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Rippchens Gebrabbel

Unter diesem Titel veröffentlichte Werner Pieper einige Monate (ca. 1998) eine Kolumne in der Zeitschrift HANF! – bis selbige aus Rücksicht auf UrinClearer-AnzeigenKunden dem Schreiber beim Urin-Test-Mittel-Test in den Rücken fiel...

Schon 1985/6 schrieb er als Ronald Rippchen 64 Wochen lang eine diensttägliche Drogenkolumne: ‚KPD – Kräuter, Pillen, Drogen‘ in der TAZ, unter dem damaligen Kultur-Chefredakteur Mathias Bröckers.

Im Anschluß an die Gebrabbel-Lieferungen noch einige Beiträge und Buchbesprechungen aus selbiger Verbindung:


7. Lieferung

Movement of the Hippies?

Summertime & the living is easy. Festivals überall. Für Juli wurde auch ein Open Air auf der Burg Herzberg angekündigt.
1970/1 fanden zwei Herzberg-Festivals, korrekt: "Festival der progressiven deutschen Popgruppen 'Electric Rock' "statt. Veranstaltet von der damals angesagten Beat-Pop-Band The Petards, spielte sich das Festival innerhalb, nicht wie heute außerhalb, der Burgmauern ab. Die Petards waren eine grandiose Pop-Band der pre-psychedelischen Zeit, mit vielen hardcore Fans und einigen eigenen Hits. Die Festivals wurden zu epochalen Veranstaltungen, trafen hier doch deutscher Mainstream Pop und Underground erstmals aufeinander. Die Petards besaßen damals schon dicke Marshall-Türme & zeigten eine satte Lightshow, hatten ihr Zenith aber wohl schon überschritten. Mit dabei: die legendären Xhol, Embryo, Guru Guru, Amon Düül, Akfal Electric, Can etc.. Ha, 'KrautRock' war damals noch ein Schimpfwort!
Für mich waren es Treffen zweier Welten: drei Jahre zuvor hatte ich in jener Gegend eine Lehre hinter mich gebracht, im nahe liegenden Alsfeld eine Aktion Jugendzentrum initiiert & war dort bekannt wie ein bunter Hund. Das einzige, was Ende der 60er in jener Region passierte, waren die Petards-Konzerte. Diesmal hatte ich jedoch meine neuen Hippiefreunde dabei, schließlich war ich ein gutes halbes Jahr vorher Dealer geworden. A clash of two worlds. "Hanfdampf wehte leicht durch die Zinnen, in den Winkelns der Wehrgänge gab's 'Stoff' in Minimengen...", berichtete Reginald Rudorf. Schuldig, Euer Ehren!
Das erste Festival begann mit Regen und wurde in die klapprige Alsfelder Stadthalle verlegt. Nachts pißte es in Strömen. Wo pennen? Kein Auto, kein Zelt. Was tun? "Hey, ich kenne da diese Friedhofskapelle in Alsfeld auf dem Hügel, außerhalb der Stadt, die ist immer offen." In der Tat hatte ich dort schon wiederholt übernachtet. Also: nix wie hin. Wir waren über ein Dutzend Jungs & Mädels, zündeten die edlen dicken Kerzen an, saßen im Kreis & kifften uns stilvoll die Hucke voll. Wir beschädigten nichts in der Kirche und hielten unsere blasphemischen Anfälle in Grenzen. Zum Schlafen verteilten wir uns; meine Freundin Uta & ich oben auf der Empore. Das Wort zur Nacht war: "Wer morgens als erster aufwacht, steckt allen anderen einen Trip in den Mund". Geplant, getan!
Was für ein quirliger Morgen! Sonnenschein strahlte durch bunte Kirchenfenster auf uns betrippte Meute. Der erste richtige Frühlingstag des Jahres. Das Kifffrühstück fand dann draußen auf dem Friedhof statt. Plötzlich jedoch wurde alles anders. Hinter der Kapelle quoll es grün hervor. Bis heute weiß ich nicht, ob es zwei Polizisten waren oder eine ganze Hundertschaft. An was ich mich erinnere ist der Sprung die Friedhofsmauer runter und der Spurt der Hascher aus dem Einzugsbereich der potentiellen Hascher-Häscher. Neben mir lief so ein kleiner Dealer aus Frankfurt, paranoid bis zur Hutschnur rief er beim Rennen: "Wirf dein Dope weg!" Ich dachte nichtmals im Traum daran. Zum einen war es mein ganzes Kapital, zum andern wirft man Dope nicht vor der Polizei weg, schließlich fühlt man sich ja unschuldig.
Wir rannten so sternenförmig fort, daß es einen ganzen Tag dauerte, bis wir uns alle im wundervollen Innenhof der Burg Herzberg beim Festival wiedertrafen. High life! Nur einer war, voll stoned & betrippt, von der Polizei erwischt und temporär festgehalten worden, der Stuttgarter Pit. Er wurde gefragt: "Wissen Sie eigentlich, was Sie hier tun?" Diese Frage hat ihn noch Jahre beschäftigt...
Und jetzt kommen da so ein paar Seppl und nennen sich (1997!) 'Movement of the Hippies" , veranstalten ein Festival weit vor den Toren der Burg und sahnen ab. Mit der absoluten Hippie-Band The Temptations als headliner. Hahaha, hammwa gelacht. Damals. (In den USA tourt zur selben Zeit eine andere Gruppe mit selbem Namen...)
Waren Hippie-Festivals nicht immer Free-Festivals. Umsonst & draußen und so? Ging es auf den legendären Herzberg Festivals nicht vorrangig darum, daß sich die deutschen Bands unterschiedlicher Scenes untereinander besser kennenlernen? Wäre es nicht wundervoll gewesen, traditionelle Psychedelik Bands mit der neuen Techno/Ambient Szene zusammenzuführen? Old krauts meet new sounds. Ganz im Geiste des HerzBerges? Nix da: Vom Herz-Berg zum Geld-Berg. What a temptation.
(Eine 6-CD-Box, mit allen Aufnahmen der Petards & einem Buch dazu von Werner Pieper, ist bei Bear Family Records erschienen – den Text des Buches findet man auch auf dieser Homepage).

Magic Mushrooms aus Wales = lukrative Exportware?

Auf Grund der Politikverdrossenheit freut es einen doch immer wieder, wenn sich ein Abgeordneter eigenständige, konstruktive Gedanken macht, vor allem wenn das Jugendliche und deren Zukunftsperspektiven tangiert. Ich rede hier von Paul Flynn, einem Unterhausabgeordnetem aus Wales. Seine Forderung: Man solle Jugendlichen Kredite geben, damit sie die 'Trüffel von Wales', halluzinogene Pilze aus Wales exportieren. Immerhin sei mit einem Kilo davon in Amsterdam auf der Straße schon 2000 Pfund Sterling zu machen. Wie in Deutschland sind Pilze in England erst illegal, wenn sie offensichtlich zum Rauschgenuß präpariert wurden. Einfach pflücken & schlucken ist nicht illegal. Und die Pilze aus Wales sind schon seit Jahrzehnten legendär potent.
Im walisischen Rundfunk äußerte sich Flynn dazu erklärend: "Es ist absolut legal, sie frisch aus Wales zu versenden. Die Pilze sind nicht giftig, sie sind nicht suchtbildend. Warum zum Teufel sollen wir die Situation nicht ausnutzen und junge Leute unterstützen, die sich mit dem Pilzhandel selbstständig machen wollen."
Sein konservativer Gegenkandidat Nigel Evans heulte auf, als sei er ein Bruder von Eddy Lintner. Doch Mr. Flynn konterte: "Drogen sind gefährlich und man sollte vom Konsum derselben abraten. Magic Mushrooms gehören nun zu den harmlosesten Drogen. Obschon jedes Jahr 100. Tausende davon kosten, hat es noch nie einen Todesfall gegeben. Dagegen sterben 100.000 durch Tabakgenuß." Und jeder weiß, daß sein Konservativer Kollege Evans Zigaretten verkauft...
Flynn steht allerdings, auch innerhalb der Labour Party, bislang mit dieser Einstellung allein. Strahlemann Blair sieht nicht so aus, als wolle er den Engländern mehr Spaß gönnen. Aber vielleicht separiert sich Wales ja politisch, und darf dann eigene Handelsgesetze verabschieden. Das wäre ja nun absolut magisch.

