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Edition Rauschkunde
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Reefers Digest
Warum dealen Dealer? Wie kommen Milllionen von Cannabis-Usern an ihr Stöffchen und was machen sie damit? Wie gehen Konsumenten wie Dealer mit ihrer Illegalität um? Sollte das Haschen etwa auch positive Seiten haben?
Aber Hallo! Cannabusiness Preisträger (›Hanfpublizist des Jahres!‹) Ronald R. hat hier ein buntes Sammelsurium aus dem alltäglichen (& außergewöhnlichen) Leben von Hanffreunden zusammengebröselt: Abenteuer, Weishighten, Biografisches, Fabeln, Visionen, Probleme & Höhenstürme. Einblicke in die THC-Kultur.
Mit antörnenden Interviews mit Bommie Baumann, Howard Marks und Hans
Soellner; Werner Pieper über Harry Anslinger; Beiträgen von Fela Kuti, Volker Ippig, Ralf Reinders, Stephen Gaskin, Deke Leonard und vielen anderen HanfFreundInnen. Rippchens hanfpublizistischer Abschied und sein Vermächtnis an die HanfSzene: "Ich habe schon immer lieber gekifft, als darüber geschrieben. Nur:vom einen kann man leben, vom andern nur bedingt ..."
Ein buntes Kompendium von hanfigen Visionen, Weishighten, Fabeln, Verwirrnissen, Erkenntnissen und Abenteuergeschichten.
Bum shankarharhar!



Die Mischung

Der Einstieg  
Die erste Fabel 9
Die Herrschaft des Gesetzes - James Lane Allen 11
   
Konsumieren  
Die zweite Fabel
19
Warum Kiffen Kiffer (obwohl es verboten ist)? - Isabelle
21
Goin' to try for the sun (Meeting the Pieper at the Gates of Dawn) - Oigen
22
High Season - Simon Vinkenoog
31
Finden Sie, daß es dekadent ist, vor dem Frühstück zu rauchen? - U. Quincy
33
Erinnerungen eines Kif-Rauchers, Michael Pickering
37
Sie reichte ihm mit Grazie die HaschischPfeife - Fritz Lemmermayer
40
   
Dealen  
Die Dritte Fabel
49
Ich will keinen Gangster dafür bezahlen - das Howard Marks Interview
51
Nice in Germany, Howard Marks zu Besuch
62
Ein kleiner Rauschangriff - Sieben Jahre Haschischhändler in Highdelberg - Werner Pieper
65
Ägyptische Dealer-Mysterien - Henri DeMonfried
84
   
Kultur  
Die vierte Fabel
101
Vom 'Zentralrat der umherschweifenen Haschrebellen' - Ralf Reinders
102
Am besten 'ne Kurpackung - das Bommi Baumann Interview
107
Hey Staat! Laß ma mei Ruah! Hans 'Rasta' Söllner im Gespräch
117
Über die höheren Sphären des Cannabis - Stephen Gaskin
124
The Brooklyn Kid, Bernhard Brightman vorgestellt von Larry Sloman
134
Be a Man fan if you can, man - Deke Leonard
142
Die Söhne des Hanfes im Kongo - W. Reininger
148
Ein Seil im Himmel - Dennis Saleh
149
Haydars schaukelnde Pflanze, trad.
150
Ein marokkanisches Volksmärchen
151
Ein Kilo Honig-Öl? - Karsten Geißler
154
Mitten aus dem grünen Hanffeld - d'Artanjean
158
Am HAnfang war mein Ahnenkraut - Volker Ippig
161
Eigenanbau als Therapie - Jens M.
165
Die Brücke zur Sonne - Astrid Schröder
166
   
Unbill  
Die fünfte Fabel 171
Prohibition im Morgenland, trad. 171
Harry J. Anslinger - ein Portrait des Drogeninquisitors, von Ronald Rippchen (im Anschluß dokumentiert)
174
Krischan mit der Pipe - Willi Busch & Ronni Rusch
186
Expensive Shit - Fela Anikulapo Kuti
188
Gebustet - Mervin Harris
196
Razzia auf Freakbrother Dadaniels Hanfplantage
203
Ich fühle mich so einsam - ein Drogenfahnder erzählt
210
Ungünstige Nebenwirkung - Laila Stein
212
   
