Logo
* Heute
* News
* Catalog
* ROOTS
* Piepers Schreibe
* History
* EigenArten
* Bestseller
* Vintages
* Cassetten
* Links

* Shopping Cart
* Terms
* Contact
* Impressum


Forum

Logo
Roots
Welcome > ROOTS > Piepers Schreibe > Copywrong
| English Deutsch | Print
Shopping Cart
(No items)
 
 

Werner Pieper

Die Gedanken sind frei, wer will sie verbraten?

Rechts-Klatsch & linke Erfahrungen eines KleinVerlegers

Angesichts der in dem Buch Copyright oder Copywrong? geschilderten globalen Copyrightprobleme scheint es vermessen, von den alltäglichen Abenteuern eines Kleinverlegers zu erzählen. Doch gäbe es diesen Verlag schon lange nicht mehr, hätte ich als Verleger nicht ein sehr eigenes Verhältnis zu diesem Thema entwickelt. Konkret: ich habe im Laufe der Jahre wiederholt gegen die bestehende Copyrightauffassung (von Gesetzen will ich hier erst garnicht reden) verstoßen. Ohne diese Verstöße und ihre Auswirkungen hätte ich mich weder für dieses Thema interessiert, noch als 'Verleger' überlebt. So nehme ich mir das Recht, etwas ins Plaudern zu geraten. Ich bin kein Theoretikter, ehr ein Geschichtenerzähler. Geschichten aus meiner Praxis, sicherlich keine Patentrezepte, sondern Beispiele, wie ich mich durchschummele.


Eulenspiegeleien

You know, ich kam ja nicht so verdorben zur Welt, die Gesellschaft machte mich erst so. Danke. Es geschah im Jahr 1964, ich war 16 Jahre alt und Chefredakteur einer Schülerzeitung im finstersten Sauerland. Aus Verzweifelung ob meiner zombiehaften, streng katholischen Umwelt hatte ich mir Brieffreundinnen in aller Welt, so auch eine in Quedlinburg, DDR, angelacht. Sie schickte mir ab und an die satirische Zeitschrift Eulenspiegel, ich ihr dafür im Tausch die Bravo. Groß war meine Freude, als ich eines Tages im Eulenspiegel Schulkarikaturen erblickte, deren Lehrerfiguren zum Teil deckungsgleich auf unsere Schulerzieher zutrafen. Lechz. Nachdrucken wollen. Also schrieb ich, ganz p. c., wegen der Nachdruckrechte an die Redaktion nach 'drüben'. Zwar kann ich mich nicht mehr daran erinnern, wie lang dieser Briefverkehr währte, oder ob wir dann diese Karikaturen letztendlich abgedruckt haben.
Um so besser erinnere ich mich an jenen Vormittag etwa ein Jahr später, als ich, längst schulentlassen, in voller Kochmontur vom Verfassungsschutz aus meiner Lehrstelle entführt und stundenlang verhört wurde. Grundlegende Beweismittel waren die west-staatlich kopierten (sick!) Briefe, die ich mit Kommunisten (noch sicker!) ausgetauscht hatte. Man vermutete offensichtlich Agentengefahr. Als ich anschließend nichts mehr von den Grauen Herren hörte, wähnte ich das Verfahren eingestellt. Um so größer meine Verblüffung, als Zitate aus dem damaligen Verhör plötzlich 1982 in obskuren Akten eines Verfahrens wg. unserem Hanf Handbuch wieder auftauchten. "Ich bin mit der Regierungspolitik dieses Landes nicht einverstanden", hatte ich 1965, damals noch demokratiegläubig, gesagt. Nach einem mehrmonatigem Briefwechsel machte ich als Quelle dieser Infos das hessische Landeskriminalamt ausfindig, dessen Chef mir dann versprach, daß diese Angaben nun gelöscht würden. Well, well.
Die letzte Ausgabe dieser Schülerzeitung wurde direkt nach Erscheinen vom Direktor der Schule auf dem Schulhof verbrannt, alldieweil ich darinnen verbotenermaßen die Anerkennung der DDR gefordert hatte. Diese Ereignisse trugen sicherlich sehr förderlich zu meiner künftigen anarchistischen Haltung bei. So wurde mir in der Schule doch etwas fürs Leben beigebracht: Autoritäten zu hinterfragen. (Ob sich meine ex-Mitschüler noch an mich erinnern? Schließlich war ich jahrelang ihr Klassensprecher. Aber als jemand, dem von der Schulleitung unwidersprochen vorgeworfen werden konnte, von drüben bezahlt zu werden, hab ich mich nie wieder darum gekümmert, was aus meinen Mitschülern wurde. Zumal sich alle an die strikte Order, jegliche Kommunikation mit mir sein zu lassen gehalten haben. Hey, ihr Feiglinge, genießt eure Klassentreffen!)