Chemische Kriegsführung & die staatliche Erfindung des Horrortrips

Vor 25 Jahren diskutierte Blairs Vorgänger Macmillan mit den britischen Militärs über die Möglichkeiten, die Russen aufzuhalten und den Chinesen (mal wieder) eins auszuwischen. 300. Tsd. Pfund wurden in Versuche von chemischen TodesWaffen, das zehnfache davon jedoch für Versuche mit 'den Gegner immobilisierende' Substanzen, wie z.B. LSD, gesteckt.
Berichtet die FAZ (7.3.97) :"In den sechziger Jahren schien LSD den Militärplanern eine blendende Idee zu sein: Hunderttausende feindlicher Truppen im Delirium – alle heil an Haut und Haaren (Vom Hirn war nicht die Rede, Anm.d.Zitateurs.). Man wähnte die gutartige Kriegsführung in greifbare Nähe gerückt. Es schien die Erfüllung des englischen Sprichwortes vom Kuchen zu sein, den man essen und doch behalten kann." Erst als ein paar Jahre später die Sozis unter Harold Wilson an die Macht kamen, wurden solcherlei bizarre Ideen gestopt. Vielleicht hatte Wilson auch Unterlagen von seinen amerikanischen Kollegen erhalten. Der CIA experimentierte jahrelang mit LSD, verabreichte es hunderten von Menschen ohne deren Wissen. Einige davon, haben den folgenden, von den Autoritäten einkalkulierten Horrortrip nicht überlebt. Da Horrortrips bei korrekter Nutzung (set & setting) dieser psychoaktiven Substanzen nur selten vorkommen, läßt sich sagen, daß der CIA Horrortrips planmäßig erfunden hat.

Trotzdem sommerlich sonnige & wonnige Grüße von
deinem Ronald Beatchen


Rippchens Gebrabbel
6. Lieferung

AusgeHowlt! Abschied von Allen Ginsberg

In den fünfziger Jahren hatte der wortgewaltige Poet Allen Ginsberg mit seinem Gedicht 'Howl' (Das Geheul), offensichtlich als erster Mensch der amerikanischen Gesellschaft einen Spiegel vor ihre inhumane, kapitalistische Fratze gehalten. Später aktivierte der UrBeatnik (...die vor den Hippies & Gammlern tanzten) und Psychonaut sein Hirn und Sein mit, in teilweise literarisch verarbeiteten, Drogenexperimenten. LSD und Marijuana waren ihm gute Freunde.
Nach einem abenteuerreichem Leben, waren die letzten Monate seines Lebens sogar wohlhabend: Eine Universität hatte ihm sein Archiv abgekauft.
Ende 96 antwortete er auf die Frage nach seinen Hoffnungen für eine Drogenpolitik der Zukunft: "Entkriminalisierung von Marijuana. Das Budget für Drogenkommissionen, Polizei und Sozialarbeiter liegt bei 14 Milliarden Dollar im Jahr. Die sollten für Rehabilitationsmaßnahmen, Krankenhäuser und Therapien eingesetzt werden. Statt dessen haben wir immer größere Gefängnisse. Junkies werden in den USA behandelt wie die Juden in Nazi-Deutschland, gejagt von Polizeihunden und in Gefängnisse geworfen. Manchmal sterben sie am Entzug. Psychedelika sollten Medikamente werden. Aber vor allem sollte sich die Regierung (der USA) aus dem Kokaingeschäft zurückziehen."
Seine Stimme ist, mit Hilfe diverser CDs auch künftig zu hören. Bei Rhino/Edsel erschien gerade eine 3-CD-Collection Holy Soul Jelly Roll, die einen quasi 'Best of' Überblick über sein verbales Schaffen gibt. Neu eine weitere CD, auf der auch Paul McCartney mitgewirkt hat. "Ginsberg ist weniger der Lautmusikant als der stoische Illustrator von gesellschaftlichen Nervenbahnen, die er auf seine mal psychedelische, mal hymnische Art zu ent- und verknoten versucht." urteilt das Magazin JazzThetik.
Vor Jahren war es mir vergönnt, ihm als Native Scout in Heidelberg zu dienen. Natürlich scheuchte ich ihn, wie Jahre später die AG Hanf zu einem Smoke-in, auf den Philosophenweg, genauer: zum Hölderlin Denkmal. Ein paar gemeinsame Reefer später, nach Hölderlin befragt, mußte ich jedoch passen. Ich, als Banause ohne Bildung wußte nicht eine Zeile Hölderlin zu zitieren. Allen kamen ein paar deutschsprachige Hölderlin-Zitate ebenso leicht über die Lippen wie Jahre später an selber Stelle auch Tim Leary. Als ich den traumhaften Postkartenblick auf Heidelberg durch einen Hinweis auf die am Horizont in der Rheinebene dampfenden Chemiekessel der BASF etc. relativierte, rief Allen aus: "Oh, I see, this is all an illusion. But it's beautiful."
So were you.

Gehört dein Urin deinen Eltern?

Wer nicht direkt selber davon betroffen wurde, weigert sich bei uns meistens, die Realität der Drogentests, seien sie im Verkehr erfolgt oder beim Arbeitsgeber, anzuerkennen. Weder haben die Gewerkschaften diese Betriebsschnüffeleien bislang zu einem großen Thema gemacht, noch regt sich was in der Presse, um die fragwürdige Führerscheinentzugspraxis (vor 3 Wochen 1 x gekifft, Nachweise im Blut, also Führerschein weg) zu attackieren. Auch die Resonanz zu meinem Buch zum Thema: Mein Urin gehört mir, (Edition Rauschkunde) blieb bislang angesichts der Brisanz der Fakten überraschend schwach. Das mag sich demnächst ändern, wenn die Überwachungsschraube vom Großen Bruder enger angezogen wird. Zur Zeit gibt die US-Regierung rund $ 30 Milliarden pro Jahr im Drogenkrieg aus. Mit welch anderem Feindbild ist heute noch so viel SteuerGeld abzuzocken?
Bill Clinton, ein kleiner Bruder des großen Bruders, hat da wieder mal einen vorgelegt. Er fordert, daß alle Jugendliche, die einen Führerschein machen wollen, mit ihrer Prüfung auch einen UrinTest absolvieren müssen. Urintests sind allemal in vier von fünf größeren US-Firmen und Regierungsbehörden die Regel für Angestellte und Arbeiter Pflicht. Ob Clinton selber schonmal getestet wurde, weiß ich nicht, aber in seinem Umfeld gibt es eine erkleckliche Anzahl von Mitarbeitern, die nachweislich aktive Drogenerfahrungen gemacht haben. Um so erstaunlicher, daß Bill sich an der Drogenfront härter profiliert, als seine Vorgänger Reagan & Bush zusammen.
Nach langjährigem Widerstand hat nun im Februar 97 sogar die zuständige Behörde FDA (Food and Drug Administration) ein neues TestSet für den allgemeinen Verkauf zugelassen. Bislang hieß es, Urin-Testanlagen seien medizinische Geräte, die nur von Medizinern zu bedienen seien. Diese Zeiten sind Dank Dr. Browns Home Drug Testing System vorbei. Für schlappe $35 können mißtrauische Eltern nun so eine Testvorrichtung erstehen und Klarheit ins Verhältnis zu ihren Kindern schaffen: "Liebling, laß doch mal die Hose vor meinen Augen runter und piß für mich in dieses Gefäß." Heißa, wird das Vertrauen schaffen und die Eltern/Kinder-Bindung fördern.
Als nächstes ist dann der private Haar-Tester dran. Noch sind sie zu teuer und zu unsicher. Aber bald wird es nur noch Kurzhaarige geben, die ihre Fingernägel knappstmöglich abkauen.
Vielleicht gibt es aber auch Eltern, die sich das TestGeld sparen und statt dessen mit ihren Kindern dafür Essen gehen und die ganze Sache bereden. Es gibt sogar Eltern, die noch eins weiter gehen und ihren Kindern anbieten: also wenn du schon Drogen nehmen willst, so mach das doch das erste Mal mit uns. Zu dem Thema 'Eltern, Kinder & Drogenerfahrungen' bastel ich gerade an einem Buchprojekt. Ich freue mich dafür über jeglichen Erfahrungs- und Erlebnisbericht.