Vision  
Die sechste Fabel
215
Historische Episoden der Subkultur, Teil 66 - Paul Krassner
219
Highe Diplomaten wirken im Hintergrund - Panama Red war für uns dabei
222
Der Cannabis Papst in Tuttlingen - Oigen
226
So wie damals - Theodore Sturgeon
230
Gedanken Über eine legale Zukunft - Werner Pieper
250
Symptome einer kranken Welt - H. J. Roth
253

Zum Herausgeber

253
Quellen
254


Der Einstieg

Die erste Fabel

Der Hodscha war sehr neugierig darauf, wie er auf Haschisch ansprechen würde. Eines Tages nahm er all seinen Mut zusammmen und kaufte sich beim Apotheker eine Handvoll davon, rauchte es und suchte dann ein Türkisches Bad auf. Einige Zeit verging, aber er spürte keinerlei Veränderung bei sich. "Sie müssen mir das falsche Zeug angedreht haben", sagte er immer wieder zu sich selbst. "Ich muß noch einmal hin und herausfinden, was es damit auf sich hat. Mich betrügt man nicht so einfach."
'So rannte er nackt aus dem Bad heraus.
"Hodscha, was ist los?", fragten ihn die Leute. "Wohin gehst du denn in diesem Zustand - mit nichts an?"
"Fragt mich besser nicht", erwiderte er. "Ich dachte, das Haschischrauchen würde irgendeine Wirkung bei mir zeigen. Wie ihr jedoch sehen könnt, bin ich noch immer der gleiche, der ich vorher war. Ich werde mir vom Apotheker den echten Stoff geben lassen. Ich habe das Gefühl, daß er mich betrogen hat." Harry Jacob Anslinger


Ein Portrait des Drogeninquisitors
Von Ronald Rippchen

Immer wieder hört man Gerüchte über drogensüchtige Kinder einflußreicher Politiker; in den Medien eines der großen Tabus. Vom Clinton hört man, daß es die Sorge um seinen kokainsüchtigen Bruder sei, die ihn zum harten Drogenverfolger werden ließ. Was aber treibt so Missionare wie Lintner & Seehofer eigentlich an? Oder Anslinger?
Paranoiker unterstellen oft rein finanzielle Motive, glauben an Bestechungen der legalen Drogenindustrie: Schnapsbrennern, Brauereien & Pharmazeuten etc. Scheint ja auch nicht so weit hergeholt, wenn man sieht, wie stolz sich jemand wie Helmut Kohl für uns durch das Alkohol-Angebot der Grünen Woche (sic!) trinkt. Als ich auf Einladung meines Ex-DealerKollegen, dem Abgeordneten Herbert Rusche, in den 80ern mehrfach den Bundestag besuchte, zeigte er mir u.a. in der Kantine die Schnapsnasen der Nation, erlebte ich spät Abends die AlkLallFraktion (ALF) im Bundestag in Aktion. NichtTrinker werden belächelt. Ernüchternd.

