"Wie Hitler in den Dreißigern und Vierzigern mit den Mitteln einer überlegenen Popkultur niedergerungen werden sollte, davon erzählen acht CDs mit dem Titel Flashbacks, eine geschichtsdokumentarisch aufgemachte Edition mit fast 200 großenteils vergessenen Zeugnissen der amerikanischen popular music. Herausgegeben hat sie - nein, nicht Guido Knopp, sondern Werner Pieper.... Flashbacks tauchen ein in den Substrom amerikanischer Unterhaltung, der - über das frühe Massenmedium Radio - Blues, Jazz, Country und Vaudeville Ein- flüsse gleichermaßen zuließ... Auswahl und Anordnung sind eine Demonstration... kommt einer nachträglichen Wunscherfüllung gleich: Hätten doch nur die Elterngenerationen bereits so gute Musik hören können, vielleicht wäre alles anders gekommen."
Thomas Gross, Die ZEIT
Unter den Interpreten findet sich das Who 's Who der damaligen Jazz, Pop & BluesSzene, wie:Cab Calloway, Spike Jones, Mildred Bailey, Louis Armstrong, Lil' Johnson, Blind Willie Johnson, Golden Gate Quartet, Andrew Sisters, Ink Spots, Memphis Jug Band, u.v.a.m.
"Oma und Opa hätten Knast, womöglich gar KZriskiert, hätte man sie beim heimlichen Hören dieser teils fidelen, teils nachdenklichen, immer aber aufmüpfigen Songs erwischt. Jede CD widmet sich einem abgeschlossenen Themenkreis ... Was hat man in den 20er, 30er und 40er Jahren doch für eine feine ›entartete Musik‹ gemacht. ... Spielt jede Menge Kopulations-Hymnen und Kiffer-Songs, denn der - von Werner Pieper kenntnisreich kommentierte kompilierte Stoff - … dieser sechs Alben hat es verdient. Zumal nicht wenige dieser rund 150 Perlen aus Jazz, Blues- und Unterhaltungsmusik nun zum ersten Mal an deutsche Ohren gelangen."
Jörg Gülden im Rolling Stone
"In der amerikanischen Populärmusik sind Zeitgeist und Zeitgespenster auf faszinierende Weise konserviert - mußte nur einer kommen, der den Deckel hebt und in einem CD-Sechserpack die Vergangenheit zu Ohren bringt. Schatzgräber ist der 'Medienabenteurer' Werner Pieper ... Paradestücke ..."
Fritz Rumler in: Der Spiegel
FlashBacks –CDs
Werner Pieper hat aus dem unüberschaubarem Fundus von amerikanischer Jazz, Blues & Unterhaltungsmusik der 20er bis 40er Jahren 150 HighLights ausgewählt und neu zusammengestellt. Die Aufnahmen stammen aus der Jugendzeit unserer Eltern oder Großeltern, denen während der NaziZeit ein Aufenthalt im Knast oder gar KZ drohte, wenn sie beim heimlichen Abhören solcher 'entarteten' Musiken erwischt wurden.
Werner Pieper nutzte Aufenthalte in London, New York & New Orleans zur Recherchen für diese CDs. Er sammelte genügend Stoff, um mehrere CDs mit ca 70 min mitreißender Musik zu füllen. Piepers Kumpel Hartmut E. Höfele hatte die Idee, die verschütteten Wurzeln, unbekannten Preziosen und unerhörten Klangschätze zu kompilieren, die nun hier zum großen Teil erstmals in Deutschland, zu Gehör gebracht werden.
Dank an Pamela Hoffman, Bernhard Brightman, Leigh Smith, Nadina Leganovic, Susanne Steffe, WBAI, Sharon Levinson & Miss Vietnam aus dem Funky Butt und vor allem an Ede für Inspiration und Poolgames.
