Gruene Kraft
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CCC TRUST
 
to live outside the law you must be honest
oder
Ist nicht jedes Password eine Manifestation des Mißtrauens?
 

Gleich vorweg: ich bin kein Wissenschaftler, sondern Zitateur und Geschichtenerzähler.
HIer & jetzt geht es um Geschichten
- über die 60er Jahre
- vom Dealen
- über Raubdrucke
- die Hacker Bibeln
••• Hacker Bibel
- und heute
 
Der CCC ist dieses Jahr 25 geworden. Ich gratuliere.
Der Inspirator, unser Freund Wau ist seit 5 Jahren tot. Bitte widmen wir ihm 24 Schweigesekunden.
 
Zeitsprung in die 60er
Unserer Generation wurde das Vertrauen nicht von den Eltern oder in der Schule beigebracht. Der Vorgängergeneration, die ja noch in ihrer inneren Entnazifizierung steckte bzw verkümmerte, trauten wir nicht.
 
Die 60er waren das Jahrzehnt, in dem nicht nur ich lernte, wie geil es ist, Menschen vertrauen zu können. Ich arbeite gerade an einem Buchprojekt der 60er-Aufarbeitung, so habe ich gleich zwei Zitate parat:
Trepte CD
Uli Trepte, in den 60ern Bassist der Gruppe Gurru Guru - der damals als erster bei Auftriten live Kurzwellen-Sounds in die Performance einfließen ließ - formulierte unsere damalige Situation so:
 
„Der Nenner für fast alles Wichtige, was in der zweiten Hälfte der Sechziger in der westlichen Welt geschah, waren für mich die psychedelischen Drogen, die zu nehmen, wegen der Stärke des THC und der Güte des LSDs, Mut erforderte und damals nur von Leuten genommen wurden, die wirklich, also existentiell, eine andere Erfahrung machen und auf dieser Grundlage dann ihre Sachen schaffen wollten. Dieser Typ kristallisierte sich zunehmend heraus, wobei er mit anti-autoritärer Haltung und kollektivem Sinn, alternativem Life-Style (der vor allem eine individuelle Art sich anzuziehen, auszusehen und zu wohnen, sich locker zu verhalten sowie oft eine bewußte Weise der Ernährung beinhaltete), einer echten Vorliebe für Musik (besonders der in dieser Zeit mutierten Pop-Musik) und neuem kulturellen Bewußtsein (das bisher hierzulande kaum bekanntes Gedankengut und einige gänzlich neue Ideen mit einbezog) einen klaren Gegensatz zum alkoholtrinkenden, hauptsächlich tierisches Fett essenden, sich genormt kleidenden, in starrem opportunistischen Schul- und Zeitungswissen blind verhafteten, von seiner Gesellschaftshörigkeit gehörig gehirngewaschenen, vorwiegend fernsehenden Standardmenschen, sprich des Spießers, bildete.
Weil es anderen genauso ging, bildete sich zunehmend eine echte Szene ohne Wischiwaschi, wo zwischen Köpfen und Klöpsen deutlich unterschieden und alles dafür getan wurde, mehr das erstere zu sein. Diese Szene realisierte vorwiegend das meiste, was in den Sechzigern an Neuem passierte, obwohl der Staat, die Massenmedien, die Musikindustrie wie das Gros der Erwachsenen und auch eine Menge Jugendliche gegen diese zunehmende Bewegung waren und sie ablehnten, bagatellisierten, desavouierten oder ignorierten. Aus diesem Grund stellten sich die spezifischen Errungenschaften der Sechziger als ausnehmend authentisch dar: Sie waren von innen gewachsen und nicht, wie sonst ja doch beinahe alles, gezielt von außen propagiert worden.“
 
Wie später die Hacker Szene.
 
Kai Ehlers Buch
Autor Kai Ehlers, zu dessen aktuellen Themengebieten/Forderungen u.a. das Grundeinkommen für Alle gehört, beschreibt seine Zeit in den 60ern, in der man dem Elternhaus floh um sich mit Gleichgesinnten in Kommunen, Gemeinschaftswohnungen etc. wiederzufinden:
„Das waren zunächst die gemeinschaftlich genutzten, noch nicht abgerissenen Trümmerhäuser, in denen sich Studenten, Künstler, Gammler (wie es damals noch hieß) und auch sozial Gestrandete im Schichtbetrieb die Wohnung teilten. Abschließen galt nicht! Wer kam, war da. Vertrauen war die eine Voraussetzung dieser Art des Wohnens, Vertrauen in eine Zukunft, die offen schien, und Vertrauen in die gemeinsamen Ziele, sich den Zwängen dieser Konsumgesellschaft nicht ausliefern zu wollen. Die andere Voraussetzung war die Mittellosigkeit: Wo nichts war, konnte nichts verloren, nur etwas gewonnen werden.“
 