MAPS: Multidisciplinary Association for Psychedelic Studies

MAPs ist eine von ihren Mitgliedern getragene, regierungsunabhängige Organisation. Ihr Ziel: psychedelische Forschung (am Menschen, keine Tierversuche!) weltweit zu beobachten, zu unterstützen und darüber zu berichten. Aktuelle Themen sind z.B. Ketamin Forschung in Rußland, Wasserpfeifentests für AIDS-Kranke, MDMA-Behandlung bei Krebskranken, Marijuana als Medizin, LSD & Psychotherapie-Forschung (für die sogar 300 Ampullen LSD hergestellt wurden) etc.
Nachlesen kann man über diese Aktivitäten und deren Ergebnisse 4 x jährlich im MAPs Bulletin. Außerdem finden sich in diesem Magazin Berichte von vielen psychedelischen Konferenzen weltweit, wie z.B. der ECBS-Tagung (& dem High Moon Fest & der Kein Knast für Drogen Konferrenz) im Februar 1997 in Heidelberg, zu der sowohl MAPs Chef Rick Doblin, wie auch seine nette Assistentin Sylvia Thyssen anreisten.
Der Frühjahrsausgabe dieser seriösen und trotzdem gut lesbaren Zeitschrift lagen Werbezettel für mehrere Veranstaltungen und das Buch "Psycholytic and Psychedelic Research 1931 – 1995: A Complete international Bibliography" mit einem Vorwort vom letzthin verstorbenen Großvater der psycholytischen Forschung, Hanscarl Leuner, bei. Mehr dazu demnächst.
Für die Sommerausgabe 97 sind u.a. ein Interview mit Albert Hofmann und eine ausführliche Besprechung nicht-amerikanischer Psychedelik-Fachbücher von Jonathan Ott angekündigt.
Der Mindestbeitrag beträgt jährlich $50 (Studenten $35). Höhere Beträge und Spenden werden Forschungsprojekten übertragen.
Kontakt: Rick Doblin, MAPs, 1801 Tippah Ave., Charlotte, NC 28205, USA.


Rippchens Gebrabbel
4. Lieferung

Die neuen Drogentestverfahren

Mein letzthin an dieser Stelle abgedruckter kritischer UrinReinigerTest wurde in der letzten Ausgabe von Hanf! relativiert, ohne dies mit Fakten zu untermauern. Nach wie vor bin ich überzeugt, daß diese Test nur in bestimmten Fällen (Wochenend-Kiffer) wirken, aber bei starken Dauerkonsumenten nicht. In der Werbung wird sowas aber nicht relativiert. So bitte ich darum, all diese (allemal stark überpreisten) Mittelchen mal richtig zu testen. Was ist drin? Wie wirkt es? Wann wirkt es? Oder ist's Lug & Trug? Ich will es gerne genau wissen.
Die Firma Boehringer hat gerade neue Test entwickelt und bietet diese in informativen Drucksachen an: In der (grafisch vorbildlichen) Broschüre 'Drogenmissbrauch und die Bedeutung neuer Testverfahren' lernt man z.B., daß 'LSD in wenig Wasser aufgelöst getrunken' wird, daß auch Alkohol-Blastests verfälscht werden,. wenn der Bläser vorher kurzfristig hyperventiliert, daß immer mehr Drogentests am Arbeitsplatz vorgenommen werden und Haschisch-Haartests, im Gegensatz zu Urin- und Blut-Tests, noch nicht weit genug ausgereift sind, als daß sie 'für den praktischen Einsatz in Frage kommen.'
Die andere Publikation nennt sich Diagnostica Dialog und die Ausgabe 3/96 beschäftigt sich mit den neuen Labortests. Da wird ein neuer LSD-Urin-Test beschrieben, man kritisiert die Korrektheit mancher Cannabis-Tests, da diese auch 'positiv' anzeigen, selbst wenn der Konsument seit Wochen drogenfrei ist (Jaja, da setzt sich so manches im Fettgewebe ab, daß sich erst nach langer Zeit löst & den Urin anreichert). Schließlich eine Warnung an jene, die ihre Urinabgabe verdünnen wollen: durch Messungen des Kreatinins, die regelmäßig 'am BM-Hitachi 911 durchgeführt werden', kommt man auch Verdünnisierern auf die Spur. Beide Broschüren kann man direkt bei der Firma Boehringer anfordern (Sandhofer Str. 116, 68305 Mannheim).

Rauschgiftsucht zurückgegangen?

Die Wümme Zeitung berichtet, daß die Rauschgiftsucht in Niedersachsen im vergangenen Jahr erheblich abgenommen hat: statt im Vorjahr 367 Vorfälle gab es im vergangenen nur noch 283 Meldungen. Unter den polizeilich bekannten 120 Süchtigen des Landes sind 35 Ärzte, 5 Medizinstudenten, 1 Apotheker und 12 andere Personen aus Heilberufen. Gegen 65 Ärzte wurde ermittelt, 21 Personen wurden festgenommen. All dies geschah im Jahr 1951.
Noch 1968, als ich meinen Ersatzdienst leistete, munkelte man immer wieder über süchtige Ärzte. Die scheint es heute nicht mehr zu geben, denn Fixer vegetieren doch nur noch auf Bahnhofstoiletten etc, wenn man der Presse glauben will.

Tauben nicht high genug

Im Südwesten Kolumbiens wurde eine neue Schmuggelvariante aufgedeckt: Die nationale Gefängnisverwaltung teilte mit, daß eine Taube mehrfach gegen die Mauer des Gefängnisses in Buga krachte. Sie war mit mehreren Päckchen Marijuana bestückt, sodaß sie die Mauer nicht mehr überwinden konnte. Offenbar gab es ein paar Brieftaubenfreunde im Knast. Und wenn sie nichts anders zu kiffen bekommen haben, warten sie heute noch auf ihr Täubchen...

Kapitalismus & Psychedelik

Je mehr Öffentlichkeit die Hanf- und Psychedelik Themen erreichen, um so größer wird der Anteil der Geier im Hanfgeschäft, oder Cannabusiness. Das nennt sich Kapitalismus und damit müssen wir leben. Heißt aber nicht, daß wir uns wie Opferlämmer an die Kasse stellen müssen. Der kritische Konsument sollte sich doch wehren können. Oder ist dieser Konsument schon zu bekifft um noch kritisch zu sein? Wenn ihr mangelhafte Hanfprodukte kauft, auf Anzeigenblender hereinfallt etc: laßt es die Hanfpresse und/oder mich wissen. Bei aller Abhängigkeit vom Anzeigenkunden will auch Hanf! nicht für Scheiß werben und dafür kassieren.
Gerade psychoaktive Substanzen sind eine sehr sensible Angelegenheit, da sollte man sicher sein dürfen, daß das, was man bestellt, auch das ist, was man erhält. Immerhin kann dich ein Irrtum oder eine Schlamperei ein paar Tausend Hirnzellen kosten – tragisch, wenn wichtige dabei sind. Reißt den Neppern,. Schleppern & Bauernfängern ihre kapitalistische Maske von der Fratze. Ich stehe zu Diensten.

On Unjust Sentencing

Eine Nachricht von John Beresford, der vor einem Jahr den Anti-Knast-Kongress in Heidelberg mit initiierte. "Ich denke oft an die Konferenz, die wir in Heidelberg auf die Beine gestellt haben. Sie hat Auswirkungen gehabt. Mehr Menschen reden über den Fakt, das andere wegen Drogen im Gefängnis sitzen, es ist ein Thema geworden. Vor dem Event in Heidelberg war es nur sehr wenigen Amerikanern bewußt, daß sehr viele Mitbürger wg. Drogen im Knast sitzen und es war ein TabuThema. Man redete nicht darüber. ´Noch immer redet man nicht gerne über diese monströsen Haftstrafen, die hier verhängt werden. Amerikaner denken nun mal, im Besten aller Länder zu leben und irgendwie bekommen sie es nicht auf die Reihe, zu akzeptierten, daß ihr rechtliches System rückständig, korrupt und unsagbar grausam ist. Heidelberg öffnete die Tür und gab mehr Menschen die Chance, den Drogenkrieg als das zu erkennen, was er ist. Die Konferenz hat mein Leben verändert. Vorher betreute und besuchte ich viele individuelle Menschen im Knast, wie Madame X. Seit Heidelberg denke ich an all die Drogen-Knackis als Klasse – immerhin sind es z.Zt. eine halbe Millionen. Allein wg. Marijuana kommt es jährlich zu 500.000 Verhaftungen. Selbst bei einem Freispruch bleibt eine tief greifende Erfahrung der Arrestierung zurück. Ein Prozent der Bevölkerung sitzt wg. einem Drogenvergehen. Da werden Leben ruiniert, Familien zerstört – und wofür? Heidelberg hat geholfen, die Story zu fokussieren. Ich danke W.P. dafür, daß er die Konferenz durchgezogen hat – ein wahres Wunder, das er vollbracht hat.
Das Committee on Unjust Sentencing wurde durch eine große Geldspende unterstützt. So werde ich demnächst eine Art WohltätigkeitsVerein daraus machen und diesen nach meinem Großvater das F.B.Meyer Institute nennen. Eigentlich sollte es The Drug War Studies Institute heißen, aber dann hätten wir keine Möglichkeit, anerkannt zu werden. Ich wurde nun auch ins Präsidium eines Political Action Committees gewählt, daß bei den 1998 Wahlen in Kalifornien die völlige Freigabe von Marijuana fordern wird. Die Abstimmung (Proposition 215) vor ein paar Monaten wg. medizinischem Hanfgenuß lief leider nicht so ganz korrekt ab. Es ist von Geldunterschlagungen und anderen Unregelmäßigkeiten die Rede. Ich glaube, die Organisatoren waren reine Kiffer. (Sponsor Soros auch? fragt sich R.R.) Jetzt wird es eine psychedelische Meute versuchen. Das letzte Mal verpaßten die Organisatoren Termine, so daß sie letztendlich pro gesammelter Unterschrift $1.40 zahlen mußten. Wir fangen früh genug an, so wird uns eine Unterschrift nur 40 Cents kosten. Das ist wohl typisch amerikanisch: man zahlt eine Company, damit sie ausreichend demokratisch korrekte Unterschriften sammelt. Mit einer Garantie, innerhalb des vorgegebenen Zeitraumes 750000 zusammen zu bekommen.
Regards to everyone in Germany. It's a wonderful country. I love it. A special Hello to Daggi!! Hope to see you soon – John Beresford"
Dem schließe ich mich heiter & breiter an
Ronald Rippchen


