasca bei diesen Gruppen
bekannt ist) kommunizieren, große internationale
religiöse Bewegungen mit tausenden von Mitgliedern
[Centro 1989; Henman 1986; Lowy 1987; MacRae 1992; Prance
1970]. Diese Kirchen und die afrikanische Bwiti-Religion,
die auf dem entheogenen Sacrament eboka [Samorini 1992]
basiert, stellen keinesfalls eine Verirrung oder einen
Anachronismus dar. Ganz im Gegenteil repräsentieren
sie die Zukunft des Christentums, das durch die entheogene
Reformation von der Doktrin der Transsubstantiation befreit
wurde und dessen Placebo-Sakrament durch das eine oder
andere wahre Entheogen ersetzt wird!
Der "Pilztourismus", der Wassons Eindringen in das
arcanum arcanorum auf dem Fuße folgte,
profanisierte die wunderbaren Pilze, die zu
gewöhnlichen touristischen Handelsobjekten wurden.
Selbsternannte Schamanen führten falsche
Pilzzeremonien für die ungeduldigen Touristen auf;
die Pilze selber wurden ganz offen wie so viele billige
Schmuckstücke und Souvenirs verkauft. Dies alles
trägt wesentlich zum schnellen Sterben des
archaischen Kultes bei [Ott 1975; Wasson 1977, 1980].
Einige Schamanen, auch María Sabina, mußten
sogar in der Stadt Oaxaca Gefängnisstrafen wegen
angeblicher Verführung zum Pilzhandel mit Touristen
verbüßen [Estrada 1977], was so ziemlich das
gleiche ist, wie den Papst wegen der Abgabe von Hostien
und Wein in den Knast zu stecken. Möglicherweise
trug die Verbreitung von Informationen über das
häufige Vorkommen psilocybinhaltiger Pilze
außerhalb Méxicos [Cooper 1977; Gartz 1993;
Haard & Haard 1975; Menser 1977; Ott 1976, 1978; Ott
& Bigwood 1978, 1985; Stamets 1978], zusammen mit der
oben erwähnten Einführung der Technik zur Zucht
psilocybinhaltiger Pilze im Haushalt [Harris 1976; Oss
& Oeric 1975; Ott & Bigwood 1978, 1985; Stamets
& Chilton 1983] dazu bei, daß diese
unwillkommene Belästigung durch Außenstehende
beendet wurde. Dies erlaubte es den so unangenehm
beeinflußten Dörfern, wieder
einigermaßen zur Normalität
zurückzukehren und auf diese Weise unerwünschte
Aufmerksamkeit offizieller Stellen von dem pilzlichen
Pharmacotheon abzulenken.
Ethnobotanische, pharmakognostische und
pharmakologische Studien von Ayahuasca begannen um die
Mitte des neunzehnten Jahrhunderts herum und hatten bis
in die späten sechziger Jahre dieses Jahrhunderts
mehr oder weniger die einzigartige Pharmakologie dieses
Dschungel-Amrta4 erhellt. Es zeigte sich, daß es
sich um ein geniales kykeon5 bzw. eine Mischung zweier
Pflanzenauszüge handelt, von denen einer Harmine
und verwandte Enzymhemmer, der zweite
N,N-Dimethyltryptamin (DMT) enthält, ein
Entheogen, das gewöhnlich oral genommen inaktiv
ist [McKenna et al. 1984a; Ott 1993]. Gleichzeitig
stattgefundene phytochemische Studien, die zusammen mit
der Ethnopharmakognosie von Ayahuasca in diesem Buch
zusammengefaßt werden, hatten inzwischen gezeigt,
daß DMT und die Ayahuasca-typischen
natürlichen Enzymhemmer (die technisch als
b-Carboline bekannt sind) alles andere als selten sind.
In der Tat gibt es theoretisch mehrere Tausend
möglicher Kombinationen zweier Pflanzenextrakte,
die einen entheogenen Trank analog dem Ayahuasca
ergeben würden. Dies sind die "Ayahuasca-Analoge"
aus dem Titel dieses Buches, die auch schon als
Ayahuasca borealis oder "nördliches Ayahuasca"
bezeichnet wurden, um sie von dem vollständig
tropisch-amazonischen Ayahuasca zu unterscheiden, das
wir aus technischer Sicht Ayahuasca australis nennen
müßten [McKenna 1992]. Als ich für mein
gerade erschienenes Buch Pharmacotheon Forschungen zu
Ayahuasca anstellte, fiel mir auf, daß es in der
wissenschaftlichen Kenntnis der Pharmakognosie von
Ayahuasca zahlreiche lacunae gibt. So unternahm ich
eine anspruchsvolle Serie psychonautischer Versuche,
die darauf angelegt waren, die Phamakologie dieses
einzigartigen entheogenen Trankes zu erhellen. Ich
bemühte mich nicht nur darum, die Effekte von
Ayahuasca australis mit Hilfe der reinen Wirstoffe in
"Ayahuasca-Kapseln" (Pharmahuasca) nachzuvollziehen.
Ich versuchte auch diese Effekte hervorzurufen, indem
ich einfach erhältliche Pflanzen
gemäßigter Zonen benutzte, die zum Teil aus
der Sicht des Chemikers sinnvollere Quellen von
Ayahuasca sind, da sie viel höhere Konzentrationen
an DMT und b-Carbolinen enthalten, als ihre
amazonischen Prototypen. Dieses Buch ist die Frucht
meiner Forschungen über das amazonische kykeon im
praktischen Versuch, in Bibliotheken und im Labor.
Ich hoffe inbrünstig, daß dieses Buch zum
Verschwinden des Ayahuasca-Tourismus in Amazonien
beitragen wird. Dieser kann sich nur
zerstörerisch auf den schnell schwindenden Rest
präliterater Religiosität auswirken, der in
einer modernen Welt darum kämpft, seinen Platz
zu finden, während die falsche Art politischer
Aufmerksamkeit auf Ayahuasca gelenkt wird.
Außerdem bin ich ein unerbittlicher Gegner der
Drogenprohibition, und denke, daß
weitverbreiteter Gebrauch von Entheogenen in unserer
Zeit die größte ökologische Hoffnung
für die Menschheit an der Schwelle eines neuen
Jahrtausends bedeuten würde. Ein neues
Jahrtausend, das der Anfang eines neuen goldenen
Zeitalters sein könnte oder die Fortsetzung und
die furchtbare Kulmination eines kataklysmatischen
biologischen und kulturellen Holocausts. Ich hoffe,
daß die einfache, in jedem Haushalt
durchführbare Technik, die in diesem Buch
beschrieben wird, den letzten Nagel in den Sarg des
bösen und heuchlerischen, bereits
fünfzehnhundert-und-achtundneunzig Jahre alten
Kreuzzuges zur Tilgung dieser Klasse von Drogen vom
Angesicht der Erde treiben wird. Möge die
Entheogene Reformation über die pharmakratische
Inquisition die Oberhand behalten und zur
spirituellen Wiedergeburt der Menschheit an der Brust
unserer heiligen Mutter Gæa6 führen, wo
für immer reichhaltig die Amrta, die Ambrosia,
das Ayahuasca des ewigen Lebens fließen
möge!
Jonathan Ott, F.L.S.
Ecuador-México-Spanien
Frühjahr 1992 - Winter 1994
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