Dealer
Meine damalige Situation: Nach dem Ersatzdienst wollte ich Sozialarbeiter werden.
Wollte Menschen helfen, kein Bürohengst, nicht zum Staatsspitzel werden.
Also Dealerlehre
Praxis: Red - vor meinem 1. Deal wußte ich, wer mein Anwalt meines Vertrauens sein würde, falls was schief geht
Theorie: Tim Leary: Deal for Real
„Der Dealer als Robin Hood, ein geistiger Guerilla, ein mysteriöser Agent ... Ich glaube, daß dies der edelste aller menschlichen Berufe ist, und ich möchte jeden kreativen jungen Menschen, der ernsthaft daran interessiert ist, sich zu entwickeln und der Gesellschaft zum Wachstum zu verhelfen, dazu anhalten, diesen alten und ehrwürdigen Beruf in Erwägung zu ziehen. ... Kaufe niemals Drogen von einer Person, die nicht die Ausstrahlung hat, nach der Du suchst.“ Eine Sache des Vertrauens.
Ich machte den Job sieben Jahre. In diesen Jahren fand ich meine heutigen Freunde. So gesehen, der tollste Job den ich je hatte.
• Dabei wurde ich nur einmal verpfiffen: mein 1. Joint ... aber so wußte ich: Die Polizei weiß bescheid - und hatte nie wieder Schwierigkeiten, erlebte jedoch ein paar Abenteuer
• Wichtig dabei: Kein Unrechtsbewußtsein. Haschisch ist ein Lebensrecht. Also wird sowas bei einer Razzia etc. auch nie fortgeworfen.
• Beispiel Hirschgassen Besetzung
• Becker, Chef des RD HD - ca 10 gr
„Lohnt nicht“. Andere hätten vielleicht Probleme bekommen, aber er wußte, daß ich kein dicker Hai war, daß ich mich um Kollegen im Knast kümmerte etc. Von Mensch zu Mensch.
• Even Drug-Checking in der Gerichtsmedizin.
 

 

Als es in HD für Händler von psychoaktiven Substanzen tough wurde, gründete ich die
Grüne Hilfe,
eine Dealer-Rechtshilfe. Aus heutiger Sicht so herrliche naiv, daß es kaum nachvollziehbar ist. So packten wir wiederholt aus den Erlösen von Weihnachtsbasars jeweils zwei-drei Dutzend Weihnachts-Pakete. Dafür kauften wir entsprechend viele Tüten mit Keksen aus der besten Konditorei Heidelbergs, genossen selbige Kekse, und füllten die Tüten mit selbstgebackenen leckeren Haschplätzchen.
 
Als einer vom uns mal zu 12 Monaten Knast verurteilt wurde, stand tags drauf die ganze Kommune vor dem Knast und forderte, daß jeder von uns stellvertretend jeweils 4 Wochen absitzen dürfte. Wir blitzten leider ab: „Es gibt keine Sippenhaft mehr.“ Schade, eigentlich.
Nicht zu glauben, aber wahr, jener Kumpel bekam das Paket, goutierte die Plätzchen und war hackestoned, als sich seine Zellentür an Heilig Abend - vor 34 Jahren - öffnete und man ihm mitteilte: „Sie sind begnadigt. Sie können gehen“.
 
Keine Ahnung, ob es sowas heute noch gibt. Hab ich als Konsument den Überblick über jene Szene verloren.
Als ich mich letzthin mal umhörte, ob mir im Bekanntenkreis jemand empfehlen könnte, gab es ein paar ‘Ja’s zu hören. Doch auf meine Nachfolgefrage: „Ist dieser Mensch eine Bereicherung meines sozialen Umfeldes?“ Gab es nur peinliche Schulterzucken.
 
Mehr dazu in Howard Marks just erschienenem Buch
DOPE STORIES
 
Raubdrucke
KOMPOST & HUMUS 70er Jahre
anglo-amerikanisch
HUMUS
Ich besuchte John Michell und Heathcote Williams.
Mein Glück: ich hatte - bis auf 1 Ausnahme - Überzeugungstäter geraubtdruckt.
Sie freuten sich, daß ihre Informationen Kreise gezogen hatten.
Mein Angebot der ‘Wiedertgutmachung’: ich verlege einen Deiner Texte Deiner WQahl.
 
- Autogeddon -
3. Auflage in D., bevor 1. in GB
- Kroth, Cornwall 10. - statt 5.000 - Heathcote, Übersetzer Rolf Brück & me
1. 2001 schw/weiß Fotobuch
2. 2001 BUNT
- WeltHit
 
Saigon/Vietnam: Raubdrucke von US Autoren signiert ...
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