Blüten aus dem Underground

Ein paar Jahre später, inzwischen war ich experimenteller Psychedelikahändler, lernte ich in England Underground-Zeitschriften kennen und lieben. Die Liebe war so groß, daß ich 1971, mit tatkräftiger Hilfe von Gerd Baumann und Michael Pakleppa (dem ich die steuertechnisch geniale Bezeichnung MedienXperimente verdanke), selber anfing, etwas ähnliches zusammenzubasteln. Durch meinen Job als Dealer hatte ich genügend Geld und ein erstes Vertriebssystem. Als Dealer hatte ich vor allem Kontakte zu Musikern, Malern, Fotografen, was uns fehlte, waren Schreiber. Um Fotos und farbige Bilder zu reproduzieren oder gar Schallplatten zu realisieren, fehlten mir doch die Ressourcen. Woher nun aber Texte nehmen, wenn nicht stehlen?

Es waren vor allem Beiträge aus englischen und amerikanischen Hippie-Zeitschriften und Büchern, die mir so neu, revolutionär und wichtig vorkamen, daß ich einen geradezu missionarischen Drang entwickelte, diese auf deutsch zu publizieren. Dabei war ich sicher, daß sich die Autoren über die Verbreitung ihrer Informationen freuen würden – ohne daß ich mir die Mühe machte, allen Quellen Belegexemplare zuzusenden. So wichtig nahm ich unser erstes Hippieblättchen anfangs nun auch nicht.

Doch im Laufe der Jahre stiegen Nachfrage und Auflagen. Nach fünf Jahren legalisierte ich das Unternehmen (Grüne Kraft als meinen Künstlernamen, Medienexperimente als Gewerbe, die Zeitschrift Der Grüne Zweig wurde gar Mitglied im weltweiten Alternativ Press Syndicate (APS). Das erlaubte es uns, sogar Artikel aus Zeitschriften wie dem Rolling Stone problemlos nachzudrucken. Der Grüne Zweig mutierte zur themengebundenen Heft- & Buchreihe, als Zeitschrift publizierten wir dann den Kompost bzw. in den 80er Jahren das Humus Magazin. Im Grünen Zweig ließen wir uns nun umfangreicher über Themen aus, die für Deutschland neu waren: Psychedelik, Naturkost, biologischer Anbau, traditionelle Indianer etc. Heute sind das alles, mit Verlaub, publizistisch weitgehend abgelutschte Themen. Aber damals gab es in unserer Sprache kaum etwas akzeptables dazu zu lesen. Also griff ich wiederholt auf englische und amerikanische Quellen zurück.
Zur selben Zeit gab es in der Schweiz das Sphinx Magazin. Edler, korrekter, mit etwas mehr Geld im Rücken, aber ähnlichen Inhalten wie der HUMUS. So kam es wiederholt zu der Situation, daß ich in einer angloamerikanischen Zeitschrift einen Artikel las, begeistert war, ihn sofort übersetzte und schnellstmöglich im Kompost oder HUMUS veröffentlichte. Wochen oder Monate später erschien dann das Sphinx Magazin mit dem selben Beitrag. Allerdings in einer besseren Übersetzung und rechtlich abgesichert. Netterweise gab es da nie ernsthafte Probleme. Zum einen lebte ich im Schutz der Autoren, die das meist witzig fanden, und zum andern erhob ich mit meinen Hippieblättchen ja auch nicht den Anspruch, ernst genommen werden zu wollen. Zumal diese Blätter sich allemal nicht selbst finanzierten, sondern von meinen Dealergewinnen durchgezogen wurden.

Ich sehe durchaus einen Unterschied, ob man einen Text, ein Buch oder eine Schallplatte wegen ihrem Inhalt raubkopiert, um ihm größere Verbreitung zukommen zu lassen, oder wegen dem Geld, das es dabei eventüll zu verdienen gibt. Das Gesetz sieht solche moralischen Unterschiede nicht vor. Das war bei Robin Hood schon nicht anders.


Ernährung & Bewußtsein

Im Jahr 1973, es gab gerade ganze zwei Naturkostläden in der BRD, übersetzte und schrieb ich unseren ersten Verkaufshit Ernährung und Bewußtsein. Die meisten Beiträge waren aus einem englischen Naturkost-Magazin übernommen. Wer, außer ein paar ReformhausOmas wußte schon, was brauner Reis oder gar Miso ist, heilige Sojasprosse. Niemand. Selbst als ehemals ausgezeichneter Hotelkoch hatte ich weder von dem einen noch dem anderen je gehört. NeuLand. Die Anzeigen in dem Heft (das später zum Buch mutierte und ohne Werbung über 50 Tausend Auflage erzielte) ließ ich mir in Naturkost-Naturalien bezahlen. Die Naturkostläden wurden so für Jahre meine besten Wiederverkäufer, dort war ich jahrelang konkurrenzlos. Erst als ich die ersten Minifrisbees in Europa vertrieb, kündigte man mir wg. Plastikverherrlichung die Beziehungen. Schließlich gab es inzwischen genügend andere Naturkostbücher aus pflegeleichteren Verlagen.

Irgendwann und -wie ließ ich die englischen Urheber wissen, was ich getan hatte. Aber da deren Artikel zum Großteil allemal im Kollektiv entstanden waren und uns ja sowieso bewußt war, daß wir alle zum Wohle aller an einer gemeinsamen Front des Neuen Zeitalters rumrackerten, wurde mein Vorgehen im Nachhinein freudvoll abgesegnet. Die Freude stieg noch, als kurz drauf unser Heft sogar auf dänisch übersetzt raubgedruckt wurde.