Unser Dank gilt allen beteiligten Musikern, von denen allerdings kaum noch einer lebt. Von jeder verkauften CD geht ein Anteil an eine dem angemessenen Initiative
Idee: Hartmut E. Höfele
Recherche, Zusammenstellung und LinerNotes: Werner Pieper
Bandmastering: Bernd Windisch
1. Dope Heads Mamas & Papas - Drogensongs
2. The Hottest Stuff In Town - Sexsongs
3. Mama Don't Allow - Novelty Songs (Crazy Stuff)
4. Hallelujah All The Way - Gospels
5. If I Had My Way - Blue & Lonely
6. Hitler & Hell
Ursprünglich auf unserem Transmitter-Label erschienen, wurde diese Reihe dann vom TRIKONT-Label übernommen und erhielt im Herbst 2001 den Jahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik. Wir verkaufen unsere Edition, bis sie vergriffen ist und anschließend die Trikont-Ausgaben.
1. High & Low – Drogensongs
1. The Ink Spots: That cat is high
2. Champion Jack Dupree: Junker's Blues
3. Harry 'The Hipster' Gibson: Who put the benzedrine in Ms. Murphys ovaltine
4. Blue Lu Barker: Don't you make me high
5. Memphis Minnie & Kansas Joe: Wild about my stuff
6. Stuff Smith & His Onyx Club Boys: You'se a viper
7. McKinney Cotton Pickers: Selling that stuff
8. Peter Cleighton with Blind John Davies: Moonshine man blues
9. Florence Desmond: Cigarettes, Cigars
10. Mills Blue Rhythm Band: Minnie the moochers wedding day
11. Cab Colloway: The ghost of Smokey Joe
12. Waring's Pennsylvanians: Let's have another cup of coffee
13. Victoria Spivey & Lonnie Johnson: Dope head blues
14. Ella Fitzgerald & Chick Webb & His Orchestra: Whackey Dust
15. Bukka White: Fixin' to die blues
16. Memphis Jug Band: Cocaine habit blues
16. Baron Lee & the Blue Rhythm Band: Reefer Man
17. Dick Justice: Cocaine
18. Asta Martin: Jake walk papa
19. Louis Armstrong: Kickin' the gong around
20. Rosetta Howard & the Harlem Hamfats: The Candy Man
21. Ray Noble & the New Mayfair Orchestra: Repeal the blues
22. Gene Krupa & his Orchestra: I'm feeling high & happy
23. Jean Brady & Big Bill Broonzy: Knocking myself out
24. Herbert Payne: Smoke Clouds
Back in the USA:
In den 30er und 40er Jahren in den USA gab es viele sehr populäre Lieder über Marijuana (siehe die von mir kompilierten Transmitter-CDs The Sky HighIs High And So Am I sowie Sky High Zwei). Auf der vorliegenden CD finden sich vermehrt Songs über andere Drogen. Exemplarisch möchte ich mich hier über KokainLieder auslassen. Während mir aus dem deutschen Sprachraum nur der alte Gassenhauer "Mutter der Mann mit dem Koks ist da" bekannt ist, sind uns aus dem Amerikanischen gut einhundert Lieder überliefert, so daß Wolf R. Kemper ein 190seitiges, bislang unveröffentlichtes Manuskript über KokainLieder geschrieben hat, aus dem ich für diesen Text hier einiges übernommen habe.
Musik und bewußtseinsbewegende Substanzen, im Volksmund auch 'Drogen' genannt haben eine große Gemeinsamkeit: sie beeinflussen die Seele des Menschen und können derselben zu ekstatischem Erleben verhelfen. Musik ist ein wichtiges Ausdrucksmittel seelischer Zustände, das auch aus dem Unterbewußtsein schöpft. 'Drogen' sind ein Katalysator und Verstärker seelischer und psychischer Zustände. Wen verwundert es da, daß es sich meist um die selben Kräfte handelte, die Drogen und Musik verboten: Religiöse Fundamentalisten und diktatorische Politsysteme. Heute im Spätkapitalismus kommt noch die Industrie hinzu, aber das sind ganz andere Geschichten, zu denen völlig andere Musik spielt.