Rippchens Gebrabbel
5. Lieferung

Eine psychedelische Quellenliste

Aus vielen Bereichen der Psychedelik sammelt Jon Hanna Bezugsanschriften für psychoaktive Materialien und Informationen. Diese veröffentlicht er mehrfach jährlich, angemessen kommentiert, in The Psychedelic Resource List. Anschriften von Händlern, Herstellern, Informationsquellen & Verlegern. Und, was besonders erwähnenswert ist: Alle Connections wurden auf Zuverlässigkeit getestet. Konsumentenbeschwerden wird nachgegangen und die Aufklärung im jeweils nächsten Heft abgedruckt.
Nun wurde aus den ersten fünf Ausgaben ein Sammelband zusammengestellt. Auf 120 großformatigen Seiten findet man in 16 Kapiteln viele kommentierte Connections. Die meisten aus den USA, aber immer mehr Europäer und vor allem Deutsche machen sich da breit.
"Was für eine Freude, alle wichtigen Namen und Anschriften für alle und alles was mit psychedelischen Drogen zu tun hat, in einer handlichen Verpackung zu finden." Sasha Shulgin. Alle Otts (Highly recommended"), DeKornes ("essential!"), Schuldes ("Simply a must"), McKennas ("Wonderful source of information") etc loben dieses Werk.
Für 40 DM (inkl. Porto & Verp.) ist dieses Nachschlagewerk durch die MedienXperimente (69488 Löhrbach) erhältlich.

KrautRock Komplett

Warum heißt KrautRock KrautRock? Nicht etwa, weil die Musiker viel Kraut rauchten, sondern weil jemand deutsche Kultur auswärts bekannt machen wollte. Und da die ganze Welt wußte, daß die Deutschen den 2. Weltkrieg verloren haben, weil sie zu viel Sauerkraut aßen ... oder so. Fakt ist, daß seit dem Erscheinen von Julian Copes KrautRockSampler (siehe Rezension in Hanf! 4/97) von London bis Tokio ein wahres weltweites Krautrockfieber ausgebrochen ist – nur in Deutschland noch nicht so recht. Warum auch? War das nicht die Soundtrackmusik der Trips der 70er? Muß man das, in Zeiten des Techno, wieder neu aufkochen? Für mich war diese Musik live meistens eine Offenbarung, auf Tonträger eher eine Folter. Aber nix gegen Perversitäten, solang dabei niemand zu Schaden kommt. Und, jawoll, immerhin liegen in diesen Klängen die Wurzeln der Technobewegung.
Kein Wunder also, daß sich die Sammler und Fachleute breit machen. Alle alten Platten sind auf CD erhältlich und für Leute, die alles genau wissen wollen oder auch für die, die es mal wußten, sich aber an nix erinnern können, gibt es jetzt zwei wundervolle Bücher.
Cosmic Dreams At Play, A guide to German progressiv and electronic rock. Von einem dänischen Fan zusammengetragenes, gut kommentiertes Lexikon von 500 Gruppen. "The musicians were often university students. The best educated and most creative and courageous people of their generation. They lived in communes and dreamed of a better world under the influence of assorted drugs. Today the majority of them are probably farting along the 9-5 routine commanding their subordinate employers from a mobile telephone in their BMW or Mercedes. Sad but true!"
The Crack In The Cosmic Egg nennt sich im Unterrtitel 'Encyclopaedia of Krautrock, Kosmische Musik etc.' Die Autoren betreiben unter dem Namen Ultima Thule hauptsächlich einen Plattenvertrieb für ebendiese Musik (z.Zt. 400 CDs!) und müssen gnadenlose Fans sein. Sie beschreiben 1.120 Gruppen von Abacus bis Zyma (deren Pianist jahrelang mein Steuerberater war, echt). Manchmal scheint die Euphorie die Fakten etwas zu erdrücken (Ist Werner Pieper wirklich ein Musikjournalist aus Stuttgart? Er dementiert heftigst. Dortmund hätte er sich ja noch gefallen lassen, aber ausgerechnet Stgt.?), aber beide Bücher sind für Fans ein Muß, für Interessenten unserer kulturellen Wurzeln bzw. erster Triebe sehr anregend. Beim Crack in the Egg Buch hat man mehr zu lesen, in beiden lernt man viel über die deutsche Kifferkultur der 60er und 70er Jahre.
Ein Musiker, der eigentlich keiner ist, aber in all diesen Büchern auftaucht, ist Walter Wegmüller. Von ihm gab es eine Tarot-LP, samt den von ihm gemalten Karten. Walter, immerhin seit vielen Jahren einer kartenlesenden Sintifamilie entstammend, hat in den frühen 70ern auch Hippie Blätter wie das Schweizer Frii Blättli mitgestaltet. Ganz wundervoll. Ich erinnere mich vor allem an seine damalige geistbewegende Siebenkräutermischung. Nun, gerade ist ein großes Buch mit einem Querschnitt seines malerischen Schaffens erschienen. Das kann man durchaus als 'psychedelisch' bezeichnen, ohne schamrot zu werden. Oder, aus tiefstem Herzen: 'Wunderschön!' ausrufen.
Noch ein abschließender Buchtip für Musikfreunde: Uwe Husslein hat seine umfangreiche (260 Seiten Großformat) Bibliografie deutschsprachiger Rock- und Popbücher nach dem alten Bo Diddely Hit "You Can't Judge A Book By Looking At It's Cover" genannt. Immerhin sind rund 2000 Titel zusammengekommen, die jeweils kurz kommentiert werden. Sehr hilfreich, wenn auch achtzigmärkig!

Cosmic Dream, von Dag Erik Asbjornsen, 21.50 Pfund, c/o Borderline Productions, P.O.Box 3819, Glasgow, G43 1UT, Schottland
Cosmic Egg, von The Freemans, 20 Pfund, c/o Audion Publications, Ultima Thule, 1 Conduit Street, Leicester, LE2 0JN, England
Walter Wegmüller, Werkbuch bis 1996, 160 A 4 Seiten, in Farbe. $FR 70, inkl. Porto c/o Basil Rogger, Ringstr. 2, CH-4600 Olten
RockBuchBibliografie, Uwe Husslein, Sonnentanz Verlag, ISBN 3-926794-27-5