Ist es gut genug?
Dann wird es nachgedruckt!

Spätestens mit dem Erscheinen des Humus Magazins wurde ich im abkupfern gnadenlos. Wieso mit irgendwelchen Agenten korrespondieren, wenn ich zum einen sowieso bei den Zeitschriften draufzahle und anderseits immer in der Gewissheit lebte, daß die Autoren davon begeistert wären, daß ihre Informationen ohne ihr zutun weiter verbreitet werden. Fand ich einen interessanten Text, wurde er umgehend verdeutschwurschtet. Timothy Leary? Heathcote Williams? John Michell? John C. Lilly, Paul Bowles und Mohammed Mrabet? (Die lange Nachdruck-Geschichte der marokkanischen Haschischgeschichten wird von mir im Nachwort der legalen Neuauflage beschrieben. Der Grüne Zweig 49). Drogeninfos? Klasse! Übersetzen! Verbreiten! Aber Hallo!
Keiner dieser Raub?drucke machte mich reich und berühmt, aber darum ging es mir ja auch nicht. Ich sah Texte, Inhalte einer neuen Jugendbewegung, die mich interessierten, die direkt mit meinem Leben zu tun hatten. Anderseits gab es keine Medien, die diese Texte als nachdruckenswert empfanden. Damals existierten noch keine Stadtzeitungen oder ähnliches. Ich hoffte einfach, daß es genügend LeserInnen geben würde, die diese Inhalte als genauso spannend und wichtig fanden wie ich. Dem war wohl so, denn sonst hätte der Verlag kaum überlebt. Der Verlag hat sogar davon profitiert. Nicht in DM, sondern in Credibility. Und einige der ursprünglich beklauten Autoren haben, wenn auch nicht sofort, sondern erst im Laufe der Jahre, nachweisbar durchaus ihren, auch finanziellen Nutzen ziehen können.


Beichtgänge ohne Reue

Bis Ende der 70er gab ich ein buntes Szenenmagazin, Kompost, heraus, in dem jeder gnadenlos unzensiert mitmachen konnte. Dann wandelte ich es ins Humus Magazin, in dem nur veröffentlicht wurde, was ich als gut & wichtig erachtete. (Dem enstprechend sanken die Verkaufszahlen und ich mußte das Magazin nach sieben umfangreichen Ausgaben einstellen). Viele der längeren Beiträge für dieses Magazin hatte ich irgendwo abgekupfert. Nach einem Jahr Verlegerpause fing ich dann an, meine Beicht-Runden (in Person und brieflich) bei von mir raubgedruckten Autoren zu drehen. Deren Reaktionen waren verblüffend. Alle waren ausnahmslos begeistert, daß ihre Texte in deutscher Sprache erschienen waren.

Zum Beispiel Timothy Leary.

Er schrieb im amerikanischen Knast seinen Text Neurologik, hatte alle seine Rechte an obskure Anwälte abtreten müssen. Als mir ein inhaftierter DrogenArzt eine Übersetzung des Büchleins aus einem deutschen Knast schickte, verlegte ich es umgehend. Geistiges Dynamit! Witzigerweise wurde dieses Büchlein (wie auch unsere Ausgaben des Lukanga Mukara und das inzwischen völlig überholte Heft Halluzinogene Pilze) vom Anfang der 70er Jahre mit seinem Blatt Pängg! ungekrönten König der fränkischen Undergroundpresse, Raymond Martin nachgedruckt. Raymond hatte noch weitere Leary-Bücher illegal (mit Vertrag, ohne Zahlungen) nachgedruckt. Als Michael Horowitz vor Jahren eine Leary-Bibliografie recherchierte, stellte sich heraus, daß Learys Bücher nur in Deutschland durchgehend lieferbar waren – wenn auch als Raubdrucke. Tim traf bei seinem ersten Deutschlandbesuch am Flughafen auf eine witzige Verleger-Troika: Sphinx-Verleger Hagenbach als der rechtmäßig korrekte, Raymond mit seinen unerfüllten Verträgen und ich als strikter Vertragsgegner. Zwischen Tim und mir war es Liebe auf den ersten Blick. Inzwischen verlege ich mehrere Texte von ihm, alle ohne Vertrag, aber mit Zahlungen.

Einige Monate vor Tims Tod war ich wieder in Hollywood, um ihn mit Honorarzahlungen zu überraschen. Wir lieben uns. Er bot mir kostenlos Exklusivrechte an, ich lehnte ab. Exklusive Besitzrechte für Informationen – das ist nicht mein Bier. Nur einmal nahm ich sein Angebot wahr, unter seinem Namen schreiben zu dürfen. Wir mußten nie klären lassen, wem in diesem Fall das Copyright gehörte, dem Schreiber oder dem Namensgeber.