Bei Stammesvölkern ist der Schamane, unter strikter Einhaltung der dazugehörigen Rituale, für ekstatische Praktiken zuständig. Da die westliche wie auch die afroamerikanische Kultur weitgehend keinerlei intakten Bezug mehr zu solchen, als heidnisch verpönten, traditionellen Ritualen hat, bekommen viele Menschen Probleme mit Drogen, vor allem, wenn sie im falschen Context bzw. falschen ‘Set und Setting’ konsumiert werden. Wobei weitaus mehr Menschen Probleme mit Drogengesetzen, als mit den Drogen an sich haben.
Musiker schaffen es manchmal, die Rolle des zeitgemäßen Schamanen ersatzweise zu übernehmen. Gerade mit Hilfe von Drogen knocken sie immer wieder an Heaven's Door. Nicht erst seit den im Drogenkrieg der vergangenen drei Jahrzehnte gefallenen MusikHelden unserer Generationen (von Hendrix bis Cobain) wissen wir Zuhörer, daß eine aus der Balance gekommene Partnerschaft von Musik & Drogen Opfer fordert. In dem hier dokumentierten Liedgut der 20er bis 40er Jahre taucht so manche Klage über Drogen auf. Der Mehrzahl der Songs jedoch hört man an, daß ihnen das Konzept "Krieg dem Rauschgift" völllig fremd war.
Schon aus der Zeit bevor Musik 'recorded' werden konnte, sind einige Lieder überliefert, die sich mit Drogen befaßen und damit meine ich keine Sauflieder.So stammt der Winnsboro Cotton Mill Blues aus der Zeit, als Coca-Cola noch mit Kokain angereichert war:
"Old man Sergeant, sittin' at the desk,
The damned old fool won't give us no rest,
He'd take the nickels off a dead man's eye,
To buy a Coca-Cola and an Eskimo Pie.
Candy Men & Kokain Blues
Weitere Lied aus jener Zeit trugen so bezeichnende Titel wie Cocaine Bill and Morphine Sue oder auch Cocaine Lil and Morphin Sue. Auch im Text des aus New Orleans stammenden Songs Candy Man, das später u.a.von Donovan aufgenommen wurde, soll es sich um einen Koks-Dealer handeln.
Bei dem ersten uns bekannten, auf Platte aufgenommenen KokainSong, der selbstredend in dieser Compilation vertreten ist, handelt es sich um Victoria Spiveys Dope Head Blues aus dem Jahr 1927. Zwar ist nicht überliefert, ob die damals 21-jährige Victoria selber gekokst hat, aber das von ihr getextete Lied klingt so Koks-realistisch, daß man ihr zumindest unterstellen muß, Kokser gekannt zu haben. Der Song wird von ihr sehr theatralisch gesungen, als ob sie die in der Gesellschaft vorkommende Vorstellung der Kokainabhängigkeit überzeichnen wolle. Kritiker sprechen von einem "Höhepunkt der unrealistischen Selbstüberschätzung durch Kokain". Die Plattenfirma, OKeh kündigte die Single als "Die Platte, die vor Traurigkeit stöhnt" an. Jedenfalls klingt die, dem KokainUser eigene, euphorische Selbstüberschätzung auf dem Weg ins Verderben sehr realistisch durch.Victoria Regina Spivey war zum Zeitpunkt der Aufnahme eine der bekanntesten Jazz- und Bluessängerinnen in den USA. "Den Blues mußt du mit deinem ganzen Körper singen, von den Zehen bis zur Schädeldecke," beschrieb sie ihren Job, "die Töne offenbaren die Freiheit des Bluesgesanges. Dir soll nichtmals bewußt sein, daß sie aus dir kommen. Das Herz wird deiner Stimme schon zeigen, wann der richtige Zeitpunkt ist." Begleitet wird Victoria Spivey bei diesem Lied von Lonnie Johnson, dessen Karriere länger andauerte, als die der meisten seiner BluesKollegen: von 1925 bis in die '60er Jahre. Er beherrschte Piano wie Violine, Gitarre und Mandoline, spielte Violine, Mandoline und Gitarre sowohl Solo wie auch als Begleitmusiker, nicht nur als Partner von Miss Spivey, sondern auch mit Louis Armstrong bei dessen Hot Five Aufnahmen und mit Duke Ellington. Ein wahrer Jazz & Blues All-round-man.
