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PilzZuchtBuch
Pilze, vor allem medizinische, aber auch Speise- und psychoaktive erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Viele Sorten bekommt man in keinem Geschäft, aber die Zahl der mykophilen Hobbyzüchter steigt. Was bislang fehlte, war eine korrekte Zuchtanleitung. Diese wird hiermit sowohl von einem Privatforscher wie auch von einem akademischen Mykologen doppelt vorgelegt, quasi zwei Bücher in einem. So wird jede/r Leser/in die Methode finden, die seinen Verhältnissen und Neigungen am besten entspricht:
- Was man über Pilze wissen sollte und zur Zucht braucht - Mycel Anzucht auf Agar, Reis, Pferdemist, Sägespänen & anderswo - Schimmel & Schädlinge - Schmackhafte Speisepilze als Medizin - Pilze & Justiz - Konservierung und Lagerung von Pilzen .... - PilzZuchtSets sind teure Frustfallen, herkömmliche Pilzzuchtbücher ebenso.

"Auf der Welt einzigartig!" Der Tintling, Fachzeitschrift der Pilzfreunde

Dieses Buch hat zwei Vorworte und besteht aus zwei Teilen. Während ich noch mit der Arbeit an diesem Buch beschäftigt war, wurde meinem Verleger ein weiteres Pilzzuchtbuch angeboten. Dessen Autor hatte zufällig genau in den Bereichen viel Erfahrung, mit denen ich mich bisher wenig beschäftigt hatte. Kurz gesagt: wir ergänzten uns vorzüglich. Und deshalb beschlossen wir, beide Bücher zu einem zu vereinigen.

Dadurch kommt es an einigen Stellen zu Überschneidungen. Ja, es mag sogar den einen oder anderen scheinbaren Widerspruch geben. Wie bei vielen anderen Dingen auch gibt es bei der Pilzzucht nicht nur einen möglichen Weg - mehr als eine Methode kann zum Erfolg führen. Ein Verfahren, das bei dem einen wunderbar funktioniert, kann für jemanden anderes in seiner speziellen häuslichen Situation problematisch sein. Dadurch, daß dieses Buch aus zwei Büchern besteht, werden Ihnen mehr erprobte Verfahren angeboten, und es wird Ihnen viel mehr an Erfahrungen vermittelt, als dies jeder der Autoren alleine hätte tun können. So wird hoffentlich jeder Leser die Methoden finden, die seinen Verhältnissen und Neigungen am besten entsprechen.

Teil I von Bert Marco Schuldes


1. Erstes Vorwort 8
2. Wissenswertes über Pilze 10
  Pilze: Pflanzen oder Tiere? 10
  Der eigentliche Pilz 10
  Pilze: Nutzen und Schaden aus Sicht der Menschen 11
3. Kleine Geschichte der Pilzzucht 14
4. Der Lebenszyklus der Pilze 15
  Anmerkung zur Zucht psychoaktiver Pilze 16
5. Was man zur Pilzzucht braucht 17
  Geräte 17
  Materialien 21
6. Mikroorganismen, Sterilisation und Desinfektion 23
  Checkliste "Steriles Arbeiten in der Impfkiste" 24
7. Ein Überblick: Die Pilzzucht 25
8. Mycel-Anzucht auf Agar 26
  Herstellung und Sterilisation von Agar-Nährböden 26
  Eine wichtige Vorbemerkung zur Arbeit mit Petrischalen 29
  Sporenkeimung 30
  Aufbewahrung und Wachstum des Mycels 31
  Verunreinigung der Petrischalen: Schimmel, Bakterien, Hefen 31
  Beseitigung durch Schimmel- oder Bakterienbefall verunreinigter Petrischalen 32
  Vergiß es: Dikaryotes Mycel, Selektion eines reinen Stammes 32
  Beimpfung von Agar-Nährböden mit Mycel 33
  Mycelgewinnung aus Pilzen (Klonen) 36
  Mycelgewinnung aus unsterilen Kulturen oder Materialien 38
9. Herstellung und Sterilisation der Getreidemischung 39
  Beimpfen der Getreidemischung 42
  Lagerung und Pflege der Brut 43
  Sporenspritzen: Herstellung von Getreidebrut ohne vorherige Agarkultur 45
10. Herstellung von Deckerde 46
11. Der Pilzanbau 48
  Pilzanbau auf Getreide in Gläsern 48
  Ein erster Überblick 48
  Herstellung von Mycel auf Getreide 48
  Abdecken des Mycels und Durchwachsen der Abdeckerde 48
  Einleitung der Fruchtung 49
  Die Pilze wachsen heran 53
  Die Ernte der Pilze 56
  Ruhen des Substrats 56
  Pilzanbau auf Getreide in Schalen 57
  Die Fruchtung wird eingeleitet 61
  Die Pilze wachsen heran 63
  Ernte der Pilze 64
  Ruhen des Substrats 64
  Pilzanbau auf Kompostsubstraten 64
  Kompostanbau in Plastiktüten 64
  Kompostanbau in Schalen 66
  Pilzanbau auf holzhaltigen Substraten 66
  1. Anbau auf Ästen und Stämmen 66
  Das richtige Holz 66
  Die Beimpfung 67
  Aufbewahrung und Durchwachsen der beimpften Stämme 67
  2. Anbau holzbewohnender Pilze auf Sägespänen 68
  Schädlinge: Trauermücken und Milben 69
12. Konservierung und Lagerung von Pilzen 71
  Konservierung der Pilze  
13. Pilze und Justiz 72
  Psychoaktive Pilze 72
  Heilpilze 72
14. Pilze als Heilmittel 73
15. Charakteristik einzelner Pilzarten (I) 76
  15.1 Coprinus comatus - Schopftintling, Spargelpilz 76
  15.2 Flammulina velutipes - Samtfußrübling 76
  15.3 Ganoderma lucidum - Lackporling, Reishi, Ling-Zhi 77
  15.4 Lentinula (Lentinus) edodes - Shiitake 78
  15.5 Pholiota nameko - Nameko, Reisstrohschüppling 80
  15.6 Pleurotus ostreatus - Austernpilz 80
  15.7 Psilocybe cubensis 81
  15.8 Panaeolus cyanescens (Copelandia cyanescens) 83
  Selbstbau einer Impfkiste 84
     
