Der weiße Neger:
Mezz Mezzrow, seine grüne Kraft & die braunen Weißen
oder
Jazzbands als kriminelle Vereinigungen
|
|
Piepers Schreibe SCHREIBE 33 Permalink
€ 0.00
|
|
|
| |
Der weiße Neger:
Mezz Mezzrow, seine grüne Kraft & die braunen Weißen
oder
Jazzbands als kriminelle Vereinigungen
In den USA sitzen mehr Menschen im Kanst als anderswo - und die meisten wegen Drogen. Ein Vorläufer dieses Trends war Milton Mezz Mezzrow - einer der meistgeliebten, umstrittendsten und - von Weißen in den USA - meistgehaßten Aktivisten in der Geschichte des Jazz. Er kam 1899 als Kind russischer Juden in Chicago zur Welt, verbrachte schon mit 16 Zeit in einer Besserungsanstalt: „In diesen Monaten habe ich eine Menge über das Talent des Farbigen gelernt, sein Leben und seinen Geist nicht aufzugeben und mit der Musik seine Sorgen auszudrücken.“ In den 30ern spielte er in Al Capones Clubs. Klar, daß Jazzer im Rotlichtmillieu des Nachtlebens engeren Kontakt zu Krimininellen hatten als die Polizei.
Er war einer der bekifftesten Jazzer seiner Zeit. Nach seinem ersten Reefer schwärmte er: „Die Töne perlten aus meinem Instrument, als wären sie schon vorfabriziert, eingefettet und in den Becher gestopft, so daß ich nichts weiter zu tun brauchte, als ein bißchen zu blasen und sie loszuschicken, einen nach dem anderen, nie falsch, nie aus dem Takt, und alles ohne die geringste Anstrengung. Es schien mir, als wären die Bögen geschlossener, und ich blieb am Thema, ohne es auch nur ein einziges Mal zu verlieren. Ich hatte das Gefühl, als könnte ich noch jahrelang so weiterspielen, ohne daß mir die Ideen oder die Luft ausgehen würden. Es ging alles wie von selbst, maßgeschneidert, und es gab plötzlich auf der ganzen Welt keinen falschen Ton oder Mißklang mehr, der mir irgendwie Kummer machen konnte. Ich fühlte mich auf einmal sehr glücklich und sicher“.
Er kiffte, er handelte nur mit dem besten Stoff,wurde u.a. Hausdealer von Louis Armstrong. Dieser schwärmte: „Mary Warner, mein Liebling, du warst wirklich die Beste ...“. Als Jazzer war Mezzrow passabel, als Schreiber des wundervollen Buches ‘Really the Blues’ baute er sich & seiner Szene ein Denkmal.
Nicht nur der Kiff und der Jazz hatten es Mezzrow angetan. Er fühlte sich der schwarzen Kultur näher als der weißen. 1933, zu Zeiten heftigster Apartheid, gründete er die erste gemischtrassiger Band der Jazzgeschichte. Damals für viele Weiße ein krimineller Akt. Für ihn die Erfüllung eines Traumes. Mezzrow kam zwischendurch wie viele seiner Kollegen auch mit Opium in Kontakt: „Was wäre ich froh, diesen Gang nie gemacht zu haben. Ich brauchte fünf Sekunden, hinter dieser Tür zu verschwinden, aber verdammte fünf Jahre, um auf allen Vieren, auf Händen und Füßen, wieder herausgekrochen zu kommen.“
Schon bevor Harry Anslinger, der radikale staatliche Anti-Drogen Fanatiker, in den späten 30er Jahren das CannabisVerbot in den USA (und in den 50er Jahren bei den Vereinten Nationen) durchsetzte, sorgte er dafür, daß ilegale Drogen nicht positiv besungen werden durften. Wer durch seine Musik Drogengenuß verherrlichte, bekam keine MusikerLizenz, was in den USA einem Auftrittsverbot gleichkam. Viele psychonautische Blues- und Jazzmusiker, die auffällig geworden waren, verließen das Land und gingen nach Europa, vor allem nach Paris - während Anslinger daheim blieb und später als Junkie starb.
Doch bevor es für Mezzrow nach Paris ging, wurde er von 1940 bis 1943 als gewaltloser Krimineller eingebuchtet. In Zeiten der Apartheid gab es auch im Knast einen schwarzen und einen weißen Flügel. Mezz erklärte sich zum Neger und durfteim Trakt (& Takt) der Schwarzen sein Horn spielen, während seine Soulbrothers Steine kloppten. Der Musikologe Ernest Borneman sagte, daß die Bluesstücke, die Mezzrow sich in seiner Knastzeit ausgedacht hatte, weit zurück reichen würden, "weiter zurück als Louis (Armstrong) und vor die Zeiten von Bunk Johnson und Buddy Bolden. Die Musik führt zu den wahren Wurzeln der Musik, den Zuckerrohrfeldern, den Reisplantagen und Indigofabriken und den Worksongs und den Sklavenschiffen und der Tanzmusik der Inland-Ashanties und den Kanuliedern der Wolof und Mandingo entlang des Senegal Flußes und des Gambia."
Seine Kollegen verherrlichten Mezzrows illegalen Aktivitäten später in einer Kifferhymne: Dreamed about a reefer five foot long, The mighty mezz but not too strong, You'll be high but not for long, If you're a viper.