Dope Head Blues
Just give me one more sniffle, another sniffle of that dope, ./.,
I'll catch a cow like a cowboy, and throw a bull without a rope -
Doggone I got more money than Henry Ford or John D.(= Rockefeller) ever had, ./.
I bit a dog like Monday, and forty doggone dogs went mad -
Feel like a fightin' rooster, feelin' better than I ever felt, ./.,
Got double pneumonia and still I think I got the best health, -
Say Sam go get my airplane and drive it up to my door, ./.
I think I fly to London, these muggin' men makes my mouth sore -
The president sent for me, the prince of Wales is on my trail, ./.
They worry me so much, I'l take another sniff and put them both in jail.
Anslingers Dope Blues
Schon bevor Harry Anslinger, ein staatlicher Anti-Drogen Fanatiker, der in den späten 30er Jahren das CannabisVerbot in den USA (und in den 50er Jahren bei den vereinten Nationen) durchsetzte, unter dem wir heute noch weltweit leiden, sorgte er dafür, daß ilegale Drogen nicht positiv besungen werden durften. Wer durch seine Musik Drogengenuß verherrlichte, bekam keine MusikerLizenz, was in den USA einem Auftrittsverbot gleichkam. Viele psychonautische Blues- und Jazzmusiker, die auffällig geworden waren, verließen das Land und gingen nach Europa, vor allem nach Paris. Kokainanspielungen wurden nur noch versteckt in Liedern angedeutet, wie z.B. Wacky Dust von Ella Fitzgerald, oder durch andere Begriffe ersetzt, z.B. wurde in Cole Porters I get a kick out of you (hier von Frank Sinatra dargeboten) das Wort Cocaine durch Perfume ersetzt.
Die Anti-Drogen Propaganda nahm absurde Formen an. In den Jahren von 1941 bis 1959 wurde in den USA nur ein einziges Lied zum Thema 'Kokain' veröffentlicht: der Cocaine Blues von T.J. Arnall. Anslinger wollte seinen fanatischen Anti-Drogen-Krieg auch mit Hilfe von Musik führen. Also ließ er diesen Cocaine Blues aufnehmen, um die weiße Bevölkerung von der 'Gefahr der drogenkonsumierenden Neger' zu warnen. Als Musikstil wurde die von Weißen bevorzugte Countrymusik gewählt, jedoch als 'Blues' tituliert. Klar ist, daß der Texter keine Ahnung vom Kokainkonsum hatte, da er ihn mit der Konsumweise von Opium verwechselte. "I was sitting in a hop joint, smokin' my pill". Das Drogengegner schwer lernfähig sind, konnte man auch bei uns in den frühen 70er Jahren sehen, als die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften das Buch Politik der Ekstase von Prof. Timothy Leary indizierte, weil er das (absurde, völlig wirkungslose) Rauchen von LSD propagiere. Hey, schonmal Schnaps geschnupft?
1927 nahm Victor Records das Lied Cocaine Blues des farbigen Sängers (& Komponisten) Luke Jordan auf. Jordan blieb, trotz verstärkter Suchbemühungen seitens der Plattenfirma später unauffindbar. Das Lied wurde im Jahr darauf von dem New Yorker Sänger Dick Justice aufgenommen, dessen Fassung auf dieser CD zu hören ist. Jordans Cocaine Blues ist ein Lied über die Kosten des Kokainkonsums und die unausweichliche Verschuldung von Koksern. Außerdem wird auf die physischen Folgen, die laufende Nase und der beeinträchtigte Geruchssinn hingewiesen. Erstmals findet sich hier auch der später immer wieder zitierte Hinweis "Cocain is for horses...". In der Tat gab es schon 1924 Hinweise auf RennPferdDoping durch Kokain.