Neues von der SchmuggelFront

Das Drogenschmuggel ein einträgliches Geschäft ist, hat sich herumgesprochen. Das schmuggeln zwischen Europa und dem Königreich England jedoch inzwischen zum Volkssport geworden ist, verblüfft. Ich habe vor vielen Jahren einmal eine Nacht im Knast in Dover gesessen, weil ich, nach Aussagen der Zöllner zu wenig Geld dabei hätte. Als sie am Morgen meine Londoner Freunde erreicht hatten und ich daraufhin unbehelligt weiter trampen durfte, war ich um rund 100 gr besten Haschischs reicher. Ein Mitinhaftierter war mit ein paar Gramm erwischt worden und befürchtete, daß sie auch den Rest bei ihm entdecken würden, überließ es mir einfach so. Aber ich schweife ab, denn bei dieser Geschichte geht es nicht um Dope, sondern um Tabak.
Seit England zumindest theoretisch zu Europa gehört, fallen genauso theoretisch Zollkontrollen weg. Tabak zum Selberdrehen kostet in England fast das Vierfache vom Preis in Belgien. Darunter leiden viele Bewohner des belgischen Dorfes Adinkerke – bis auf die zahlreichen Tabakhändler. Bislang gab es dort nur eine Sehenswürdigkeit: ein Schmuggler-Denkmal aus dem 2. Weltkrieg. Damals wurden vor allem Kühe über die französische Grenze geschmuggelt. Man beschmierte ihre Schnauzen mit Honig, damit sie vor lauter ablecken nicht zum verräterischen Muhen kamen.
Zur Zeit wird in dem Dorf täglich für gut 1,5 Millionen DM Tabak verkauft. Dem englischen Staatssäckel gehen so 1,25 Milliarden DM an Steuern verloren. Legal ist der Besitz von 1 kg Tabak, wenn man das Land wechselt, aber viele Privatleute haben gut 70 kg dabei. Von den Profis ganz zu schweigen. Die haben einen regelrechten Pendelverkehr zwischen Adinkerke und Callais eingerichtet. So laden den Wagen voll Tabak, am Hafen warten schon Kuriere, die die Ware übernehmen. Dann schnappen sie sich ein Sixpack Bier und düsen zum Tabakhändler zurück. Die Auswirkungen des Bieres sind es, die die Dörfler trotz der riesigen Umsätzen (und Steuereinnahmen) so engländerfeindlich machen. Es gibt keine öffentlichen Toiletten und so pissen die Engländer regelmäßig irgendwo ins Dorf, um ihren grenzüberschreitenden Blasendruck zu entlasten. Eine Anwohnerin über die Tabakdealer: "Sie sind Nachts so laut, daß wir nicht schlafen können. Überall werfen sie ihren Abfall hin und dauernd beleidigen sie uns. Das schlimmste ist jedoch ihre Pisse. Sie bepissen unsere Haustüren, unsere Hauswände, Vorgärten, in unsere Briefkästen. Jeden morgen sind aus unseren Straßen Urinbäche geworden..". Das kommt davon, wenn, auf Grund eines alten Gesetzes, alle Tabakläden im Ort 24 Stunden geöffnet sein dürfen. Das reicht für drei Pendelfahrten pro Nacht, wenn die Straßen ansonsten leer sind.
Die Engländer bemühen sich, der Lage an ihrer Grenze Herr zu werden. 1996 beschlagnahmten sie 30 t Tabak. Inzwischen werden 90 Zöllner an der Tabakfront am Ärmelkanal eingesetzt, verstärkt durch zwei Tabakschnüffel-Hunde. Die Belgier könnten mit ihren Steuereinnahmen den Engländern eigentlich ein paar öffentliche Komforttoiletten stiften, oder. Könnt en ja als Briefkästen getarnt sein.
Breiter weiter
Ronald Rippkerke


Rippchens Gebrabbel
3. Lieferung

Will ich auf den Hund kommen?

Richtiger: ich will den Hunden auf die Spur kommen. Die nerven mich an vielen Flughäfen und sonstwo. Ich meine, es ist doch eigentlich Tierquälerei, all diese Hunde stundenlang fremde Menschen abschnüffeln zu lassen. Stell dir vor, du hast so ein empfindliches Riechorgan wie ein Hund und mußt all die Schweißfüße & Duftwässerchen aushalten. Hart. Oft allerdings noch härter für die Beschnüffelten.
Am Frankfurter Flughafen schnüffeln 17 Hunde, die zusammen im Schnitt zweimal täglich in Fracht- und Gepäckstücken fündig werden. In Rheinland Pfalz allein 'arbeiten' 120 Polizeihunde, die zweimal jährlich einem harten Test unterworfen werden. Die Trainer deponieren in hohlen Plastikknochen Rauschmittel, sodaß die Hunde den Geruch von Drogen freudvoll mit ihrem Spielzeug in Verbindung bringen.
"Der Hund muß bei einer Bedrohung Standfestigkeit und Aggressivität beweisen. Wir überprüfen die Hunde auf ihren Wehrtrieb und kontrollieren, ob sie keinen psychischen Schaden haben. Nach acht bis neun Jahren läßt der Reflex nach und die Tiere werden ausgemustert.", klärt uns ein Polizeihundexperte auf. Der ist mir leider nicht persönlich bekannt, denn dann hätte ich ein paar Fragen an ihn. So frage ich dich, lieber Leser, kannst du mir vielleicht weiterhelfen? Ich wüßte gerne, welche Hunderasse, welche Schnüffelaufgaben übernimmt? Wie lang ist so eine Hundenase fit für den Einsatz, ab wann muß sie wie lange Pause machen. Was kann man dagegen unternehmen? Gibt es Stoffe, die z.B. den Hanfgeruch überdecken? Hat es Sinn, sich die Hosenbeine mit Pfeffer einzustäuben? (Bei Hausdurchsuchungen hilft es allemal gegen Hunde, etwas Pfeffer auf alle Türschwellen zu streuen.) Hat jemand ein 'Anleitungsbuch für den Polizeihund' oder ähnliches, in dem ich mal schnüffeln. Am Frankfurter Flughafen schnüffeln 17 Hunde, die zusammen im Schnitt zweimal täglich in Fracht- und Gepäckstücken fündig werden. In Rheinland Pfalz allein 'arbeiten' 120 Polizeihunde, die zweimal jährlich einem harten Test unterworfen werden. Die Trainer deponieren in hohlen Plastikknochen Rauschmittel, sodaß die Hunde den Geruch von Drogen freudvoll mit ihrem Spielzeug in Verbindung bringen.
"Der Hund muß bei einer Bedrohung Standfestigkeit und Aggressivität beweisen. Wir überprüfen die Hunde auf ihren Wehrtrieb und kontrollieren, ob sie keinen psychischen Schaden haben. Nach acht bis neun Jahren läßt der Reflex nach und die Tiere werden ausgemustert.", klärt uns ein Polizeihundexperte auf. Der ist mir leider nicht persönlich bekannt, denn dann hätte ich ein paar Fragen an ihn. So frage ich dich, lieber Leser, kannst du mir vielleicht weiterhelfen? Ich wüßte gerne, welche Hunderasse, welche Schnüffelaufgaben übernimmt? Wie lang ist so eine Hundenase fit für den Einsatz, ab wann muß sie wie lange Pause machen. Was kann man dagegen unternehmen? Gibt es Stoffe, die z.B. den Hanfgeruch überdecken? Hat es Sinn, sich die Hosenbeine mit Pfeffer einzustäuben? (Bei Hausdruchsuchungen hilft es allemal gegen Hunde, etwas Pfeffer auf alle Türschwellen zu streuen.) Hat jemand ein 'Anleitungsbuch für den Polizeihund' oder ähnliches, in dem ich mal schnüffeln dürfte? Eventuelle Erkenntnisse würde ich dann umgehend der geschätzten Leserschaft mitteilen. Danke.

TresorBuch

Sensible Nasen mögen sich nicht täuschen lassen, die Augen sicherlich. Mein Chef W.P. hat gerade eine alte Idee neu verwirklicht: Tresor-Bücher. Wunderbare, inhaltlich und äußerlich straighte große HardCover Bücher, die innen ausgestanzt wurden, sodaß sich da ein unvermuteter Hohlraum von 14x8x3 cm auftut. Dort lassen sich stilvoll und diskret Kleinkrams, Schätze und Rauchklunker lagern, die nicht offen rumliegen sollten. Auffallen kann dieses Stash-Buch nur bei Leuten, die ansonsten keine Bücher haben. In guten HeadShops oder direkt durch die Grüne Kraft