In jedem zweiten Hanfbuch kann man über die folgenreichen Aktionen des einflußreichsten Drogenverfolgers aller Zeiten, Harry J. Anslinger lesen. Wer aber war dieser Mann, what made him tick? Zeit, ihn näher kennenzulernen. Zu der Zeit, als der junge Harry 1892 als achtes von neun Kindern in der Nähe von Altoona, Pennsylvania zur Welt kam, gehörten Opiumtropfen und Tinkturen in fast jeden amerikanischen Haushalt, so wie Aspirin & Coca Cola heute. Überall wurde in der 'zivilisierten' Welt Opium geraucht, eine Rezeptpflicht gab es nicht. Harry wuchs in einem Dorf heran, daß nur 600 Einwohner, aber etwa 60 Opiumsüchtige hatte. Zwei der örtlichen Apotheker starben an Drogen. Zwölfjährig hatte er dann sein Schlüsselerlebnis, von dem sich die Welt bis heute nicht erholt hat. Lassen wir ihn in eigenen Worten schildern, was geschah:
"Ich besuchte gerade einen benachbarten Farmer, als ich aus dem 2. Stock seines Hauses fürchterliche Schreie seiner Frau hörte. Nie zuvor hatte ich solch grauenvolle Schmerzensschreie vernommen. Erst später erfuhr ich, daß die Frau, wie viele ihre Zeitgenossinnen, morphiumsüchtig war. Die meisten Mediziner hatten zu jener Zeit noch nicht erkannt, wie gnadenlos diese Droge sein konnte. Alles, an das ich mich erinnere, sind diese Schreie einer Frau, voller Schmerz. Diese Schreie schienen mein ganzes zwölfjähriges Selbst auszufüllen. Dann kam der Hausherr die Treppe herunter gestürmt und befahl mir, mit dem Pferdewagen in die Stadt zu fahren, dort vom Apotheker ein Päckchen abzuholen und schnellstmöglich wieder zurück zu kommen und es seiner Frau zu bringen.
Ich erinnere mich, wie ich die Pferde antrieb, sogar die Peitsche einsetzte. Ich war überzeugt, daß die Frau sterben würde, wenn ich nicht rechtzeitig käme. Als ich mit dem Päckchen - es war Morphium - zurück war, eilte der Mann die Treppe herauf, um seiner Frau eine Dosis zu verpassen. Schlagartig verstummten die Schreie und eine seltsame Stille erfüllte das Haus. Diese Schreie habe ich nie vergessen. Auch nicht, daß das Morphium, nach dem sie sich verzehrte, ohne Probleme von einem Zwölfjährigen gekauft werden konnte, ohne daß jemand Fragen stellte." Das war's.
Er erinnert sich weiter an den besten jungen Billardspieler in Altoona, der auf dem Weg war, ein wahrer Champion zu werden. Außerdem sang dieser intelligente Junge noch mit einer solchen Engelsstimme im örtlichen Chor, daß er Angebote bekam, in New York aufzutreten. Allein, er triumphierte weder als Billard Champion noch als Tenor. Opium wurde sein oberster Chef, und nach zwei Jahren war er tot.
Wie meinte Harry in seinem Buch The Murderers so treffend? "Für die meisten von uns hat die Zukunft ihre Wurzeln in der Vergangenheit."
In jungen Jahren arbeitete er als Aufseher beim Eisenbahnbau. Dort mußte er mit ansehen, wie einer seiner Arbeiter eines Tages übel zugerichtet wurde - von der Mano Negra, der Schwarzen Hand, einer Mafia Unterorganisation. Er stellte den Oberverbrecher, Big Mouth, mutig zur Rede und versprach ihm, in eigenhändig zu killen, sollte seinem Kumpel nochmal was geschehen. Die Mafia kuschte. So sein erster heldenhafter Encounter mit der Mafia aus seiner Sicht. Leider liegt uns kein Bericht der Mafia vor ...