Cocaine Blues
I say come here mama don't you take me for no fool
I wouldn't quit you woman while the weather's cool
Around your back door, I will make my creep
Just as long as you make the two and a half a week
You know that I've got a gal who works in the rich folks yard
Well she brings me meals, she brings me lard
She brings me meals, she brings me lard
She brings me everything that she can steal
I call my Cora, 'Hey, Hey!'
Along comes Sally with her nose all tore
The doctor say she can't sniff no more
I said run here doctor, ringing the bell
There's women in the alley
I'm simply wild about my good cocaine
You know the furniture man come to my door last Sunday morn'
He asked me was my ewife at home
I said no, she's been long gone
And then he backed his truck right up to my door
And he took everything that I had
He carted it on back to the furniture store
I declare, I did feel sad
Oh what in the world has anybody got to do with a furniture man?
If you got no dough to put up to show
He'll take everything he can
Now take everything from an ugly pan
A skillet to a frying pan
If there ever was a devil without any horns
It must have been a furniture man
Oh come on Cora, hey gal
Along comes Sally with her nose all tore
The doctor says she can't sniff no more
He says that cocaine's for horses, it's not for men
He tells me it's gonna kill me, but he don't say when
I'm simply wild about my good cocaine.
Die Hochmeister des Scat-Gesanges
1930, direkt nach dem großen Börsenkrach von '29 wurde das Orchester Cab Colloways die Hausband des berühmten Cotton Clubs in New York. Die Leute wollten keine traurigen Lieder hören, sondern unterhalten werden. Seine Lieder Minnie The Moocher, Kicking The Gong Around und The Ghost Of Smokey Joe, über die koksende und Opium rauchende Herumtreiberin Minnie und ihren Freund Smokey, sorgte nicht nur für lang währenden Ruhm, sondern auch dafür, daß Colloway 1931in die Verdächtigenliste des Commissioner Of Nacotic Drugs aufgenommen wurde. So wurde ihm, wie allen anderen Drogenförderern vom Bureau of Narcotics der Kampf angesagt. Das hinderte ihn nicht, auch in der Folge mehrere Lieder zu Drogenthemen aufzunehmen. In Minnie The Moochers Wedding Day, hier in der Fassung von Mills Blue Rhythm Band, geht es um koksende und Opium rauchende Hochzeitsgäste bei Minnies und Smokeys Hochzeitsparty. Kicking The Gong Around wird hier von Louis Armstrong dargeboten:
Kickin' The Gong Around
It was down in Chinatown, all the cokies laid around,
Some were high and some were mighty low,
Countin' millions on the floor, when a knock came on the door,
And there stood old Smokey Joe.
He was sweatin' cold and pale, he was lookin' for his frail,
He was broke and all his junk ran out,
As he stood and looked around, nobody made a sound,
And then you'd hear old Smokey Joe shout:
"Tell me where is Minnie? - Whoa oh, I want my little Minnie -
Has she been here? Kickin' the gong around?
If you don't know Minnie - Whoo oh, she's tall and she's skinny -
She gets her pleasure - Kickin' the gong around!
You just tell her Smokey Joe was here and had to go."
And as he departed (wiederholt), the curtains parted (wiederholt)
And there was Minnie, kickin' the gong around.
Wenn man das Lied The Ghost of Smokey Joe als Fortsetzung der Minnie-Geschichten sehen darf, so haben sich die beiden getrennt und jeweils dem Opium verschrieben. Wie es die Zufälle so wollen, erlebte Cab Calloway im Alter von 73 Jahren durch seinen Auftritt in dem KultFilm 'Die Blues Brothers' ein spätes Revival. Hauptdarsteller John Belushi starb zwei Jahre später an einerSpeedball-Überdosis.
