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Erinnerung an John Beresford,
sein magisches Gramm
und die Opfer des Unrechts
Zum Weltpsychedelik Forum in Basel, Ostern 2008
 
Unser Freund John Beresford, Gründer des Committee for unjust Sentencing, ist im vergangenen September (2007) gestorben. Viele Jahre hat er sich vorrangig um LSD-Gefangene gekümmert; so verdankt ihm z.B. Amy Ralston, unschuldig in Sippenhaft zu 24 Jahren verurteilt, ihre ‘vorzeitige’ Entlassung nach 9 Jahren Haft. Sie sei hier stellvertretend für viele genannt, die vom Mitgefühl Johns profitierten. Mehr über John dokumentieren die hier ausgestellten Briefe und das kleine Erinnerungs-Heft an ihn, welches wir hier verteilen.
       Anläßlich des Jubiläumsfestes ‘50 Jahre LSD’ traf ich John erstmals 1993 im Golden Gate Park zu San Francisco. Es sollte Jahre dauern, bis ich erfuhr, daß er 1960 ein (legales) Gramm reines Sandoz-LSDs für 269$ erwarb. Dieses Magic Gram wurde unter tausenden Psychonauten verteilt und dadurch eine Bewegung initiierte, ohne die das heutige Treffen in Basel undenkbar wäre. Wir fanden uns sofort im Austausch zum Thema der Folgen der Illegalisierung, den LSD-Opfern, die teils mehrfach Lebenslänglich im Knast sitzen und dort meist von ihren Kunden hängengelassen werden.
       Als der ECBS 1996 in Heidelberg zur Konferenz Welten des Bewußtseins aufrief, war es John, der vorschlug, ergänzend parallel die 1. Internationale Konferenz über die Opfer im Krieg-dem-Rauschgift zu veranstalten - wobei sich auch die Fachwelt nicht im Klaren war, daß diese Kriegs-Formulierung ursprünglich aus dem Jahr 1933 und dem Mund von Adolf Hitler stammt. Es trafen sich über 100 Interessierte aus einem Dutzend Ländern, allen voran Albert Hofmann, und verabschiedeten eine ‘Heidelberger Deklaration’. 1999 kam es in Toronto zu einer 2. Int. Conference on the Prisoners in the War-on-Drugs.
       Zu Albert Hofmanns 100. Geburtstag hatte John zwei Ex-Gefangene und eine Mappe mit Briefen von Inhaftierten aus den USA nach Basel mitgebracht. Sein großer Wunsch: selbige Mappe Albert öffentlich, also auf der Bühne zu überreichen. Eine Geste die für John und vor allem die inhaftierten Schreiber in den USA sehr wichtig gewesen wäre. Doch trotz Zusagen kam es nicht dazu. Für John eine schmerzhafte Situation.
       Ich schlug GAIA vor, ihm und seinem Anliegen auf der großen Bühne, also vor der Vollversammlung, 3-5 Minuten zu gedenken. Man bot 30 min. im Foyer an. Außerdem durfte Jon Hanna in der Mittagspause (!) am Freitag im Foyer einen Brief eines Inhaftierten verlesen, der John gewidmet ist. Vor zwei Jahren hatte John in selbigem unruhigen Foyer vor Freunden und Knackis geredet, ohne daß die Mehrzahl der Konferenzteilnehmer etwas davon mitbekam. Ich hakte wiederholt nach, erklärte, wie ich mir dieses Wort am Sonntag als sozialen Weckruf vorstelle:
• Eine kurze Würdigung John Beresfords, als dem Mann, der 1960 das erste Gramm LSD für 269$ bei Sandoz erstand, daraufhin tausende Trips an Leute wie Tim Leary, Charlie Mingus, Sigrid Radulovic bis Keith Richards verteilte, und sich nach der Illegalisierung viele Jahre aktiv wie kein zweiter für LSD-Gefangene einsetzte.
• Dann eine Erinnerungshilfe an alle Anwesenden: Wer hat von Euch sein LSD legal bezogen? Wer hat selber Knasterfahrungen, wer hat einen Freunde, kennt einen Dealer der einsitzt?
• Und schließlich, statt einer Schweigeminute die Bitte an Alle, die individuellen Gefühle beim Gedanken an Inhaftierte gemeinsam akkustisch kund zu tun - durch einen Schrei, ein Stöhnen - whatever.
Das wärs schon. So eine gemeinsame Solidaritäts-Aktion aller Anwesenden würde im optimalen Fall ‘This thing’, wie Terence McKenna es genannt hätte, auf eine höhere Ebene katapultieren.