Blanker Horror – aber gut formuliert

Immer wieder liest und hört man Horrornachrichten über strafverfolgte Drögler. Lebenslängliche Haft wg. drei Hanfsamen auf den Malediven, Todesstrafe für Ecstasyschmuggel in Indonesien und in den USA wird die Haftsituation immer absurder – nicht nur für Drogentäter.
Dr. Reinhold Aman ist ein ehemaliger Professor für mittelalterliche Literatur, bei dtv gab es vor Jahren ein Buch über Bayrische Redenswendungen von ihm. Er gibt ein erstaunliches, wissenschaftliches Fachmagazin 'for verbal abuse', Maledicta, heraus, in dem es akademisch um Flüche und dreckige Witze aus aller Welt geht. Eine Perle, die ich seit Jahren abonniere. Nun hat Reinhold seiner Ex-Frau und deren Anwalt zwei Postkarten geschickt. In seiner Art, fluchend und verwünschend. Dafür saß er fünfzehn Monate im Knast. Yes, Sir: 15 Monate für zwei Postkarten. Seine Zeit im Knast hat er genutzt und nun ein Buch herausgebracht, in dem er zum einen ein Knast-Glossar erstellt, z.B. "soap-in-a-sock – a common prison weapon made of soap bars put into socks." Zum anderen für Non-Knackis lesenswert sein langer Abrechnungsbrief an die Autoritäten, 'Welcome Inside, Hillary!'. Er geht davon aus, daß auch die Clintons mal sitzen müssen. Er gibt ihnen überlebenswichtige Tips und klärt sie auf, was im Knastsystem der USA abläuft. Und das in einer einmalig offensiven Sprache, mit gnadenlosem Humor und Infos, die die Hirnschale erschüttern lassen. Es wäre nicht verwunderlich, wenn er für dieses Buch gleich nochmal verknackt wird, obwohl er es geschickt formuliert hat... $15 im Brief an Reinhold Aman, Maledicta Press, P.O.Box 14123, Santa Rosa, CA 95402-6123, USA, Tel (die 8-9 Std. Zeitunterschied bedenken, also nur Abends anrufen!) 001 707 523 4761.

Turned-on-Europe

Unter diesem Titel hat MTV europaweit Jugendliche befragt. Laut Die Woche experimentieren 44 % der jungen Europäer regelmäßig mit illegalen Drogen. Das ist auch genau die Prozentzahl, die die deutsche Jugend erzielt. Bemerkenswert, daß es bei den sanften Holländern nur 28 %, bei den harten Franzosen jedoch 63 % sind. Also: dort, wo es am wenigsten verfolgt wird, probieren es die wenigsten, dort wo es am schärfsten verboten ist, experimentieren die meisten. Da fragt man sich und dich natürlich: Wer hört wohl zu kiffen auf, wenn es erlaubt wird? Weitere Frage von MTV: Kannst du dir vorstellen zu morden, wenn du sicher sein kannst, nicht erwischt zu werden? Bei uns sagten nur 5 % 'Ja', das ist europäischer Minusrekord. Führend auch hier wieder die Franzosen und Briten, bei denen 18 % der Jugendlichen gerne mal jemand abmurksen würden.
Was tun? Herr Lintner & Co werden wieder so Schoten wie "Jugendliche sollten in Sportvereine gehen, dann kommen sie nicht auf dumme Gedanken" argumentieren und damit wieder einmal beweisen, wie weltfremd sie sind. Eine Untersuchung in NeuSeeland hat ergeben, daß man im Sportverein nicht nur Fair-Play lernt. Ein sportlich aktiver Fünfzehnjähriger wird mit 18 Jahren doppelt so wahrscheinlich kriminell auffallen, als ein unsportlicher. Eintausend Jugendliche wurden von Geburt an beobachtet, mit Schwerpunkt auf die Gefahren unsozialen Verhaltens in der Teenagerzeit. Nimmt man allgemein an, daß ein Jugendlicher durch sportliche Aktivitäten Fairness und Teamgeist und all die sozialen Goodies lernt, stellt sich in der Praxis das Gegenteil ein: es wird die Aggressivität geschult und aus dem (un-)sportlichen Schummeln lernt man fürs Leben. Und wieder geht ein Mythos den Bach runter.

Hab ich mich verpißt?

Liebe Autofahrer. Letzthin war ich kurz davor, für dich zu kotzen. Wie das? Nun fast täglich bekomme ich einen Brief oder Anruf von einem Autofahrer, der sich Sorgen um seinen Führerschein macht, daß er auffällig geworden, zu einem amtlichen PißTest vorgeladen wird. Zwar habe ich schon in meinem Buch 'Mein Urin gehört mir' darauf hingewiesen, daß mich dieses Thema nun wirklich nicht interessiert, da ich nie einen Führerschein gemacht habe, aber was tut man nicht alles aus sozialer Verantwortung? Ich fühlte mich temporär wie ein Märtyrer.
Auf Anfrage bekam ich von einem dieser ganzseitigen Inserenten für Urin-Reiniger eine Probeflasche zum Testen. Originalpreis 79.95 DM. Für zwei Löffel voll Pulver (mit 'Orangengeschmack'), die ich genau nach Anleitung mit Wasser auffüllte und nach kräftigem Schütteln als breiiges Getränk runterwürgte. Die nächsten 45 min war ich dem Kotzen näher als dem Himmelreich. Vorher hatte ich meinen Urin mit dem Triage Test der Firma Merck gemessen und zustimmend die positive Anzeige registriert. Hinterher wieder. Der Test ergab eine genau so positive Meldung wie vor dem Runterwürgen dieser Masse. Das hat mich 100 DM für die beiden Test gekostet. Dich hätte es 79 DM für das bißchen Pulver plus den Führerschein gekostet. Und die amtlichen Kosten für mehrere Urin-Tests.
Das hätte ich schon auf Grund der Gebrauchsanweisung etc ahnen müssen. Es ist ein Mittel für Spätaufsteher ('Wenn möglich am Nachmittag einnehmen, wenn sie bereits 4-5 Stunden wach sind") mit perversem Geschmack ("Trinken Sie den gesamten Inhalt sofort, aber so, daß es Ihnen angenehm ist"). Mag sein, daß dieses Gemisch aus Kohlehydraten und einer 'erweiterten B-Komplex Formel', sowie 'erlesenste natürliche Zutaten', wirkt, wenn man vor zwei Wochen einen Joint geraucht hat oder es mit amerikanischen Urin-Tests zu tun hat, die nicht so genau wie unsere sind. Die Money Back Gurantee fand ich nur auf dem amerikanischen Flaschenlabel.
Im letzten Jahr hatte es bei einem Versuch 10 Tage mit Nierentee für 10,95 DM gebraucht, um meinen Urin wieder Führerschein-kompatibel zu klären. Wenn es eine wirksame Pulverreinigung gibt, dann bitte ich die Chemiker unter unseren Lesern, der Redaktion mitzuteilen, wie man sich so etwas daheim mischen kann, denn dieser US-Import war nicht nur sinnlos, sondern auch noch überteuert – obwohl nicht der Teuerste.

Committe On Unjust Sentencing Awards

Hanf! berichtete über die 1. Int. Konferenz über die Opfer im Krieg-dem-Rauschgift im Februar 96 in Heidelberg. Co-Veranstalter John Beresford und sein Committee on Unjust Sentencing veranstalteten im Oktober in San Francisco eine Preisverleihung an jene, die 'in der dunklen Zeit des Drogenkrieges die Fackel der Freiheit hoch halten'. Unter den Preisgewinnern:
Mikki Norris und Virginia Resner für ihre Ausstellung 'Attrocities of the Drug War';
Karina Epperling für ihr Video über Knastinsassinnen in Californien;
Franklin Martz, ein DeadHead, der es vorzog eine 40-jährige Haftstrafe anzutreten, als seine Freunde zu verpfeifen;
Albert Hofmann, Vater des LSD, für seine Unterstützung und Korrespondenz für und mit Gefangenen, die wg. LSD sitzen.
Eine Versteigerung von Blotter Art erbrachte einen Erlös von $10.000 für die Gefangenenarbeit.

Junkfurter Ballergazette

Hanf!-Leser kennen wahrscheinlich ein paar andere Hanfzeitungen, die zur Zeit offensichtlich in sind. Da lamentieren die Hanfkonsumenten für ihr Recht auf Rausch. Von einer Solidarität mit jenen, die für sich das selbe Recht, nur für den Konsum anderer Substanzen beanspruchen, finde ich keinerlei Hinweise. Hey, Junkies leiden unter dem BtmG mehr als jeder Kiffer. Wie wäre es mit ein bißchen mehr Interesse, einem bißchen an Solidarität? Hilfreich fürs Verständnis mag die Junkfurter Ballergazette sein. 6 Hefte pro Jahr kosten im Abo 25 DM, ein Probeheft 4 DM. Einzusenden in Briefmarken an: J.B., Sonnemannstr. 5, 60314 Frankfurt.