Calloways Markenzeichen wurde sein ScatGesang "hi de ho...". Der Legende nach vergaß er bei einem Radiokonzert im Frühjahr 1931 den Text eines seiner Minnie-Lieder und fing an zu improvisieren und forderte erst die Band, dann auch das Publikum auf, mitzumachen. Die Hörerpost war so überwältigend, daß dieser ScatGesang fortan zu den Höhepunkten seiner Auftritte wurde. Nicht nur das Pubikum liebte Cab, auch seine Musiker. Er war der erste Bandleader, der mit einem eigenen Pullman Wagon (1. Klasse!) durch die Staaten tourte. Seine EuropaTour im Jahr 1934 wurde zu einem großen Erfolg. Zu seinen Musikern gehörten zeitweilig Dizzie Gillespie, Cozy Cole, Ben Webster. Doch Calloway war nicht nur ein Bandleader, über mehrere Jahre hinweg verfaßte er auch regelmäßig, unter dem Titel Cab Calloway Hepster's Dictionary Sammlungen von Slangausdrücken, wie Jive, ursprünglich, zu seiner Jugendzeit, auch Jev-Wolof genannt. (Wolof = ein Volksstamm in Westafrika - ein weiterer Hinweis auf den Ursprung der schwarzen amerikanischen Musik).
Hokum Jazz
In Memphis entwickelte sich Ende der 20er Jahre eine eigenwillige Musikform, der Hokum-Jazz. Dixieland-Jazz, Ragtime und CountryMusik wurden zu einer Art zeitgenössischer Tingelmusik verwoben, die in dieser Compilation durch Memphis Minnie & Kansas Joe, sowie die legendäre Memphis Jug Band vertreten ist. Diese Bands beherrschten alle möglichen Musikstile, von der Tanzmusik, über Walzer, Balladen und langsamen Blues, bis hin zu rockenden Mandolinen und Harmonikastücken. Menschliche Musikboxen, die man bei uns heute Mucker nennen würde. Sie waren so populär und gefragt, daß zeitweilig zwei Bands unter dem selben Namen auftraten, eine in Memphis, die andere auf Tour. (In den 70er Jahren machten es bei uns die Tingelmusiker von Elster Silberflug ebenso.) Beim Cocaine Habit Blues handelt es sich um eine Komposition von Hattie Hart, die ihn hier auch singt. Schon in der ersten Zeile Cocaine habbit is mighty bad wird festgestellt, daß der Genuß dieser Droge eine schlechte Sache sei. Eine Verherrlichung von Drogen war auch damals nicht erlaubt, sodaß man die eigene Sympathie für Drogen nur verschlüsselt besingen konnte. Der Hinweis auf Mr.Lehmann im Text bezieht sich auf die PharmaFirma Lehmann & Brother, die Kokain bis zum Verkaufsverbot offen dealte. In Strophe 5 wird auf die Folgen der Illegalisierung aufmerksam gemacht: es gab kein sauberes Kokain mehr zum schnupfen, sondern man fing an, eine sparsamere Konsumform zu benutzen: das Fixen. Eventuell wurde hiermit aber auch der Wechsel hin zum Heroin beschrieben. Jedenfalls war schon vor rund 60 Jahren bekannt, daß eine Illegalisierung einer Droge zwangsläufig zu einer Verschlechterung der allgemeinen Situation für User führte.
Cocaine Habit Blues
Cocaine habit 's mighty bad
It's the worst old habit that I've ever had,
Hey, hey honey, take a whiff on me.
I went to Mr. Lehman's in a lope,
Saw a sign in the window, says 'no more dope!',
Hey, hey honey....
If you don't believe cocaine is good,
Ask Alma Rose at Minglewood,
Hey, hey....
I love my whisky and I love my gin,
But the way I love my coke is a doggone sin,
...
Since cocaine went out of style,
You can catch 'em shooting needles all the while,
...
Well, taste a little coke, to give me ease,
Strut your stuff, long as you please,
....
Das Have a whiff on me wurde in den 60er Jahren von der deutschen DödelBand The Lords unter dem Titel Have a drink on me zu einem KirmesHit. Und in England wurde die Fassung des Liedes von Mungo Jerry vom BBC gebannt.