Im ersten Weltkrieg wurde er, der auf Grund seiner Herkunft fließend Deutsch und Holländisch sprach, Mitglied des diplomatischen Korps der USA. Zum Soldaten reichte es nicht, da er durch einen Steinwurf seines Bruders partiell erblindet war. Und fast, ja fast hätten wir ihm zu verdanken, heute noch einen Kaiser (neben Beckenbauer, engl. übrigens Pelvis-builder) zu haben. Wäre er nur etwas schneller gewesen, die Weltgeschichte wäre anders verlaufen. Wie war das noch, Harry? Tell it like it was:
"An dem Tag, an dem Kaiser Wilhelm II seinen Rücktritt erklärte, wurde ich von meinem Vorgesetzten, dem amerikanischen Botschafter in Holland, nach Den Haag gerufen. Er eröffnete mir, daß der Kaiser zurücktreten, und Holland ihm Asyl gewähren würde. Wilhelm würde in Graf Bentincks Schloß in Amerongen wohnen, dort, wo sich auch schon Charles II aufgehalten hatte, als er England verlassen mußte."
Anslinger solle alle ihm zugänglichen Informationen über die Lage für seinen Präsidenten sammeln. Und, so der Botschafter, Wilson wolle auf keinen Fall, daß der Kaiser zurücktrete. Das sei wichtig und diese Botschaft solle ihm unbedingt zukommen. Anslinger schien genau der richtige Mann für diesen Job. Er machte sich auf nach Amerongen."Die Straßen waren mit einer bunten Mischung von Menschen bevölkert. Einige waren offensichtlich Geheimdienstler. Während ich auf die Ankunft des Kaisers wartete, klopfte mir ein Holländer auf die Schulter. Er schien nervös und unsicher zu sein. Er stellte sich als Mitglied des holländischen Geheimdienstes vor und fragte nach meiner Identifikation, da keine Ausländer in der Stadt erlaubt seien.
Meine ganze Mission wäre aufgeflogen, wenn dieser Holländer meine wahre Identität erfahren hätte. Wahrscheinlich wäre ich ausgewiesen, vielleicht sogar ins Gefängnis geworfen worden. Also mußte ich, statt ihm meine Papiere zu zeigen, kontern. In einem harten befehlsmäßigem Deutsch mit einem ungeduldigen Unterton verlangte ich seinen Ausweis". Harry J., ganz der Herrenmensch.
"Der nervöse Holländer war perplex. Er hielt mich offensichtlich für einen deutschen Kollegen, der vom Kaiser vorausgeschickt worden war ... ." Anschließend lobte Anslinger ihn und stellte in Aussicht, sich bei seinem Vorgesetzten für seinen Einsatzwillen zu bedanken. Diese Art von illegalem Bluff wandte er noch wiederholt an, als wollte er als Vorbild für Simmels späteren Roman 'Es muß nicht immer Kaviar sein' dienen. Er bluffte sich bis zu einem Berater des Kaisers namens Knauff durch. Diesem stellte er sich als holländischer Geheimdienstmann vor, der eine wichtige Botschaft für den Kaiser habe.
"Die Abdankung war absolut überflüssig und sinnlos," sagte ich ihm, "die Sozialdemokraten werden die Revolution herbeiführen, und Chaos wird über das Land hereinbrechen. Wenn sie Ihre Karten richtig ausspielen, wird der Kaiser als Triumphator zurückkehren." Er versuchte, dem Deutschen alle Informationen zu entlocken, die für seine Regierung wichtig sein könnten. "Ich habe ja versucht, den Kaiser von diesem Schritt abzubringen, aber er ließ sich von dem leiten, was seiner Meinung nach Wilson von ihm erwartete", antwortete Knauff. Scheidemann, ein deutscher Sozialist, habe den Kaiser darauf hingewiesen, daß er sich dem Willen Wilsons fügen müsse. Aber dann hatte ein amerikanischer Journalist im Suff Stuß geredet, einfach behauptet, Wilson fordere den Rücktritt. "Aber Wilson will doch diesen Rücktritt garnicht!" - "Davon wissen wir nichts. Unser Botschafter in Den Haag glaubt diesem Journalisten und der Kaiser glaubt dem Botschafter. Vielleicht ist diese Information ja mehr von Alkohol getränkt, als von der Wahrheit. Vielleicht hat dieser Journalist ja nie mit Wilson geredet, aber wir können das von hier aus nicht abschätzen", erwiderte Knauff.