CIA & Crack

Als ich in den 80er Jahren meine TAZ Kolumne 'Kräuter – Pillen – Drogen' schrieb, tauchte in den Medien erstmals die Droge Crack auf. Mir war diese Substanz zu unheimlich, um überhaupt den Namen zu erwähnen. Warum schlafende Hunde wecken, warum über etwas schreiben, was es bei uns nicht gab? Aus dem selben Grund hatte ich in den frühen 70ern meine Übersetzung des ersten Castaneda Buches weggeworfen: da war immer von Substanzen die Rede, die für mich nicht greifbar waren. Frustrierend.
Nun, inzwischen ist Crack leider auch in Deutschland angekommen. Inzwischen enthüllten mehrere Zeitungen in den USA, daß Crack quasi eine CIA Erfindung war. Der CIA schleuste das Kokain ins Land & ließ das zu Crack verarbeitete Suchtgift verbreiten. Vom Erlös finanzierte man die Contras in Nicaragua. Das klingt wie eine Schote aus meinem 'Großen Buch der Paranoia', ist aber inzwischen als Wahrheit enttarnt worden. In der deutschen Presse las man allerdings wenig davon. Nur Günter Amendt in konkret (11/96) berichtete darüber: "Wenn man den Endverkaufspreis für 1 Gramm Kokain und den Endverkaufspreis für 7 Crack-Joints, hergestellt aus 1 Gramm Kokain, nebeneinander gestellt, ergibt sich eine unerklärliche Preislücke: Die 7 Crack-Joints kosten etwa die Hälfte von einem Gramm Kokain. Dieser Widerspruch löst sich nun auf: Die CIA hat nicht nur Kokain in die Ghettos der Westküste geschleust, sie hat es unter Ausschaltung verschiedener Handelsstufen zu einem Dumpingpreis an die Konsumenten gebracht. Nur so konnte sich Straßen-Crack als Billigdroge durchsetzen."
Überhaupt sei konkret nicht nur jenen empfohlen, die glauben, daß alles gut wird, sobald Cannabis legalisiert ist.

Kopf ab für Drogen

In Saudi Arabien sind ab sofort Aphrodisiaka strengstens verboten. Anfang Dezember wurden dort größere Mengen potentiell potenzsteigender Kaugummis und Drops konfisziert, die aus Israel eingeschmuggelt wurden, um 'schwache Seelen' zu verführen. Erst im vergangenen Jahr enthauptete man vier Türken in Saudi Arabien, weil sie versucht hatten Aphrodisiaka einzuführen.
In den USA sind 1996 fast 100. Tausend kubanische Zigarren beschlagnahmt worden. Es ist in den USA illegal, diese Stengel zu rauchen. Und nicht, weil sie besonders karzinogen sind, sondern, wie bei allen Drogenverboten, aus rein ideologischen Gründen. Nur selten ist das so offensichtlich wie bei diesem Falle imperialistischen Castro-Hasses.

Trotzdem Heiter Weiter, euer Ronald Rippchen


Konsaliks Ecstasy Affäre

1986 schrieb ich mein erstes Büchlein über "MDMA", die Substanz, die heute unter dem Namen Ecstasy bekannt ist. Jenes Ecstasy, das im richtigen Set & Setting genommen, ein wundervolles chemisches Entheogen ist. Damals empfahl ich, solch eine Substanz nicht öfters als viermal pro Jahr zu genießen. Da hatte ich wohl recht. Wie inzwischen leider zu viele ausgebrannte jugendliche Gehirne beweisen.
Heute versteht man landläufig unter Ecstasy ein buntes Konglomerat an Pillen, daß weitgehend ohne genaue Kenntnis der Inhaltsstoffe in der TechnoSzene konsumiert werden. Wo es gnadenlos konsumiert wird, fällt schon einmal eine Leber oder ein Leben aus. Nicht XTC ist vom Übel, sondern der blinde, von den Eltern vererbte Konsumismus. Das fängt schon bei der Geld-Sucht vieler Pusher an. Das ist bei den meisten Drogen so, mit denen man sich zuknallt. Bin ich altmodisch, nur weil ich meine Hirnzellen liebe? Der Grad der Verwirrung scheint zu steigen, je mehr sich BKA, Bundesregierung und Presse über das Thema hermachen. Den Rat, beim Tanzen unter E-Einfluß viel zu trinken befolgte letzthin eine junge Engländerin so radikal, daß sie an einer Überdosis Wasser verstarb. Sie hatte einfach ein paar Liter zu viel getrunken, und unter Ecstasy Einfluß schwitzt man zwar viel, aber die Blase macht irgendwann nicht mehr mit. Also ist noch mehr korrekte Aufklärung angebracht.
Da fühlte sich ein Autor berufen, der über das Leben Bescheid weiß: Asiaten sind gute Killer, Frauen im Ballett sind Lesben, die Grünen retten lieber drei Bäume, als das sie sich um die Gesundheit der Menschen kümmern. Vorurteile a-go-go. "Was täten Autoren, wenn es kein Rauschgift gäbe? Sie wären verzweifelt!". Die Rede ist von dem erfolgreichsten Autor des deutschen Sprachraumes, Heinz G. Konsalik und seinem neuen Werk Die Ecstasy Affäre.
Sensationslüstern & -geil wie er nun mal ist (selbst seine Ehefrau bezeichnet ihn als Nymphomanen), kann er kaum nachvollziehen, daß unter E-Einfluß allein die Berührung von Haut auf Haut schon befriedigen kann und daß Sex in Form einer Erektion rein biochemisch kaum drin ist. Sein tragischer Held wird von seiner Dealerin mit Hilfe von XTC 'unermüdlich, ausdauernd und stark...': er riß ihr den Slip vom Leib, warf sie auf den Boden und fiel über sie her... wir haben sieben Stunden getanzt und uns geliebt, ununterbrochen". Natürlich macht es süchtig: "Wer einmal Ecstasy geschluckt hat, wird Mühe haben, davon loszukommen..." MDMA ist auch laut Konsalik harmlos, "nichts anderes als ein Appetitzügler. So etwas ist nicht verboten, das hat freie Fahrt. Nur wenn man das MDMA mit anderen Substanzen vermischt ... wird die Designerdroge zur Höllenpille." Die Gefahr? Die Adernwände im Gehirn verdünnen sich und lösen sich auf.
Man spürt, daß Konsalik viel recherchiert hat. "In den USA gehört die Pille schon zum Alltagsleben wie Aspirin und Hustenbonbons. Nur der deutsche Markt ist noch unterversorgt". So kosten 100 Tabletten auf dem Schwarzmarkt 7,5 Pfg pro Stück und sie werden für 43 – 60 Pfg weiter verkauft. "Das kann sich jeder Jugendliche leisten, dagegen ist Heroin eine Luxusdroge. Da kostet jeder Schuß hundert Mark!" Anderseits weiß Konsalik auch, daß die Zwerg Seppi Pillen 70 DM kosten, "für einen Junkie fast schon unerschwinglich".
Es geht in dem Buch um die eigentlich gute deutsche Jugend und die eigentlich bösen Ausländer. "Mehr als 50 % aller Straftaten entfallen auf Ausländer" (S.73); "fast 73 % aller in der BRD gegangenen Straftaten wurden von ausländischen Kriminellen..." (S.113); "heute ist nachgewiesen, daß 65 % aller Verbrechen auf das Konto von Ausländern geht" (S.294); "bei der Gewaltkriminalität kann nicht verschwiegen werden, daß 71,5 % der Täter minderjährige Ausländer – Verzeihung – Nichtdeutsche sind" (S.406). Schlimmer noch als Nichtdeutsche scheinen die Frauen zu sein: "Die stärkste Macht der Welt regiert zwischen den Schenkeln einer Frau. Sie hat schon Königreiche und ganze Völker vernichtet. Es ist die Urkraft, die alles beherrscht." Nicht Männer haben sich also in Kriegen gegenseitig abgeschlachtet, sie sind zwischen den weiblichen Schenkeln von der Urkraft vernichtet worden. Starke Worte für einen, der, laut eigener Aussage, Anfang Dezember 1939 eine Tätigkeit bei der Gestapo antrat.
Die Handlung: unschuldiger Bub aus gutem Haus verliebt sich in eine Bardame, die von der Toscana Bar in München aus, ganz Bayern mit XTC versorgt und deren Boß dann auch noch ein Öko-Ecstasy einführt. Ein paar Tote später will der Vater des Knaben die Dealerin heiraten, aber dann wird sie von der vietnamesischen Mafia auf der Reeperbahn alle gemacht. Die Polen sind so schlimm wie die Vietnamesen, sie lieben aber Deutschland, weil es hier Weißbier gibt. "Es war erfrischend und herb-würzig. So etwas gibt es in Polen nicht".
Das Fatale an diesem Buch: es wird sicherlich das meistgelesene Fachbuch zum Thema Ecstasy werden, dank Hein G. ist eine Eskalation der Probleme zwischen nun durchblickenden Eltern und Jugendlichen vorprogrammiert. Aber was kann man von einem Schreiberling erwarten, dem der Schriftsteller Wolfgang Bittner nachsagt, sein Werk sein 'tendenziell faschistoid'?
Man wünscht sich, Heinz G. hätte verantwortlich recherchiert und selbst, meinetwegen zusammen mit seiner jungen chinesischen Freundin Ke Gao (hat sie ihm so viel über die fiesen Vietnamesen verraten?) MDMA probiert. So wie Nina Hagen schon Mitte der 80er Jahre visionierte, mit dem ollen Erich Honecker XTC zu nehmen – das hätte den Verlauf der Geschichte nun wirklich radikal verändert, wetten? Hey, Heinz, so machst du durch deine Ecstasy-Affäre mehr Geld, als die meisten Dealer. Schämst du dich nicht?
(Heinz G. Konsalik, Die Ecstasy-Affäre, Lübbe, 1996)