Doppelraub

Als Anfang der 80er Jahre psychoaktive Pilze populär wurden, erteilte ich einem Autor den Auftrag, eine entsprechende Informationsbroschüre zu schreiben. Ich selber hatte zu dem Thema weder eigene Erfahrungen noch inhaltlichen Sachverstand. Der Erfolgs-Autor (der unter dem Namen Hainer Hai von diesem Verlag für sein HanfHandBuch schon weit über 100tausend DM Honorar erhalten hat!), schrieb das Heft, das unter dem Titel Halluzinogene Pilze bei uns verlegt wurde, in enger Annäherung an PilzInfos aus England, unter dem Autorennamen Bernhard Vetterling. Als das Heft wegen potentieller Jugendgefährdung indiziert wurde, änderten wir den Umschlag, den Titel (Pilze) & Autorennamen (in Hermann von Leistenfels) und im Text zwei Stellen. Aus dem Kapitel: 'Woran erkenne ich halluzinogene Pilze auf der Wiese?' wurde 'Woran erkenne ich kriminelle Pilzsammler auf der Wiese?'. Damit war das Heft wieder rechtlich einwandfrei.

Das Interesse am Thema nahm zu, so kamen auch die Geier. Als wir die 2. Fassung des Büchleins herausbrachten, wurde das ursprüngliche Heft gleich zweimal raubgedruckt. Zum einen vom notorischen Raymond Martin. Und von einer Raubdruckertruppe, von denen ich auf Umwegen eine Anschrift erhielt. Ich hatte beim Autor nachgefragt, dem waren diese Nachdrucke völlig egal. Also schrieb ich den Raubdruckern einen netten Brief, von wegen: also die Rechtsbelehrung in dem Büchlein ist völlig veraltet, da inzwischen neue Gesetze in Kraft getreten sind. Und außerdem ist es ja wohl das Mindeste, dem geraubdruckten Verlag und dem Autor ein Belegexemplar zuzusenden. Sonst würde ich mit meinen großen Brüdern vorbeikommen. Postwendend erhielt ich die Belegexemplare und einen netten Brief, in dem man mich bat, die großen Brüder daheim zu lassen. Man kenne die, die würden immer die Kühlschränke leerfressen.

Zu just derselben Zeit hatte der Börsenverein des Deutschen Buchhandels (bei dem ich kein Mitglied bin!) einen Detektiv eingestellt. Der sollte die Raubdruckerszene aufmischen. So hatte ich mehrere PolizeiRazzien (mit mehreren Maschinengewehren etc., heavy!) im Haus, weil man mir Michael Ende Raubdrucke unterjubeln wollte. Aber, eure Ehren, da war ich nun völlig unschuldig, echt. Also wirklich. Ende. Der Börsenverein bot auch eine Broschüre mit allen bekannten Raubdrucken an. Ich rief sofort an und bestellte mir eine. Im Gespräch erwähnte ich meinen Briefverkehr mit den Raubdruckern. Als ich mich weigerte, deren Anschrift preiszugeben wurde ich übelst beschimpft – und man weigerte sich, mir die erwähnte Broschüre zuzusenden.

Nun, von den Raubdruckern habe ich nie wieder gehört, auch deren Pilzheft nie wieder gesehen. Aber Raymond Martin bietet seinen Raubdruck mit einem seit 1982 veralteten Rechtsteil und trotz meines Hinweises, daß in diesem Heft peinlicherweise Pilze aufgeführt sind, die keinenerlei Wirkungen haben, an. Wir wußten es damals nicht besser, dafür kann ich mich nur entschuldigen. Heute schon, nachdem wir ein vorerst definitives Buch zum Thema ('Zauberpilze', Der Grüne Zweig 155) herausgegeben haben. Martin hat mich gar im Impressum eines Meskalin-Buches als Übersetzer angegeben, obwohl ich keine Zeile davon übersetzt habe. Schade nur, daß es sich um eine miserable Übersetzung handelt & man von ihm allemal kein Honorar bekommt.


John Michell & Heathcote Williams

Mein Beichtgang zu John Michell (Geomantie etc.) in London wurde zu einem äußerst memorablen Abend. Er stellte mich gleich seinem Nachbarn Heathcote Williams vor, der auch mit verschiedenen Artikeln auf meiner Liste stand. Beiden machte ich ein Wiedergutmachungsangebot: ich versprach beiden, als Wiedergutmachung Texte ihrer Wahl als Heft/Buch herauszubringen. John wünschte sich die Alten Maßsysteme (inzwischen vom Verlag Neue Erde übernommen). (Er hat selber auch eine ganz spezielle Copyright-Geschichte erlebt. Auszüge aus Hitlers Tischgesprächen verlegte er unter dem Titel The Hip Pocket Hitler. Er wurde verklagt und verdonnert – die Rechte auf Hitlers Tischgespräche besitzt in England ein jüdischer Verlag...)!