Anslinger in seinen Aufzeichungen: "Unser Minister war entsetzt über meinen Report. Telegramme wurden hin und her geschickt. Der Präsident, der davon ausgig, daß Deutschland nur unter dem Kaiser die Stabilität erlangen könne, die für den Weltfrieden von Nöten sei, war sehr aufgebracht über den Unsinn, den einer seiner Mitarbeiter vor Ort verzapft hatte. Scheidemann wurde schließlich von den wahren Absichten Wilsons informiert, aber da war es zu spät. Für kurze Zeit besetzte der kaisertreue General Krupp samt seiner Truppen Berlin, um die Monarchie wieder einzuführen. Aber dann organisierten die Sozis einen Generalstreik, und Krupp mußte mit seinen Truppen Berlin verlassen. Es kam zu Schießereien. Ich hielt mich gerade im Hotel Adlon auf, als Schüsse durch die Hotelhalle surrten. Es gab einige Verletzte, Blut spritzte auf meine Hände ...
Später erfuhr ich, daß der Mann, der den Kaiser falsch informiert hatte, nie selber Kontakt mit Wilson aufgenommen, sondern im Suff einfach seine persönlich Interpretation der Lage zum besten gegeben hatte ... Hätte er das unterlassen, wäre der Kaiser wohl auf seinem Thron geblieben, so wie der japanische Kaiser nach dem 2. Weltkrieg. Ein angemessener Friedensabschluß hätte verhindert, daß jemand wie Hitler in der Zukunft die Macht hätte an sich reißen können, und der zweite Weltkrieg wäre uns erspart geblieben."
Eigentlich müßte man aus diesen Ereignissen folgern, daß sich Anslinger nun dem Kampf gegen den Alkohol verschrieben hätte, aber das kam erst später. Erstmal blieb er an der Deutschen Front. Was er da weiteres trieb, verschwieg er allerdings mit dem Hinweis: "Ich kann über meine Aufträge in dieser Zeit nicht mehr verraten. Immerhin darf ich sagen, daß mir von meiner Regierung als Dank erlaubt wurde, einige kleinere Gegenstände aus dem Besitz Kaiser Wilhelm II zueigen zu machen. Wer sich genauer dafür interessiert, den möchte ich darauf hinweisen, daß ich all diese Dinge 1957 dem Smithonian Institut in Washington vermacht habe. Wie ich an sie gelangte, das muß ich allerdings verschweigen." Nach dem Krieg wurde Anslinger kurzzeitig amerikanischer Konsul in Hamburg.
Dann wusselte er im Alkohol-Prohibitions-Geschäft rum, ohne selber daran zu glauben, daß man diese Droge unterdrücken könne. Das Alkoholverbot bewirkte ähnliches wie das heutige Drogenverbot: Der Biergenuß ging dramatisch zurück und der Schnapsumsatz verdoppelte sich. Ein Schmuggler verdient lieber mehr Geld an weniger Schmuggelmasse, sei es nun Hanf & Heroin oder Bier & Schnaps.
Die Alk-Dealer wurden vermehrt verfolgt, die Strafen verzehnfachten sich. Für das Ausschenken eines Drinks konnte man sich fünf Jahre Haft und eine Geldstrafe von $10.000 einhandeln. Die Mitarbeiter der Drogenverfolgungsagenturen vermehrten sich wie Karnickel, Bürgerrechte wurden auf Eis gelegt und der illegale Handel und Konsum stiegen rapide an. Das Jahr 1926 fand Anslinger als US Konsul auf den Bahamas. Von hier aus unterband er den Alk-Schmuggel der Engländer in Florida. Er baute ein Spitzelnetz auf. Er überredete Kanada und Kuba gegen Alkoholschmuggel vorzugehen. Aber dann war doch alles für die Katz, Alkohol wurde wieder als Handelsware zugelassen. Frust.