  Ein paar nützliche Adressen rund um die Pilzzucht 85
     
Teil II von Sam Lanceata  
     
1. Zweites Vorwort 89
2. Generelle Arbeitsweise bei der sterilen Pilzzucht 91
3. Anzucht von Myzelien und Pilzen aus Sporen ohne
Stammkulturen vom Agar
94
4. Die Myzelkultur auf Reis 96
5. Generelle Kulturmethoden von Pilzarten, die Holzreste bewohnen 99
  Kultur im Mulchsack 99
  Vorkultur der Holzbewohner auf Heimtierstreu 100
  1. Direkte Fruktifikation 102
  2. Startkultur für Fruktifikation auf Mulch im Freien 102
  3. Fruktifikation auf Pferdemistkompost 103
  4. Variante: Weiterkultivierung auf Stroh 104
6. Generelle Zuchtmethode für Dung und Kompost bewohnende Pilzarten 107
7. Charakteristik einzelner Pilzarten (II) 109
  7.1 Psilocybe cyanescens 109
  7.2 Psilocybe azurescens 110
  7.3 Psilocybe bohemica 111
  7.4 Psilocybe stuntzii 111
  7.5 Psilocybe baeocystis 112
  7.6 Psilocybe mexicana 112
  7.7 Psilocybe tampanensis 113
  7.8 Psilocybe natalensis 113
  7.9 Psilocybe caerulescens 114
  7.10 Psilocybe aztecorum 115
  7.11 Psilocybe weilii 115
  7.12 Psilocybe semilanceata 115
  7.13 Panaeolus subbalteatus 116
  7.14 Gymnopilus purpuratus 117
8. Kontaminationen studieren 119
 