Heathcote Williams bot mir ein langes Gedicht gegen das Auto, Autogeddon, an. Ich verlegte beide Texte, wobei mir klar war, daß ich dafür keinen Markt finden würde. So vergammelten die Hefte jahrelang, bis sich plötzlich Lutz Kroth, Verleger des 2001-Verlages, bei mir meldete: er wolle mir die Rechte für den Text abkaufen. Well, now. Mit Heathcote hatte ich nie über Rechte geredet. Als Lutz mir einen Haufen Geld anbot, erbat ich Bedenkzeit & schrieb Heathcote postwendend einen Brief, in dem ich ihm 2001 als optimalen Verlag für seine Ergüsse empfahl. Lutz Kroth war schneller. Er düste umgehend nach England, besuchte Heathcote in seiner traumhaft undeutsch vergammelten Absteige in einem wunderschönen Schloß in Cornwall und wurde von diesem mit den Worten: "Da müssen Sie sich schon mit Werner Pieper auseinandersetzen. Ich weiß nicht mehr, was für eine Abmachung wir haben" zurückgeschickt. Nun, wir hatten gar keine Abmachung getroffen, doch Lutz Kroth war so beeindruckt, daß er sein erstes Angebot verdoppelte. Ha! Die Hälfte für Heathcote, je ein Viertel für den Übersetzer Rolf Brück und den Verlag. Alle waren überrascht und erfreut. Zumal mir 2001 von den ursprünglich gedruckten 1500 Exemplaren der Grünzweig Ausgabe noch 1250 abkaufte und verramschte. 2001 machte aus unserem lütten Heft ein mit vielen schwarz/weiß Fotos angereichertes, schönes Buch. Jahre später mutierte der Text in ein durchgehend farbig illustriertes großformatiges Coffeetable-book, wurde weltweit verlegt, u.a. auch zum ersten Mal in England, seinem Heimatland. In der Folge verlegte 2001 (und weitere Verlage in England, den USA, Japan und anderswo) weitere Meisterstücke von ihm, die bis dahin relativ unbeachtet in seinen Schubladen geschlummert hatten: Das Elephanten-Buch und Wale. Mir blieb es dann überlassen, seinen Text The Foreskin-files (dt: Aus den Vorhaut Akten), einen weiteren potentiellen Ladenhüter, zu verlegen.

Bei diesem Anti-Beschneidungs-Buch unterlief mir eine der beiden Copyright Sünden, für die ich anschließend bitter büßen mußte. Um Heathcotes Text gegen die real existierende Kinderverstümmelung zu illustrieren, suchte ich krampfhaft nach entsprechenden Bildern. Ein Freund aus Damaskus schickte mir zwei gedruckte Fotos, offensichtlich aus dem Spiegel: Kleine türkische Jungs aus Köln in Uniformen, absolut jeck, auf dem Weg zum Schnitt. Klarer Fall: die gehören ins Buch. Irgendwann kam dann der harte Brief, nicht vom Spiegel, sondern direkt vom mir bis dahin unbekannten Fotografen. Wenn ich nicht sofort 1500 DM überweisen würde, dann gäbe es ein rechtliches Donnerwetter. Also, Zähne geknirscht und gezahlt.


Vom Scheiss-Buch ist die Rede

Einen weiteren ähnlichen Zähneknirscher gab es bei meinem Mini-Bestseller, dem Scheiß-Buch, für das ich auch als Herausgeber fungierte. Für den folkloristischen Teil hatte ich aus einer Sammlung traditioneller tibetischer Geschichten einen köstlichen Scheiß-Schwang im Stile eines tibetischen Eulenspiegel übernommen. H. G. 'von Hanf ist die Rede' Behr, der Herausgeber dieser Sammlung, meldete sich, als die 2. Auflage, wg. einer erfolgreichen TV-Sendung, schon auf Hochtouren durch die Druckmaschinen jagte.
– So gehe das ja nicht! Schimpf! Und Schande! Und überhaupt! Und viel Geld! Sofort!
– Mein Einwand: es handele sich doch um traditionelle tibetische Geschichten. Er solle mir doch seinen tibetischen Informanten nennen, dem würde ich sofort gerne das anfällige Honorar zukommen lassen.
– Nix zu machen. Die Geschichten gehören mir! Meinte er.
– Nun, so, ich, einige meiner Freunde waren auch schon in Tibet und haben sich die Geschichte vielleicht auch erzählen lassen und könnten sie mir jetzt fürs Buch aufschreiben.
– Nix da, dann gäbe es rechtsanwaltigen Ärger.
Also zahlte ich ihm das Honorar für die erste Auflage doppelt & dreifach und ließ sofort die Druckmaschinen anhalten, um die Story aus der Neuauflage zu eliminieren und für kommende Ausgaben durch eine andere ersetzen. Das Buch verkaufte sich so gut, daß Mr. Behr oder sein tibetischer Freund (?) ein Mehrfaches von mir bekommen hätten, wenn... In selbigem Buch war auch eine Comix-Geschichte von Robert Crumb abgedruckt. In Undergroundzeitungs-Zeiten gehörte Crumb zu den am meisten nachgedruckten Autoren – nur nicht im Grünen Zweig. Hausgrafiker Gerd Baumann fand Crumb zu gut, um ihn so inflationär zu benutzen. Also druckten wir ihn aus Bewunderung nie illegal nach. Der Abdruck im Scheiß-Buch geschah völlig legal und bescherte Crumb einen vierstelligen DM-Betrag.