Lizzie Douglas aka Memphis Minnie war eine der wildesten und beliebtesten Sängerinnen ihrer Zeit. 1897 in Algiers, Lousianna, dem Stadtteil von New Orleans auf der anderen Seite des Mississippi, geboren, begann sie ihre Laufbahn auf der Straße und sang sich Mississippi aufwärts nach Memphis durch. Ihre Plattenkarriere begann 1929 und machte sie in den 30er Jahren zu einem Star. Sie war im Laufe ihres Lebens mit mehreren BluesSängern verheiratet, nutzte diese aber nur als Begleitmusiker. Spielte sie anfangs meist im Duett, sattelte sie später auch auf größere Bands um. Sie war bis in die 50er Jahre hinein aktiv. Von Anfang an besaß sie eine harte, laute Stimme, die durch die aufkommende Technologie noch verstärkt wurde. "Der Gesang, die elektrische Gitarre und das Schlagzeug klangen so hart und laut, daß man vor Lärm kaum etwas verstehen konnte und allein der Rhythmus durchkam. Und der Rhytmus ist so alt wie Minnie's älteste Vorfahren..." So der Schreiber Langston Hughes in den frühen 40er Jahren. Ob sie wirklich das Vorbild für Cab Calloways 'Minnie' Lieder war, wie es Gerüchte besagen, läßt sich nicht mehr klären.
Das weiße Pulver
Bandleader und Komponist Chick Webb, ein enger Freund Cab Calloways, schrieb 1938 das Lied Wacky Dust. Es ist ein Lied über die Wirkung des Kokains, dem 'Wacky Dust', das durch ein 'heißes Cornet' geschnupft, dem Konsumenten ein Gefühl von Leichtigkeit und angenehmer Coolness verschaffe. Gesungen wurde das Lieds von Chicks Sängerin Ella Fitzgerald.
Wacky Dust
They call it wacky dust
It's from a hot cornet
It gives your feet a feelin' so breezy
And oh it's so easy to get
They call it wacky dust
It brings a dancin' jag
And when it starts then only a sap
Will refuse to the Big Apple or Shag
Now I don't know just why it gets you so high
Putting a buzz in your heart
You'll do a marathon
You're one of the ones kicking the ceiling apart
They call it wacky dust
It's something you can't trust
And in the end the rhythm will stop
When it does then you'll drop from wacky dust.
Champion Jack Dupree, der bei uns sehr bekannt wurde, als er seine letzten Lebensjahre Jahre in Hannover wohnte, war in seiner Jugend ein recht guter ProfiBoxer in New Orleans. Nachdem er das Boxen 1938 aufgab, wendete er sich der Musik zu. Im Jahr 1941 nahm er seine erste Platte für OKeh Records auf, den Junker's Blues. Bei diesem Stück handelt es sich um das erste Lied, daß zwischen sogenannten harten und weichen Drogen unterscheidet. Das Kiffen wird als harmloser Zetvertreib, das Koksen und Morphingenuß als üble Angewohnheit eingeschätzt. Jack wohnte bei seinem Bruder, der Sergeant bei der Polizei war. Dieser gestattete das Kiffen in seiner Wohnung nicht, also mußte der Champ immer auf die Straße gehen, um seine Reefer zu rauchen. Als diverse Veranstalter Jack Dupree auf Grund des Erfolges dieser Platte als 'King of the Junkers' ankündigten, fügte er eine weitere Strophe hinzu: "Some people say I use a needle,
And some people say I sniff cocaine..." Mit dem 'brother' im Text ist nicht sein leiblicher Bruder gemeint, sondern ein Soul-Brother. Später waren seine Alkohol-Lieder erfolgreicher, als sein Junker's Blues, den er 1973 in einer Neufassung mit King Curtis auch sang, ohne Kokain zu erwähnen. Sein Junker's Blues wurde übrigens 1948 von Fats Domino abgekupfert, mit einem neuen Text versehen und erschien unter dem Titel (They call me) The Fat Man als Dominos erste Platte..
Junker's Blues
They call, they call me a Junker
Cause I