Literatur
121
 
Fehlerliste und Lösungen
122
 
Stichwortverzeichnis
127


1. Vorwort - Bert Marco Schuldes

Vor Jahren kaufte ich mir das Buch: "Psilocybin - Magic Mushrooms Growers Guide". Voll Interesse verschlang ich diese Anleitung geradezu und entschloß mich sofort, es doch auch einmal mit der Pilzzucht zu versuchen. Zu diesem Zeitpunkt ahnte ich noch nicht, daß mich dieses Thema in den nächsten Jahren nicht mehr loslassen würde.
Damals begannen meine Schwierigkeiten aber schon mit der Beschaffung des Materials. Sporen oder gar Mycel auf Agar waren zu dieser Zeit so gut wie nicht erhältlich. Und als es mir nach langem Suchen endlich gelang, sogar lebendes Mycel des damals noch legendären Pilzes "Psilocybe astoriensis" aufzutreiben, wähnte ich mich im siebten mykologischen Himmel. Aber erst einmal mußte ich bittere Medizin schlucken: In den nächsten zwei Jahren sah ich vor allem Schimmel und Bakterien in den buntesten Farben meine Kulturen zerstören. Doch langsam entwickelten sich meine Kenntnisse und Fähigkeiten weiter. Eine Vielzahl kleiner Tricks und Kniffe, die ich nach und nach herausfand, machten mir das Leben immer leichter und ließen mich bei der Pilzzucht immer erfolgreicher werden.
Nachdem ich mit dem Anbau der Psilocybe-Arten halbwegs zurechtkam, erwachte in mir das Interesse an der Zucht anderer Pilze. Champignons und Austernpilze waren mir zu banal - warum soll man mühsam etwas anbauen, was es billigst in jedem Supermarkt gibt? Da stieß ich auf die Medizinalpilze. Medizin schmeckt oft bitter - das lernte ich schon als Kind. Hier dagegen sollten angeblich hochwirksame Medikamente sogar in Form von schmackhaften Speisepilzen daherkommen. Und wieder war ich fasziniert und setzte meine Experimente fort.
Inzwischen weiß ich, nicht zuletzt durch meine Pilzzucht-Workshops, daß nicht nur ich dieser Faszination erlegen bin. Auch andere sind den gleichen Weg gegangen: von der Zucht der psychoaktiven Pilze hin zu den eher exotischen Speise- und Medizinalpilzen. Die einfache Erklärung dafür: Es gab keine Literatur für die als Liebhaberei betriebene Pilzzucht - mit einer Ausnahme: der Heimanbau der psychoaktiven Pilze. Sicher existieren einige sogenannte Pilzanbaubücher. Schaut man sie einmal genau an, dann gleichen sie sich alle in einem wesentlichen Punkt. In ihnen steht geschrieben: "Leute, die eigentliche Pilzzucht ist für Euch viel zu kompliziert. Geht also hin, kauft fertige Pilzbrut und beimpft damit Baumstämme und Kompost, oder kauft Fertig-Sets und stellt sie Euch in den Keller." Mit Pilzzucht hat das natürlich so gut wie nichts zu tun. Wer es jetzt zu genau nimmt, der könnte sagen: auch das vorliegende Buch beschäftigt sich nicht mit der Zucht, d.h. mit der geschlechtlichen Vermehrung und der Auslese der Pilze mit dem Ziel, immer leistungsfähigere Rassen zu erhalten. Dem halte ich entgegen: alle dafür notwendigen Techniken, speziell die Vermehrung aus Sporen, werden hier behandelt. Damit sind die wichtigsten Grundlagen gegeben, damit Interessierte immer wieder neue Rassen heranzüchten und weiterentwickeln können.
Zugegeben: es ist nicht ganz einfach, sich seine eigenen Pilze zu züchten, wenn man nur Sporen, ein wenig Mycel, oder einen Pilz als Ausgangsmaterial zur Verfügung hat. Aber ungleich interessanter als der Kauf von Fertigpackungen ist die richtige Pilzzucht auf jeden Fall. Langfristig billiger ist sie auf diese Weise sowieso. Und nicht zuletzt: von den meisten prinzipiell züchtbaren Pilzarten kann man überhaupt keine Fertigsets kaufen. Hat man endlich seine ersten selbst angebauten Pilze vor Augen, die grundlegenden Techniken gemeistert, dann kann das Abenteuer erst richtig losgehen: zahllose Pilzarten warten noch auf ihre Kultivierung. Einige der gefragtesten Pilzarten gelten (noch) als unzüchtbar: so z.B. der Steinpilz und der Pfifferling. Die Zucht von Morcheln beherrscht auf der ganzen Welt nur ein einziger Züchter. Wer diese Geheimnisse der Natur knackt, der hat finanziell ausgesorgt. Während bei High-Tech-Themen eine intensive Ausbildung und meist sehr viel Geld erforderlich ist, hat auf diesem Gebiet noch jeder Tüftler seine Chance. Aber bevor man sich an solche fortgeschrittenen Experimente wagt, muß man natürlich die Grundlagen beherrschen. Und die vermittelt dieses Buch.
Trotz mehrjähriger Beschäftigung mit der hobbymäßigen Pilzzucht (im Gegensatz zum Erwerbsanbau mit den dort notwendigen erheblichen Investitionen) habe ich noch lange nicht ausgelernt. Pilze als lebende Wesen bereiten mir auch heute immer wieder neue Überraschungen. Daher bin ich sicher, daß viele von denen, die dieses Buch als Leitfaden verwenden, neue Techniken entdecken und andere Erfahrungen machen werden. Ich würde das vorliegende Buch gerne weiterentwickeln. Senden Sie mir bitte Ihre Erfahrungen, Ihre Anregungen, Ihre Kritik. (Hysterische Kommentare über die Tatsache, daß in diesem Buch auch psychoaktive Pilze behandelt werden, landen allerdings kommentarlos im Papierkorb). Brauchbare Beiträge (die über ein paar Sätze hinausgehen) werden mit einem Freiexemplar der nächsten Auflage belohnt. Wegen der zahlreichen Zuschriften, die mich inzwischen erreichen, kann ich leider nicht mehr auf alle Fragen persönlich antworten. Ich bitte dafür um Verständnis. Wenn die Fragen von allgemeiner Bedeutung sind, werden sie in einer eventuellen Neuauflage sicher berücksichtigt.

Ich bedanke mich bei all denen, die einen meiner Pilzzucht-Workshops besucht haben. Es hat mir Spaß gemacht, und nicht zuletzt habe auch ich eine Menge von Euch allen gelernt.
Besonders bedanke ich mich bei meinem Co-Autor Sam Lanceata und bei meinem Verleger Werner Pieper für Vieles, nicht zuletzt auch für Ihre Geduld.

Rehungen im Januar 1999
Bert Marco Schuldes.

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