Helen Kellers Welt

Mittelpunkt einer sehr verwirrenden Copyright-Situation, zumindest für Juristen, war und ist das Buch Meine Welt von Helen Keller. Anfang des 20. Jahrhundert in Deutschland ein Bestseller, wurde das Buch nach den frühen 30er Jahren bei uns nicht wieder neu aufgelegt. Die ehemaligen Verlage des Buches waren erloschen, jegliche Spuren verschwanden in Adolfs dunklem Zeitalter. Nun brannte mir der Text, als Erlebnisbericht eines außergewöhnlichen Lebens, der davon zeugt, wie jemand erfolgreich aus einer Behinderung eine Chance machte und diese nutzte, unter den verlegerischen Fingernägeln. Da traf es sich gut, daß ich irgendwo einen faksimilisierten handschriftlichen Hinweis von Helen fand, daß der Erlös der deutschsprachigen Ausgabe dieses Buches deutschen Kriegsblinden des ersten Weltkrieges zugute kommen sollte. Diese Verfügung stammte aus der Zeit kurz nach jenem Krieg, Nachfragen bei Blindeninstitutionen blieben unbeantwortet. So schloß ich mich mit Helen auf metaphysischer Ebene kurz & sie channelte mir ihr OK, die ihr zustehenden Honorare Blindeninstitutionen meiner Wahl zukommen zu lassen. So geschah es dann auch: Die Duft-Palette, eine wundervolle Tast- und Geruchs-Privatinitiative von Herrn Fauth in Stuttgart und die SEVA-Foundation ('a solution in sight') in Kalifornien haben bislang von diesem Buch profitiert. Ich bin mir absolut sicher, so im Sinne Helen Kellers gehandelt zu haben.


Die großen VerlagsBrüder

Damit ist die Geschichte 'Meiner Welt' aber noch nicht zu Ende. Als mich ein netter Lektor des Luchterhand Verlages fragte, ob dieser Verlag nicht meine Fassung des Buches (in dem 2/3 des Textes von mir über Helen Keller sind) als Lizenzausgabe in seiner Taschenbuch Reihe mit verbreiten dürfe, sagte ich sofort zu. Denn es war sicherlich auch im Sinne Helens, daß ihr Text noch mehr Verbreitung gewinnt. Ich erhielt einen mehrseitigen Vertrag, unterzeichnete, auch stellvertretend für Helen. Und warte. Wochen. Monate. Ich krame den Vertrag wieder heraus und lese von '1000 DM bei Unterzeichnung, nochmal so viel bei Erscheinen des Buches. Etliche Monate nach dem Erscheinen fange ich an, Briefe & Faxe zu versenden. Keine Antworten. Hey Jungs, das ist euer Vertrag! Nix. Ich rufe den netten Lektor an und glaube ihm, daß er da auch nichts machen könne:
– Peinlich, meint er. Er würde mir raten, gegen den Verlag zu klagen.
– Ha, sage ich, auch noch Zeit vor dem Kadi verplempern, nicht mit mir. Ich werde petzen und übel nachreden (was ich hiermit tue). Schließlich kamen dann Abrechnungen und sogar kleinere Zahlungen. Zu meiner Verblüffung war Luchterhand nicht in der Lage, die Auflagenzahlen meines Kleinverlages zu übertreffen. Das ist dtv auch nicht gelungen. Dort gibt es das Buch inzwischen, ohne mein Zutun, auch zu kaufen. Die fragten eines Tages an, ob Sie ein bestimmtes Foto von Helen von mir haben könnten.
– Wofür das? Frage ich.
– Für ihr Buch, das bringen wir doch heraus.
– Ja wie das? Meine Frage.
– Ihre Antwort: Aber wir haben doch die Edition Luchterhand übernommen. Das weiß doch jeder.
– Nun, hm, ich weiß das nicht. Woher sollte ich?
– Aber das stand doch überall in der Fachpresse.
– Die lese ich aber nicht, können Sie mir nicht irgendeine Dokumentation oder Autoreninformation über diesen Deal zukommen lassen?

Man konnte bis heute nicht, weder dtv noch Luchterhand, obwohl ich wiederholt nachfragte. Daß die dtv Auflage erschienen war, sah ich im Schaufenster einer Buchhandlung. Wieder kram ich den Vertrag hervor und lese, daß mir von jeder Neuauflage fünf Belegexemplare zustehen. Auf Nachfrage sendet man mir ein Exemplar zu. Und als Ersatz für die vertraglich versprochene, jedoch vergessene Werbeseite bot man mir an, das könne ich in der kommenden Auflage doch nachholen. Schlamper.
Als ich fast drei Jahre keinerlei Honorarabrechnung von dtv erhielt, fragte ich nach. Die letzte dtv-Abrechnung vom 31.12.1993 enthielt einen Lagerbestand von 351 Exemplaren und ein 'Total zu Ihren Gunsten' von 0,00 DM. Die dtv-Abrechnung, die ich 1996 erhielt, ermittelt jedoch zum 1.1.1994 ein Saldo von rund 1600 DM zu meinen Ungunsten. Was geschah in jener Nacht, daß ich plötzlich und unverhofft bei jenem Verlag in der Kreide stand? Auf meine Nachfrage erhielt ich die lapidare Mitteilung: "Der strittige Saldenvortrag muß zu unseren Gunsten korrigiert werden." Keine Aufklärung, keine Ahnung. Aber die von Luchterhand geäußerte Hoffnung, "daß wir ab nun die Dinge ordentlich regeln werden". Zynismus? Wenn ich als Autor von diesen Honoraren leben müßte, wäre ich sicherlich schon lange durchgedreht. Peinlicherweise schlagen auch meine anderen Erfahrungen mit großen Verlagen in diese Richtung. Aber schon die Indianer machten die Erfahrungen, daß Verträge des Weißen Mannes nur dazu da sind, von diesem gebrochen zu werden...