1930 ernannte man ihn gar zum 'Assistant Commissioner of Prohibition'. Nur wenige Monate später, am 25. September 1930 wurde Harry J. Anslinger, 'der schwedische Engel', von Präsident Hoover zum Inhaber eines neu erfundenen Jobs: Commissioner of Narcotic Drugs. Für ein Gehalt von 9.000$ wurde er der Chef von 250 Agenten (als er 30 Jahre später seinen Job quittierte, waren es 10.000 Agenten), die über alle legalen und illegalen Suchtdrogen zu wachen hatten. Alle, außer Anslinger selber, gingen davon aus, daß dies nur eine vorübergehende Anstellung sei. Es war jedoch der Beginn einer dreißigjährigen, unvergleichlichen Karriere des Mannes, der die einflußreichste Gestalt der Drogengeschichte werden sollte. Dieser 'law & order Evangelist' diente und überstand fünf Präsidenten. Anslinger litt unter der Alk-Kapitulation seiner Vorgesetzten, war er doch sicher, mit genügend Polizeikräften den bürgerlichen Alkoholkonsum exozieren zu können. Als ihm die Politiker in den Prohibitions-Rücken fielen, nahm er sich vor, seine Theorien von mehr Verfolgern und härteren Strafen auf dem Drogengebiet zu beweisen. Er selber bezeichnete sich gerne als 'der größte lebende Experte des internationalen Drogenhandels'. 1958 wurde er gar als der 'zweifelslose Führer im Kampf gegen den Mißbrauch narkotischer Drogen in der Welt' für den Nobelpreis vorgeschlagen. Nebenbei veränderte er eine ganze Nation bis auf den heutigen Tag. Nirgendwo auf der Welt sitzen mehr Menschen im Gefängnis als in den USA. Harry sei Dank. Man sollte ihn zum Heiligen der Paranoiker ernennen.
Ab 1933 war Henry Morgenthau sein direkter Vorgesetzter. Man erinnert sich, 12 Jahre später plante Morgenthau, aus dem Ex-Nazi-Deutschland einen Agrarstaat ohne jegliche Industrie zu basteln, ein einziges Feld von der Nordsee bis zu den Alpen. So manchem Tief-Grünen geht bei dem Gedanken sicherlich das Herz auf.
In den Jahren 1934 und 1935 gelang es Anslingers Leuten nicht, auch nur einen einzigen größeren Opium- oder Heroin-Dealer festzunageln. Anfang der 30er nahmen die Opium- und Morphiumimporte rapide ab und wurden durch das leichter transportierbare Heroin ersetzt. 1934 beschlagnahmte man schlappe 35 Kilo.
Trotzdem blieb Harry im Amt. Er konnte absolut charmant und überzeugend wirken, aber das war nicht der Grund, warum er auf seinem Stuhl blieb. Er hatte sich nämlich auf einem Nebengebiet fest instaliert. Wollte man zuvor eine neue Droge, z.B. ein Schmerzmittel neu einführen, gab es eine Regierungskommission, die hierfür die Genehmigung erteilte. Diese wurde aber 1930, mit Bildung des Narcotic-Bureaus abgeschafft, und die Entscheidungsgewalt über die Einführung neuer Substanzen unterlag plötzlich einzig Mr. Anslinger. Nur er allein hatte zu bestimmen, wer im Drogen-Monopoly mitspielen durfte. Im Jahr 1936 waren es nur noch acht Firmen, darunter Merck, Hoffman-LaRoche und Eli Lilly. Harry dachte wohl, es sei einfacher, eine kleine Gruppe großer Firmen zu kontrollieren, als eine große Gruppe kleiner Firmen. Zumal es einfacher und effektiver war, nur wenige Mitspieler zu besitzen, die einem auch einmal einen Gefallen taten, oder zwei. Jedesmal wenn Anslinger Gutachter in irgendeinem Drogenfall brauchte, bekam er diese von der PharmazieLobby gerne zur Verfügung gestellt. So schützte er die Pharmazie auch vor der Legalisierung bis dato (bzw. heute) 'illegaler Drogen', vor allem auch vor jenem Kraut, das sich jeder auf dem Balkon ziehen kann. Um so größer das Geschäft mit den legalen Drogen. So einfach ist das im Kapitalismus.
Anslinger ging es nicht gut. Zu seinem Horror fielen ihm die Haare büschelweise aus. Sein Chef war unzufrieden mit ihm, obwohl er immer wieder geschickt Schreckensmeldungen in der Presse zu lancieren wußte und sich oft als 'Held der freien Welt' abbilden ließ. Einige Zeit hielt ihn eine Kampagne gegen gedopte Rennpferde über Wasser. Der Druck auf Anslinger nahm zu. Am 1. April '35 erlitt er einen Nervenzusammenbruch und wurde für mehrere Monate außer Gefecht gesetzt. Es mußte etwas grundlegendes geschehen, sonst würde er seinen Job verlieren.
Es geschah etwas für Millionen von Erdenbürgern verhängnisvolles: Anslinger entdeckte das Marijuana. Bis auf den heutigen Tag bedeutet diese, seine Entdeckung für viele, viele harmlose Menschen auf dem ganzen Globus ein halbes Leben voller Paranoia. Ihm rettete sie seinen Job. 1937 wurde Marijuana in den USA als Teufelsdroge illegalisiert.

Teufel Anslinger
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