Die Idee wird von Dritten unterstützt. Doch vor Ort wird sie aus Zeitgründen abgelehnt. Keine drei Minuten für John und jene Knastler, ‘who are doing time’, wie man das auf Englisch nennt. Als mir Nana Nauwald spontan fünf Minuten ihrer Zeit anbietet, kommt es zu einem Verbot der Veranstalter. Mein Auftritt würde ‘die Veranstaltung sprengen’. Nicht nur ich war fassungslos. Jon Hanna, Kathleen Harrison-McKenna, Julio Santo Domingo und andere boten mir Zeit in in ihren Vorträgen an, aber für mich gehört - nicht nur - dieses Thema auf die große Bühne. Außerdem wollte ich die GAIAs auch nicht vergraulen oder gar sprengen, die hatten sichtbar genug Streß.
       Günter Amendt in seinem empfehlenswerten neuen Buch ‘Die Legende vom LSD’ über seine Einschätzung der Szene ebenhier vor zwei Jahren: „Während die einen den Träumen an eine längst vergangene Zeit nachhängen, träumen die anderen von der Wiederzulassung von LSD für medizinisch-therapeutische Zwecke und vom Recht, mit und über LSD zu forschen. Der LSD-Diskurs war immer auch ein Karriere-Diskurs“. Er geht in seiner Aufklärung - wenn ich ihn richtig verstehe - noch einen Schritt weiter. Die neu zugelassene LSD-Forschung habe ja auch einen Grund: den verheerenden psychischen Zustand der durch den Irak traumatisierten US-GIs, d.h. ohne ein militärisches Interesse käme es kaum zu einer Zulassung der hier gefeierten Fortschritte. In Basel kein Thema.
       Da stellt sich die Frage: Übernehmen Wissenschaftler und Akademiker wieder die psychedelische Welt? Kommt es zu einer Verakademisierung des Rechtes auf Rausch? Paranoiker flüstern ‘Halperngate’. Was aber geschieht mit den privaten Psychonauten - und ihrer rechtlichen Situation? Millionen haben seit Johns Magischen Gramm vor bald 50 Jahren bewußtseinsbewegende Erfahrungen gemacht und Erkenntnisse gewonnen - während abertausende ihrer Dealer als Konsequenz ihr Leben (in den USA auch mehrfach Lebenslänglich) hinter Gittern verbringen. Es gibt jene Dealer, denen Tim Leary Anregungen Deal for Real half, nicht auf die Gier reinzufallen und im Glücksfall nie inhaftiert wurden.
       Laßt uns an unsere Wurzeln denken und unsere Verantwortung. Laßt uns jenen unsere Dankbarkeit zeigen, die ihren Hals für uns Konsumenten hingehalten haben. Ohne jene Basisarbeiter wäre die Halle hier & heute wahrscheinlich recht leer.
       Ich mußte vorzeitig abreisen, aber Jon Hanna hatte zugesagt, im Abschlußplenum auf das Anliegen Johns aufmerksam zu machen. Dazu wurde ein 6-minütiges, leider unverständliches Telefonat mit dem zu 20 Jahren verknacktem LSD-Chemiker Casey in England zugeschaltet. Aber, wie Jon Hanna später anmerkte: „I doubt that the event producers would have agreed to allow for six minutes of silence to contemplate this idea, so I suppose that six minutes of struggling to comprehend someone’s voice is better than nothing, and it can be seen symbolically as six minutes struggling to comprehend the drug war mentality itself.“ Schließlich, zum versöhnlichen Abschluß, thematisierte sogar Moderator Lucius John und die Folgen der Illegalität.
 
Einer, der immer wieder Mitgefühl und ein großes Herz für jene Opfer auch in der Praxis gezeigt hat ist unser ‘Elder Statesman’ Albert Hofmann - der John Beresford als ‘dieser ganz besondere Freund, ganz liebenswerte Mensch’ bezeichnete.
Ihm sei nicht nur dafür herzlicher Dank ausgesprochen!
 
Werner Pieper / pieper@gruenekraft.com / www.gruenekraft.net / Gerne maile ich Dir das 32-seitige (engl.) Memorial-Heft, daß in John Beresfords Andenken zusammengestellt wurde.
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