Gemeinsame Rauchopfer statt Verträge

Solche vertrackten Verlagsgeschichten kannte ich bislang nur von blauäugigen Musikern, die ja schon immer von ihren Funktionären und Agenten mißbraucht wurden. Solche Leute sind mir ein Gräuel. Verträge auch. Ich mache einfach keine. Ich habe lange gebraucht, um herauszufinden, woher meine Abneigung schriftlichen Verträgen gegenüber herrührt. Wahrscheinlich aus meiner Zeit als Psychedelika-Dealer: als verantwortlicher Dealer macht man nur mit Menschen Geschäfte, denen man vertraut. Da braucht es keine Verträge, nichtmall den Handschlag, bestenfalls die Friedenspfeife. Mein Glück, daß ich immer wieder auf Autoren und Autorinnen stoße, für die das völlig OK ist. Einige von ihnen haben schon Verträge mit großen Verlagen gehabt und wissen, daß man sich dafür nichts kaufen kann. Bestenfalls einem Anwalt einen Job beschaffen.
So gesehen bin ich ja auch kein echter Verleger. Ein Verleger, so hat es mir einmal ein englischer 'Kollege' verklickert, ist jemand, der das geistige Eigentum anderer übernimmt und zu Geld macht.
Ich erlaube mir den Luxus, meine Aufgabe darin zu sehen, Inhalte zu verbreiten. In diesem Verlag bleiben die Rechte immer bei den AutorInnen. Ich bin nur Werkzeug im Verbreiten dieser Texte, Botschaften und Informationen. Als Autor schreibe ich konsequent nur für Zeitschriften & Verlage, die bzw. deren Werke ich auch selber freiwillig konsumiere. Also keine Beiträge für Stern oder Tempo oder den Spiegel. Ich erhebe kein Copyright auf von mir geschriebene Sachen, erwarte aber schon die in dem jeweiligen Nachdruckmedium übliche Autorenbehandlung und -bezahlung. Da kann sich keine Schülerzeitung beschweren. Über Belege freut sich jeder Autor.
Verkauft ein Autor sein bei mir erschienenes Buch an einen anderen Verlag weiter, ob im In- oder Ausland, freue ich mich wirklich darüber, denn das bedeutet ja zuallererst, daß der Text gut genug ist und zum andern, daß der Autor etwas dazu verdient. Beispiel für Skeptiker: Micky Remanns Urfassung von Solar Perplexus erschien ursprünglich als Grüner Zweig. Eine zweite, erweiterte Fassung dann im Sphinx Verlag. Als die das Buch dann nicht mehr ausreichend (?) verkaufen konnten, nahm ich ihnen die Restauflage ab. Christian Rätschs Hanf als Heilmittel erschien in 5000 Auflage in Tschechien und wurde dort in zwei Wochen verkauft. Wunderbar! Da kommt doch Freude auf! Warum sollte ich da Geld für kriegen?
Es gehört zu den absolut schönsten Momenten im Leben eines Verlegers, wenn er Honorarschecks ausschreibt oder gar Autoren und Autorinnen das Honorar bar in die Hand drückt. Vor allem, wenn es die Empfänger wirklich gebrauchen können (und oftmals überhaupt nicht erwartet haben). Gerade war ich eine Woche in den USA unterwegs, um mehreren Autoren ein paar handvoll $$ zu bringen. Da kommt man sich vor, wie der reiche Mann aus Europa. Ich liebe meine AutorInnen und wünsche ihnen viele fette Honorarschecks. Vor allem weil das automatisch mit sich zieht, daß ich es mir leisten kann, ihnen das Geld in persona vorbeizubringen.
Objektiv pervers jedoch: Wenn ich als Verleger dem Autor in mir die mir zustehenden Honorare auszahlen würde, wäre der Verlag schlagartig pleite, während ich als Autor die nächsten Jahre auf einer Insel in der Sonne verbringen könnte. Aber wer will das schon?