Das Schmuggel Museum

Andere Leute feiern Weihnachten, ich unternahm eine meiner Rock'n'Roll Pilgertouren, diesmal nach Liverpool. Beatles, klar. (siehe auch Davis/Pieper: Die Psychedelischen Beatles, Ed. RauschKunde). To see what I would find there... Ich fand das neu eröffnete Schmuggel-Museum im Hafen. Mit Schautafeln, Beweisstücken, Videos. Sehr unterhaltsam, ja, sogar lehrreich. Worauf achtet der Zöllner (wenn man aus Amsterdam kommt, oder holländisches Geld bei sich trägt), zu große Turn(!)schuhe trägt etc. Mehrere Tresorbücher sind zu sehen, mit Drogen gefüllte Schirme und Torpedos (!) und eine Abteilung über 'natürliche Verstecke im Körper'. Es ist sogar ein Spezialklo für potentielle Pulverkuriere aufgebaut. Eine Klarsichtröhre führt aus der Schüssel in eine Lagerschale, in der man durch künstliche Hebelarme von außen in der zu untersuchenden Scheiße rumwühlen kann. Der Rekordmeister hatte 300 Säckchen mit weißem Pulver geschluckt. Da kann man echt 'Scheiße!' sagen. Neuerdings werden Drogenkurieren die Beutel sogar unter die Haut operiert.
Jetzt, wo Europas Grenzer nicht mehr nur an Grenzen, sondern überall agieren dürfen und der Warenverkehr innerhalb der Länder theoretisch frei ist, kommen sie vermehrt auf den Hund. An englischen Flughäfen (und nicht nur dort) gehen Hundeführer mit ihren Lieblingen permanent die Warteschlangen an den Paßkontrollen auf und ab. Wenn allerdings die Angaben stimmen, daß Hundenasen nur eine Konzentrationsphase von max. 30 min haben, muß man davon ausgehen, daß man mit dieser Maßnahme eher die Reisenden einschüchtern als überführen will. Aber man weiß ja nie, ob der Hund nicht eben erst seine Schicht angefangen hat. So sollte man für den Fall der Fälle für starke Gerüche sorgen: frisch gewixte Schuhe, extremes Rasierwasser/Parfüm, einen Schuß Pfeffer ans Hosenbein des vor einem laufenden (dafür gibt es doch immer im Flieger und Speisewagen so handliche Tütchen)...
Sogar ein paar Goldene Schallplatten der Beatles waren zu sehen. Damals, 1966 hat sie niemand vom Zoll abgeholt, wohl, weil Einfuhrzoll darauf erhoben wurde...


Mehr Repressionen in England

Seit einiger Zeit versuchen die Behören, den Cannabisgebrauch in englischen Gefängnissen in den Griff zu bekommen, d.h. zu unterdrücken. Seit März werden rund 10 % der Insassen monatlich zur Urinkontrolle befohlen. Die Auswirkungen sind klar: hunderte, wenn nicht tausende von Insassen haben, nach Berichten der Zeitung The Guardian, die Droge gewechselt. Im Knast ist Heroin nun billiger und verbreiteter als Cannabis. Grund: Heroin ist nach relativ kurzer Zeit aus dem Körper spurlos verschwunden, während sich Cannabis noch nach Wochen feststellen läßt. Knast Reform Gruppen haben nun beim Innenministerium einen Antrag gestellt, so wie in anderen Ländern zu verfahren, in denen man im Knast völlig auf Cannabis Tests verzichtet, um diesen Trend zum harten Stoff zu unterbinden.
Nicht nur im Knast wird es härter, auch in Nachtclubs, die Techno oder artverwandte Musik mit schnellen Beats spielen. Nach einer neuen Gesetzesvorlage wird jeder Club die Pflicht haben, in regelmäßigen Abständen auch langsame Lieder zu spielen, damit sich die Tänzer nicht überhitzen. Wer nur schnelle Beats spielt, bekommt die Lizenz entzogen. Weitre Auflagen:
– Es muß problemlosen Zugang zu kostenlosem Trinkwasser geben.
– In der Werbung (Flyer & Plakate) für Raveveranstaltungen muß eine aufklärende Drogenwarnung eingebaut sein.
– Clubs müssen eine Chill-out Zone oder Räume zur Verfügung stellen.
– Alle Angestellten müssen in 1. Hilfe Maßnahmen für Drogenmißbrauchfälle geschult sein.
– Alle Türsteher & Rauschmeißer müssen registriert sein.
Es fehlen eigentlich nur noch Rave/Tanz Lizenzen für jeden Tänzer mit klaren Richtlinien: jeder darf soundsoviele Stunden pro Woche/Monat tanzen, und dabei soundso häufig und soviele Minuten/Stunden zu Beats über XXX das Tanzbein schwingen. Jeder zusätzliche Beat wird ihm später von der Rente abgezogen.
Da ich allemal keine Rente bekommen werde, dürfte ich durchtanzen bis ich umfalle.
Nicht nur deshalb heiter weiter
Ronald Beatchen


Tödliche Schweine-Ekstase

Frank, der Erfinder/Entwickler des Aromizers, einem Vaporizers (nicht nur für Hanfgenuß) mit 12 V Anschluß, der demnächst Deutschlands Inhalierer erfreuen wird, buchte zur Weiterbildung einen Kurs in Aryurveda Medizin in Goa,Indien. Im Hippie- & Technoparadies ist nicht mehr alles so rosig, wie es im Laufe der Jahrzehnte so manchem Besucher erschien. Schätzte Frank vor Jahren noch die einheimischen Schweine, die MenschenScheiße direkt aus dem Plumpsklo recycelten, so mußte er sich nun erzählen lassen, daß man diese Art der Fäkalienentsorgung einstellen mußte. Der Grund: zu viel Ecstasy Rückstände in der freaklichen Scheiße. Die Schweine drehten durch.


Integration

Jaja, wenn wir nur alle unsern Konsum von psychoaktiven Substanzen harmonisch in unser tägliches Leben integrieren könnten, wäre das fein. So mancher psychischer Absturz, vor allem jüngerer Menschen, bliebe ihnen und uns erspart. Integration heißt eine sehr empfehlenswerte, semi-akademische, englisch/deutsche 'Zeitschrift für geistbewegende Pflanzen und Kultur'. Nr. 6 ist kürzlich erschienen und bietet Informationen über Pilze, Kava Kava, Peyotl, 'schamanistisches Heilen im Herzen von Europa' und eine Diskussion über die Begriffe 'psychedelisch' versus 'entheogen'. Unter den Autoren: Wolfgang Bauer, Jonathan Ott, Samuel Widmer, Jochen Gartz etc. Vorteil: edel aufgemacht, mit farbigen Abbildungen & gutem Inhalt. Nachteil: wg. der geringen Auflage muß ein Einzelheft leider 39.80 DM, ein Abo über 3 Hefte 110 DM kosten. Wer es sich leisten kann, sollte dieses Projekt (& damit auch sich selber) unterstützen.
Integration, Bilwis Verlag, Eschenau Nr. 29, D-97478 Knetzgau.



ZUGABE:
2002 haben wir alle restlichen Exemplare der INTEGRATION aufgekauft. Die Hefte kosten nun durch die Grüne Kraft nur noch zwischen 5 und 7,50 Euro.

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