Public Domain

Als 1992 der Aufsehen erregende Gerichtsbeschluß des Richter Neskovic aus Lübeck zur Cannabisfrage erging, beschaffte ich mir sofort eine Kopie davon und druckte diese, ergänzt um ein paar Pressestimmen dazu, als Recht auf Rausch nach.
Über ein Jahr lang rief ich regelmäßig alle paar Wochen beim Bundesverfassungsgericht an, und als die Richter sich in der Haschischfrage äußerten, lag deren Beurteilung bei uns innerhalb kürzester Zeit als Das Haschisch Urteil in Buchform vor. Und um dem Leser die Möglichkeit zu geben, diese Gerichtsdrucksachen auch richtig einordnen zu können, ließ ich auch noch das ganze Betäubungsmittel-Gesetz nachdrucken. Das kostete mich gerade den Druck und das Papier, denn das Copyright für Urteile und ähnliche Texte haben wir schon alle durch unsere Steuern bezahlt – sie gehören uns allen. Der Lübecker Beschluß wurde eine Zeitlang kostenlos an alle Interessenten verschickt. Die Karlsruher wollten allerdings schon 50 Pfg pro Seite, da ist unsere Buchfassung für den Konsumenten erheblich volkstümlicher = billiger.
Noch dreister ist die Geschichte mit unserem Video Reefer Madness. Ursprünglich in den USA als offizielle Regierungs (Anti-Drogen-) Propaganda gefilmt, habe ich in den USA einfach ein handelsübliches NTSC-Video gekauft, dieses umwandeln und dann kopieren lassen. Anybody can do that. Wir haben diesen Film allerdings schon vor über 20 Jahren gezeigt. Damals betrieben wir ein Grünes Kino in Heidelberg. Als Programmgestalter Michael Pakleppa das Angebot bekam, das SoftpornoKino Gloria in ein Programmkino umzuwandeln, fing er das neue Programm mit Reefer Madness an. Ergebnis: drei Wochen ausverkauft, neuer Hausrekord im ältesten Kino Heidelbergs. Leider ist die Filmkopie von damals spurlos verschwunden...
Letzthin habe ich mich gar selber raubgedruckt. In einer literarischen Zeitschrift war ein 30-seitiges Interview erschienen, daß Helmut Höge vor 10 Jahren mit mir geführt hatte. Ich fand es ärgerlich, daß verschwiegen wurde, wie alt dieses Interview war, wurde es doch als neu präsentiert. Als ich vom Verlag zehn Belegexemplare (zum Verschenken an Freunde) erbat, verwies man mich an den Vertrieb, wo ich gerne X Exemplare kaufen könne. Nun ist es mit Interviews allemal etwas besonders: drei Viertel vom Text sind Antworten, für die der Frager jedoch Zeilenhonorar erhält. Da dachte ich, zehn Freiexemplare müßten doch drin sein. Waren es aber nicht. Also habe ich das ganze Gespräch als kleines Heftchen raubgedruckt, zwei Dutzend verschenkt und den Rest biete ich nun gegen 5 DM an. Auch meine von einem obskuren Verlag verlegten Heidelberger Heimatkundebücher Mark Twain in Heidelberg und Heidelberg zur Stunde Null habe ich jetzt selber nachgedruckt, da jener Verlag seinen Pflichten nicht korrekt nachkam.


Der umgedrehte GeldSpieß

Jahrelang 'erarbeitete' ich mir das Image eines Raubdruckers, das mir auch noch bis ins nächste Jahrtausend anhaften wird. Damit habe ich keine Probleme. Denn fast alle Beraubten haben sich auf Dauer über diesen 'Diebstahl' gefreut. Die Räuberei hatte ein Ende, als der Verlag es sich leisten konnte, Honorare zu zahlen. Die Einnahmen durch das Scheiss-Buch kamen so dick, daß ich, als Gegner des Geld- und Zinssystems, auf die volkswirtschaftlich absurde Idee kam, meinen guten Ruf als Raubdrucker schnöde zu unterminieren. Nicht nur zahlte ich Rückständiges, sondern für alle gedruckten Bücher (unabhängig vom künftigen Verkauf, teilweise liegen die heute noch auf Halde) die Honorare im Voraus.
Ja, ich ging sogar dazu über, geldknappen Autoren und Autorinnen Vorschüsse für Bücher zu zahlen, die nie geschrieben werden sollten. Im Laufe der Jahre hab ich auch all diese Vorschüsse zurückerhalten. Temporär habe ich das Geld doch lieber bei Menschen geparkt als bei Banken. Auch wenn sich diese Zinsen nicht in Zahlen fassen ließen.
Es mag für manche Verlegerkollegen erstaunlich klingen, aber es gibt nach wie vor Autoren und Autorinnen die vorrangig schreiben, um gelesen zu werden. In heutigen Massenmedien wird heutzutage viel produziert, um irgendwie die Zeit zwischen Werbeblöcken oder Anzeigenseiten zu füllen. Das book-shelf life in den USA beträgt heute maximal sechs Wochen, danach fliegt ein Buch aus dem Laden. Es ist nicht auszuschließen, daß im Jahr 2000 kein Buch ohne Barcode vom Handel akzeptiert wird. Diese kalten Striche machen etwas definitiv zum Produkt. Ich hasse sie. Da regt sich Widerstand.
Traditionelle Völker reden von Mutter Erde, die unverkäuflich sei. Deswegen muß aber Onkel Geist doch nicht korrupt sein, oder?
Wie hat Wolfgang Neuss so gerne Tucholsky zitiert? "Mich kann man nicht beklauen, mich kann man nur benutzen."
Just do it!

<< Piepers Schreibe Top of Page | Print